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SKY BAR

Landsberger Allee 106, 10369 Berlin

„Partyfeeling in guter alter Barkultur mit Culture Clash zur freaky Mixologenszene. Kurz: Classy Classics meet Berlin Style Cocktails.“ So beschreibt sich die Bar selbst.

Der Blick jedenfalls ist spektakulär. Die Inneneinrichtung durchaus schlüssig, allerdings zieht es bei unserem Besuch beträchtlich, was aber nicht an der Höhe der in der 14. Etage untergebrachten Location liegt, sondern an der Klimaanlage.

Der Service, ja, ist vorhanden. Wenn man ihn – obwohl die Bar bei unserem Besuch nur wenige Gäste hat – höflich bittet. Nach angemessener Zeit gewährt man uns einen Blick in die Karte. Allerdings nur kurz. So sehr sich der Service am Anfang Zeit gelassen hat, jetzt holt er sie wieder auf.

Wir bestellen den  „Monkey Gland“ und den „Pirat im Kräutergarten„. Ersterer enthält Tanqueray London Dry Gin, Orangensaft, Grenadine, Zuckersirup und Absinth. Eine spannende Mischung, die Ausführung fällt für unseren Geschmack allerdings deutlich zu süß aus. Das Rezept kann mehr.

Das gilt leider auch für den zweiten Cocktail. Der „Pirat im Kräutergarten“ besteht aus Kraken Blackspiced Rum, Salbeisirup, Zitronensaft, Orange und OrangensaftSalbei und Zitronen Espuma. Leider verspricht auch dieses Rezept mehr als der Cocktail dann hält. Wenn schon Espuma, dann doch bitte richtig. Richtig meint ungefähr so wie das Fariy Tale das kann. Dann machen Anleihen an die Molekularküche nicht nur Laune, man versteht sie auch.

Die Idee einige modernere Kreationen zu bieten ist sehr zu begrüßen. Sie sind in der wirklich guten Karte als „Berlin Style“ gekennzeichnet. Der Anspruch vermittelt sich nur ansatzweise. Wie die Modernisierung von Klassikern wunderbar funktionieren kann, lässt sich etwa in Hildegard Bar erleben, wo die Cocktails wirklich Pfiff haben und überraschen.

Vielleicht haben wir auch nur einen Abend erwischen, an dem es nicht so rund lief. Wir fanden die Bar in Lichtenberg jedenfalls klasse und sind sicher, dass sie ihr Potenzial noch ausschöpft.

Qualität: 6 Punkte

Service: 5 Punkte

Atmosphäre: 8,5 Punkte

Summe: 19,5 Punkte

 

FAIRY TALE BAR

Am Friedrichshain 24, 10407 Berlin

Erinnert sich noch jemand an die frühen LPs – ja Vinyl – der Band Genesis? Die Zeit vor Disco und lange vor Punk, als Bands es riskierten Stücke von 10 bis 20 Minuten Länge anzubieten. Wer die Cover der Alben Trespass (1970), Nursery Cryme (1971), Foxtrott (1972), Selling England by the Pound (1973), A Trick of the Tail und Wind & Wuthering (beide 1976) vor Augen hat (oder im Netz nachschlägt), fühlt sich im Fairy Tale sofort heimisch.

Die Bar ist wie ein dreidimensionales Genesis-Cover der frühen Jahre: die auwändige, detailverliebte und ungemein originelle Einrichtung versetzt einen tatsächlich in eine inspirierende Märchenwelt. Überraschend.

Zur Karte: Wir wollen hier nichts weiter verraten, um niemanden den Spass zu verderben. Nur so viel: Auf die Idee Bücher als Barkarte zu verwenden, wird immer wieder zurückgegriffen. Aber eine originellere Barkarte wie im Fairy Tale haben wir noch nirgendwo in der Hand gehabt.

Auch zum Service wollen wir nichts weiter erzählen, außer dass er kompetent und sehr freundlich war. Lassen Sie sich überraschen.

So viel strenge Form, speist die Befürchtung, dass der Inhalt vielleicht nicht ganz mit halten kann. Doch Befürchtungen dieser Art erweisen sich als überflüssige Bedenken, denn der Inhalt, sprich: die Cocktails, sind auf Augenhöhe.

Zum Beispiel „Der Blaubart“, bestehend aus Grand Marnier 100, Tanqueray Old Tom Gin, Zitronensaft, Orangenespuma, ist exzellent. Der französische Likör aus karibischen Bitterorangen bildet eine sehr dominante Basis, die gut mit dem besonderen Gin harmoniert. Der Old Tom ist eine eine spezielle Destillation der Marke Tanqueray, die leicht mit Zuckerrüben gesüßt wird. Für den besonderen Geschmack dieses Gins sind natürlich alle Zutaten verantwortlich, zu denen in diesem Fall auch Ananas gehört. Dennoch ist der Old Tom kein süßer Gin.

