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ALTA BAR

64 West 10th Street, New York, NY 10011, USA

Die Alta Bar ist der vordere Raum des Alta Restaurant in Mid-Manhatten. Mediterran geht es hier zu, die spanische Tapas Bar ist das Vorbild und das Vorbild ist gut getroffen. Neben Wein und Bier gibt es eine kleine Karte mit sechs hauseigenen Cocktails. Der Einfachheit halber haben sie keine Namen, sondern sind durchnummeriert. Tequilla, Rum, Gin, Burbon, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Wir kosten „No. 4“. Die Zutaten: The Botanist Gin, Yellow chartreusse, fennel und lemon.

Ungewöhnlich ist der Fenchel, aber natürlich gibt dem Cocktail seine eigene Note und funktioniert gut. Die Dosierung ist genau richtigt und man könnte sich durchaus einige Zeit mit dem Cocktail aufhalten.

Der leider Raum eignet sich nicht für Gespräche, denn er ist eigentlich nur der Durchgang zum Restaurant. Ein permanentes Kommen und Gehen. Vielleicht haben wir auch nur die falsche Zeit gewählt und es lohnt ein Wiederkommen in den Randzeiten.

Qualität: 7 Punkte

Service: 6 Punkte

Atmosphäre: 5 Punkte

Summe: 18 Punkte

 

ATTABOY

134 Eldridge St, New York, NY 10002

Auf der Liste der „50 World Best Bars“ steht Attaboy auf Platz 8. Auch wenn diese Listen reichlich gesponsert, also bezahlt und mit entsprechenden Interessen belegt sind, wir machen die Probe aufs Exempel. Doch das ist gar nicht so einfach, denn bei der angegebenen Adresse steht ein offenkundig leeres Haus, nicht allzu weit entfernt von der Abbruchreife.

Wir glauben nicht, dass sich hier hier eine der weltweiten Top-Ten-Bars verbergen könnte. Nebeneingang? Hinten herum? Einmal um den Block. Wir geben die Sache schon fast auf, als wir eine kleine Klingel neben der Tür entdecken.

Ein junger Mann tritt heraus, schließt hinter sich wieder die Tür, begutachtet den Möchtegerngast. Der hält der Prüfung offenkundig stand und sieht sich mit der Frage konfrontiert: „How many?“ Das irritiert, denn weit uns breit ist niemand sonst zu sehen, aber pflichtschuldig antworten wir: „One person.“ – „Good, I’ve one place at the bar.“ Dann öffnet sich wieder die Tür.

Ein Schlauch von mindestens 30 Metern Länge und höchstens zwei Metern Breite wird sichtbar, mit einem endlosen Tresen. Dahinter wird gemixt, als ginge es ums Leben.

Eine Karte gibt es nicht. Stattdessen erkundigt sich der Bartender nach Vorlieben. Gin, ja gerne. Etwas winterlich? Warum nicht?

Wie der Cocktail heißt, den kurz darauf serviert wird, wissen wir nicht. Ein sehr milder Gin ist zu identifizieren, Cognac, vermutlich ein Spritzer Angostura … der Rest wäre geraten. Der Geschmack? Umwerfend. Kraftvoll, aber nicht zu stark. Ein großer Eiswürfel, der den Cocktail kühl hält, aber nicht verwässert – ein sehr eleganter Mix, der Konstistenz und Geschmack über eine halbe Stunde hält.

Die Einrichtung passt zu der das Erbe der Prohibitionszeit inszenierenden Location, die mit dem Verbotenen ein wenig spielt, ohne das allzu ernst zu nehmen. Der Service hätten wir uns ein wenig auskunftsfreudiger gewünscht, aber an der Freundlichkeit gibt es nichts auszusetzen. Und der Cocktail: Weltklasse.

