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VELVET BAR

Ganghoferstraße 1, 12043 Berlin

Neu, regional, saisonal, modern – das ist in wenigen Worten das Konzept der Velvet-Bar in Neukölln. Und das Konzept funktioniert. Gelegentlich drängt sich der Eindruck auf, Modernität und Gastlichkeit gingen nicht zusammen, und die Bartender bestechen durch ihren introvertierten Auftritt, wobei die Gäste als notweniges Übel erscheinen, das sich branchenbedingt nicht ganz umgehen lässt.

Ganz anders die Velvet-Bar, wo wir zügig, freundlich und gut gelaunt bedient und kompetent beraten werden.  Uns haben diese Ratschläge besonders gut gefallen, denn sie sie waren zurückhaltend, haben die Gäste ernst genommen und  Hinweise gegeben, ohne zu bevormunden.

Die Coacktails, die wir probieren, sind ohne Ausnahme sehr gut. Hier sind Könner an der Arbeit, die ihre Kompetenz nicht präsentieren, sondern in den Dienst einer Idee stellen. Wie der Anspruch regional und saisonal eingelöst wird, wird zum Beispiel beim Flip the Lid deutlich. In diesem Cocktail finden sich Schwarzer Knoblauch aus Werder an der Havel, Schwarzer Knoblauch, Mezcal, Aquavit und Schokolade. Klingt wild, schmeckt aber gerade an kühlen Winterabenden hervorragend.

Noch besser: der Cantaloupe (Muskatkürbis aus Vierlinden, Kürbislikör, Old Tom Gin, Mezcal, Verjus und Zitronensäure). Schmeckt kräftig und ist süffig. Kürbis klingt verblüffend und ungewöhnlich, aber der Cocktail ist in keiner Weise erklärungsbedürftig, man fragt sich eher warum niemand vorher darauf gekommen ist.

Das gefällt uns besonders an der Velvet Bar: Saisonalität und Regionalität werden nicht nun modisch behauptet, sondern schlüssig und überzeugend umgesetzt. Es dürfte nur wenige Bars geben, die die Coktailkultur der Gegenwart so kreativ und gekonnt erneuern, wie die Velvet Bar in Neukölln.

Qualität: 9 Punkte

Service: 9 Punkte

Atmosphäre: 8 Punkte

Summe: 26 Punkte

 

Lang Bar

Hardenbergstraße 28, 10623 Berlin

In der Lang Bar im Zoofenster im alten West-Berliner Zentrum, das sich im permanenten Umbau befindet, soll man sich „ein bisschen wie im Film“ fühlen, so die von der „RTL Radio Center Berlin GmbH“ betriebene Hommage „top10berlin.de“, auf der alles immer nur super ist. Was für ein Film? Die Homepage mein: „Smart gekleidete Barkeeper zelebrieren die Kunst der Cocktailzubereitung, wie sie aus dem legendären Luxushotel The Waldorf Astoria New York bekannt geworden ist, mit ein paar Berliner Extras!“

Aha. War der Barkeeper „smart“ gekleidet? Wir können uns an nichts Auffälliges erinnern. Wurde irgendwas „zelebriert“? Ja, die Preise. International mag das Niveau gängig sein, in Berlin bekommt man doppelt so gute Cocktails für zwei Drittel des Preises.

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Das Interieur ist in Ordnung, man sitzt angenehm und im Vergleich zu den meisten Hotelbars dieser Klasse durchaus überdurchschnittlich. Dekoration und die Karte spielen mit dem Namensgeber Fritz Lang, durchaus ansehbar.

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Verteilt über ein Jahr haben wird die Lang Bar drei Mal besucht und zum Beispiel den Astoria Cocktail (Old Tom Gin, Nolly Prat, Orange Bitter) gekostet, den Waldorf Cocktail (Old Oberhold Rye Whiskey, Bunt e Mes, Pernod Absinth, Whiskey Bitter) und noch einige andere Cocktails. Die Qualität war konstant mittelmäßig, keine Ausfälle, keine Highlights. Trinkbar, nicht mehr und nicht weniger. Der Name Fritz Lang verspricht etwas anderes.

Qualität: 6 Punkte

Service: 6 Punkte

Atmosphäre: 7 Punkte

Summe: 19  Punkte