Grand Marnier und dieser Gin – diese beiden starken Geschmäcker zu kombinieren ist riskant. Dazu noch der der Molekularküche entliehenen Orangenschaum (Orangenespuma), darauf muss man erst mal kommen. Im Fairy Tale gelingt die Kombiation ganz wunderbar. Der Cocktail ist kräftig, sehr harmonisch und die Kombination der leichten Süße mit den bitteren Aromen gelingt hervorragend.

Es bleibt nicht bei diesem Cocktail. Wir probieren noch weitere Angebote der tollen Karte und das Niveau ist durchweg hoch. Alle Cocktails folgen einer mit einem Märchen verbundenen Idee und keiner war langweilig oder belanglos.

Unser Eindruck: Das Fairy Tail spielt weit über den üblichen Standards und ist eine der spannendsten und besten Bars, die wir in den letzten Jahren besucht haben.



Qualität: 9

Service: 8

Atmosphäre: 9,5

Summe: 26,5

Hudson Bar

Elßholzstraße 10, 10781 Berlin

Die Hudson Bar, gut versteckt in einer Seitenstraße in Berlin-Schöneberg, hat eine der anspruchsvollsten und schönsten Barkarten des Landes. Umfangreich, mit zahlreichen kenntnisreichen Geschichten und einem Teil in japanischer Sprache, macht es großen Spass in ihr zu blättern und zu lesen.

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Der lange Tresen und die zahlreichen Sessel sind bequem und einladend, die Beleuchtung erzeugt eine sehr angenehme Atmosphäre und der wunderbar ausgewählte Jazz – all das sind beste Voraussetzungen für einen guten Abend. Der Service bedient zügig, wenngleich etwas wortkarg, doch Wasser und Baarfood kommen postwendend.

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Wir kosten unter anderem den Hudson Bay (Dry Gin, Kirschlikör, High Proof Rum, Orangensaft, Zitronensaft). Leider ist die Dosierung viel zu stark und die Mischung unausgewogen. Ein starker Drink war ja geordert, aber dieser Cocktail ist an der Grenze der Trinkbarkeit.

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Auch ein von der Begleitung gewählter Absinth-Cocktail gelingt nicht und bleibt stehen. Das ist sehr bedauerlich, denn, wie gesagt, die Atmosphäre ist wunderbar und weit überdurchschnittlich. Wir versuchen es noch mal.

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Qualität: 2 Punkte

Service: 6 Punkte

Atmosphäre: 9 Punkte

Summe: 17  Punkte

 

Tadeo Bar

Plaza Mayor, Trinidad, Kuba

Nur ein paar Schritte von der Plaza Mayor in Trinidad entfernt bietet die sympathische Tadeo Bar dieselben Drinks, die es auf dem touristisch attraktiven Platz gibt.

Der Unterschied: Die Cocktails kosten hier die Hälfte, bei gleicher Qualität. Am besten setzt man sich in der Blauen Stunde auf die Treppe des Hauses, betrachtet das lebendige Straßenleben und den Sonnenuntergang.

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Wir testen einen hervorragenden Pina Colada und den Chancancera, der aus drei Komponenten besteht: kubanischer Honig, Zitronensaft und Rum – aufgebaut als Schichtdrink. Was sich wie ein sozialistischer Albtraum liest erweist sich als erfrischende, charakterstarke Köstlichkeit. Vor allem der kraftvolle einheimische Honig gibt dem Drink eine herbe Süße jenseits aller Klebrigkeit.

Qualität: 8 Punkte

Service: 7 Punkte

Atmosphäre: 9 Punkte

Summe: 24 Punkte

VARADERO

Vorbergstrasse 11

10823 Berlin

Das Varadeoro ist eine Cocktailbar Restaurant in Berlin-Schöneberg, bunt, lebendig und ungemein sympathisch. Neben kubanischen Speisen verfügt das Etablissement eine beachtliche Cocktailkarte und erwartungsgemäß dominieren Rum-Cocktails. Wir probieren den Daquiri Papa Hemmingway (weißer Rum, Limetten- und Grapefruitsaft, Maraschino, Zuckersirup). Der Zuckeranteil ist erfreulich niedrig und der Cocktail sauer, aber nicht zu sauer, kräftig und in jeder Hinsicht einwandfrei.

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Ebenso erfreulich der zweite Test: Der Presidente No. 1 (dunkler Rum, Grenadine, Martini rosso, Triple sec., Zitronensaft) ist wie bestellt herb und leicht bitter. Das Rezept stammt aus den Jahren um 1910 und ist benannt nach dem Präsidenten Mario García Menocal, der einen dem Manhatten ebenbürtigen Cocktail haben wollte. Ob das gelungen ist bleibt eine Frage des Geschmacks, der vom Varadero servierte Cocktail erfüllt jedenfalls alle Ansprüche. Zu erwähnen sind schließlich, neben dem guten Service, die auffallend günstigen Preise der Cocktails. Eine solche Qualität zu einem so günstigen Preis ist uns weder in Berlin noch anderorts ein zweites Mal begegnet.