Qualität: 10

Service: 8

Interieur: 9

Summe: 27

 

DANIEL

60 E 65th St, New York, NY 10065, USA

Das Daniel ist das, was es in dieser Form in Europa eigentlich fast nicht mehr gibt: Das Restaurant eines anspruchsvollen Grand Hotels und das Stammhaus von Daniel Boulud. Der gebürtige Franzose ist seit Jahrzehnten in New York und betreibt dort ein halbes Dutzend Restaurants. Das Restaurant des Internationalen Eckart Witzigmann Preisträgers ist mit zwei Michelin-Sternen bewertet und einer der kulinarischen Hot Spots der Stadt. Wir besuchen aber nicht das Restaurant, sondern die Bar im Daniel.

Ein dunkler Raum, der die besten Grandhotel-Traditionen aufnimmt und modern interpretiert. Es ist sehr verblüffend und gekonnt, wie Boulud dort eine sehr angenehme Atmosphäre schafft: Ölgemälde, sehr geschickte Beleuchtung und die Bar angenehmen Licht – die Zutaten wirken alle bekannt und nicht unbedingt neu. Die Atmosphäre aber ist das Gegenteil von traditionell oder gar verstaubt. Sehr raffiniert und elegant.

Wer das Vergnügen hat, Boulud dort kennenzulernen, erlebt einen mitreißenden Gastgeber, der es versteht, seine Gäste nach einem anstrengenden Tag zu „restaurieren“. Gastgeber und Bartender empfehlen – unabhängig voneinander – den „Signature Drink“ des Hauses, den White Cosmopolitan. Die Zutaten: Helix Vodka, St-Germain Elderflower Liquor, White Cranberry, Lime.

Eigentlich ein klassischer Drink, dessen Vorläufer aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts stammen und der in den 70er Jahren ein großes Revival erlebte. Im Grund keine aufregende Sache, vier Zutaten, im Shaker geschüttelt; ein unkomplizierter Cocktail, der zahllose Variationen und Neuinterpretationen erlebt hat.

Was Daniel Bouluds Bratender daraus macht, ist schlicht sensationell. So ausgewogen und fein, haben wir den White Cosmopolitan noch nie im Glas gehabt. Die in der Eiskugel eingefrorene Litschie, gibt dem Cocktail einen Pfiff, der überrascht und großartig funktioniert. Boulud fragt natürlich nach und hat sichtlich Spass an den Eindrücken. Selten haben wir so einen leidenschaftlichen, begeisternden Gastgeber erlebt. Hinreißend, mittreißend, ein Meisterwerk – die Bar, der Gastgeber und seine Kreation.

P.S. Gibt es irgend etwas, das diesen Eindruck trübt? Bei unserem Besuch: Nein!

Qualität: 10 Punkte

Service: 10 Punkte

Atmosphäre: 10 Punkte

Summe: 30 Punkte

 

SUGAR HOUSE

2130 Michigan Ave, Detroit, MI 48216, USA

Hier trinkt das neue, junge, ja, durchaus wohlhabende Detroit. In In der Madison Avenue, wo es vor Jahren besser war, sich nicht mal tagsüber blicken zu lassen, wenn einem sein Leben lieb war, sind eine reihe neuer, junger Restaurants und Bars entstanden.

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Es dominiert der raue Belin-Style der späten 1990er Jahre, hier in amerikanischer Prägung mit Backsteinwänden, ausgestopften Jagdtrophäen in beachtlicher Zahl und Größe an den Wänden, Luftballons an der Decke, Kronleuchtern und ein riesiger Tresen.

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Ein wenig wild und dennoch angenehm und nicht zuletzt warm, während draußen der eisige Winde über die großen Seen durch die Stadt pfeift.

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Der Service ist zügig, freundlich und erklärt kompetent das Menü, das sich in zwei Kapitel gliedert. Zum einen etwa 100 Standards, wie sie weltweit überall zu bekommen sind, zum anderen ein Dutzend Eigenkreationen. Die sind versammelt unter dem Begriff „Craft Cocktails“ und folgen erkennbar der erfolgreichen Biermode.

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Wir entscheiden uns dafür und wählen den Black Walnut & Rye Cocktail. Die Zutaten: Two James Catcher’s Rye, Sherry, Black Walnut Leaf Syrup, Amargo Valet Bitters, Atomizes New Holland Gin. Es kommt ein dunkler, kräftiger und ein wenig an den Martinez erinnernder Cocktail, der ausgesprochen gelungen ist. Mit dem Syrup hat der Mixer nicht gespart, so dass der Walnussgeschmack auch klar erkennbar ist, aber dennoch erschlägt die Dosierung nicht den Rest. Auch die Bitters sind gekonnt dosiert, schmeckbar, aber nicht zuviel. Alles in allem ein sehr gelungener, kraftvoller, amerikanischer, aber keineswegs platter Cocktail mit klarer Handschrift.

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Sie trauen sich was im Sugar House in Detroit – und das gekonnt: Kompliment.

Service: 8

Atmosphäre: 7,5

Qualität: 7,5

Summe: 23      

THE BAR

Grand Central Station, Nordic Food Hall, Vanderbilt Hall, 89 East 42nd Street, 10017 New York City, USA

Der kreative dänische Koch und Grastronomieunternehmer Claus Meyer – Gewinner des Internationalen Eckart Witzigmann Preises „ECKART 2015 für Kreative Verantwortung und Genuss“ (http://www.eckart-witzigmann-preis.de), ist erneut aufgebrochen: Nach der Gründung des mehrfach zum besten Restaurant der Welt gewählten NOMA in Kopenhagen, das die Nordic Cuisine berühmt gemacht hat, und seinen Aktivitäten in Bolivien, hat er nun in der Grand Central Station die Nordic Food Hall eingerichtet.

Dort findet sich auch THE BAR – hell, übersichtlich, sympathisch.

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Auf der Karte finden sich vier Cocktails, streng genommen Aperitifs, die unkomplizierten, aber durchaus raffinierten Genuss versprechen.

Wir wählen den Rabararinia mit Rhabarbersirup, Thymian und Hampton Rum. Letzterer wird auf Long Island in Montauk destilliert, mit einem spürbaren, aber keineswegs alles überlagernden Zimt-Anteil, was eine zeitlang in den USA groß in Mode war.

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Das Ergebnis ist ein sehr ansprechender,  leichter und unkomplizierter Cocktail für heiße Tage. Der selbst gemachte Sirup und der frische Thymian harmonieren gut mit dem Rum, die Mischung der Zutaten ist ausgewogen und harmonisch. Der Cocktail  hat Kraft und Geschmack.

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Der Service serviert den Rabararinia lächelnd und mit der berühmten amerikanischen Freundlichkeit. Der Platz am Tresen von Claus Meyers THE BAR bietet eine angenehme Pause inmitten des quirligen Midtown-Lebens von New York.

Qualität: 8,5 Punkte

Service: 8,5 Punkte

Atmosphäre: 8,5 Punkte

Summe: 25,5  Punkte

FALLINGWATER

Pennsylvania, USA

Leider keine Bar – aber eines der wirklich großen architektonischen Wunder und wahrlich geeignet für einen guten Drink.

Von Washington DC Richtung Detroit auf dem Highway 79 geht es bei Morgantown auf die 119 North zum Bear Run Reserve. Mitten im amerikanischen Urwald liegt Frank Loyd Wrights Landhausvilla Fallingwater, 1935-37 erbaut für den Pitsburger Kaufhausbesitzer Edgar J. Kaufmann. Ein Museum in dem sie die Asche bewahren – nein, man betritt den Raum und spürt: Hier brennt das Feuer der Moderne. Hier gelingt die Synthese jener Wohnlichkeit, der Architektur um 1900 mit den radikalen Ansprüchen, die das Bauhaus formuliert und nicht immer überzeugend umgesetzt hat. Und hier auf dem Beistelltisch neben dem Kamin steht alles was es braucht – und bei den angebrochenen Flaschen handelt sich nicht um Getränke aus dem 20. Jahrhundert. Wir haben uns nicht getraut, etwas einzugießen. Aber der grandiose Raum und die hellen, verwegenen Terrassen – man möchte bleiben. Und wer wissen möchte, warum es hinter die Moderne kein zurück gibt: Fallingwater öffnet die Augen.

Qualität: leider nicht bewertbar

Atmosphäre: awesome

Service: hätten wir gekonnt

Summe: unvergleichlich