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Einfach großartig.

Qualität: 7 Punkte

Atmosphäre: 8 Punkte

Service: 7 Punkte

Summe: 22

MUTTER

Hohenstauffen Str. 4, 10781 Berlin

Mutter meint beides: Zum einen, so die Hompage, „eine Frau die ein oder mehrere Kinder geboren hat“ zum anderen „einen Teil der Schraube, der das Gewinde drehbar umschließt“. Die Bar und das Restaurant in Berlin Schöneberg, das sich diesen Namen gegeben hat, bietet eine der kuriosesten Inneneinrichtungen der Stadt. Lederstühle, die gut in Wiener Kaffeehaus passen würden, originell gestaltete Tische und Lampen, eine opulente Bar. Kulinarisch hat siuch die Mutter der Thai-Küche verschrieben, bietet die entsprechenden Standards und einige nicht ganz so üblichen Gerichte, natürlich eine Reihe davon vegetarisch und vegan, wie sich das in der Nähe des Winterfeld- und Nollendorfplatzes erwarten lässt, sowie einige Dutzend Cocktails.

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Wir kosten den Cucumber-Appletini (Gin, Holundersirup, Zitronensaft, Apfelsaft, Gurke) und den Tempest (Tequila, Mandarine, Cranberry, Zitronensaft, Orangensaft, Maracujasaft). Der Tempest ist opulent, reichlich, aber nicht überladen dekoriert. Er hat vielleicht ein wenig zu viele Cranberrys und gerät einen Tick zu süß, aber das ist fraglos Geschmacksache. Alles in allem ist er sehr gut gemixt, ausgewogen und schmeckt wunderbar.

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Mit dem Cucumber-Appletini gelingt dem Bartender an diesem Abend ein ganz Wurf. Er ist perfekt ausgewogen. Die Dosierung des Holundersirups gelingt perfekt und gibt dem Drink eine Eleganz, die ihresgleichen sucht. Der Cucumber-Appletini in der Mutter ist eine Entdeckung.

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Sehr gut ist auch der Service. Das Restaurant ist an diesem Abend gut gefüllt, aber die beiden Damen und der Bartender hinter dem Tresen, arbeiten mit einer bewundernswürdigen Gelassenheit und geraten auch nicht aus der Fassung, wenn am Nachbartisch ein Gericht individuell und filmreif angepasst wird: „Ich hätte gerne Menü Nummer 4, aber…“ und dann wird munter angepasst und kombiniert wie in dem Film „Harry und Sally“. Auch dann bleibt der Service freundlich gelassen und man bedauert es fast, dass der Service so flink ist, denn die Mutter ist großes Kino.

Qualität: 7,5 Punkte

Atmosphäre: 9 Punkte

Service: 8 Punkte

Summe: 24,5

Absintherie

Jilská 7, 110 00 Praha 1

Prag ist eine Biertrinkerstadt. In Prag Cocktails trinken zu wollen – ein absurder Gedanke. Nicht, dass nicht an jeder dritten Location das Wort „Cocktails“ prangen würde, im Angebot aber stehen die üblichen Verdächtigen des globalen Tourismus: Maipirinha, Mojito und Co. und die Hotels natürlich.

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Nach längerer Suche findet sich die Absintherie unweit des Altstädter Rings. In einem jener Gewölbe, in denen in dieser Stadt üblicherweise Bierkneipen beheimatet sind, bietet das Team rund 100 Sorten Absinth aus Tschechien, der Schweiz, Frankreich, Spanien, Deutschland, Russland und den USA. Das Absinth-Trinken wird zelebriert wie es erwartet werden kann, an den Wänden entsprechende Plakate und einige Säulenheilige des Absinthkults: van Gogh, Hemingway, Oscar Wilde…

Im Angebot stehen auch ein Dutzend Absinth-Cocktails. Wir probieren den Absinth Berry (Absinth 35 aus Tschechien, frische Heidelbeeren, Salbei, Zitronensaft, Zucker). Was kommt, haben wir noch nie so gesehen und staunen darüber, wie viel Eis sich in ein einziges Glas packen lässt. Obenauf thront zusätzlich eine kleine Eisschale, in der drei Blaubeeren auf den Verzehr warten.

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Absinth Berry

Der Geschmack des Cocktails lässt sich nur begrenzt beurteilen, denn die Menge war so gering, dass kein sicheres Urteil möglich ist. Der Schluck, den wir dem Eisberg abtrotzen konnten, war jedenfalls vielversprechend und aller Ehren wert.

Warum Prag sich zur Absinthhauptstadt Europas entwickelt hat – kein Minimarkt ohne beachtliches Angebot, von den Fachgeschäften ganz zu schweigen – bleibt uns bei diesem besuch verschlossen.

Die Absintherie hilft Cocktail-Trinkern in der Biertrinkerstadt Prag über die Durststrecke.

Qualität: 6 Punkte

Atmosphäre: 7 Punkte

Service: 6,5 Punkte

Summe: 19,5