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THE LIVING ROOM – THE STANDARD

 848 Washington St, New York, NY 10014

The Standard ist immer noch eines der „In-Hotels“ in New York. Es liegt inmitten des Meatpacking-District, früher der Bauch der Stadt, wo das Fleisch für ganz New York zerlegt wurde, heute ein „up and coming“. Männer ohne Hipsterbart werden dort praktisch nicht mehr ausgeliefert – und das ist nur wenig überzeichnet.

Wirklich gut Essen kann man im Whitney Museum um die Ecke in Suzanne Cupps – gerade mit demnach Eckart Witzigmann benannten  ECKART 2018 FÜR LEBENSKULTUR ausgezeichnet –tollem Restaurant Untitled.

Frisch, saisonal, leicht, raffiniert und feminin sind ihre Teller.

Die Preise erweisen sich zudem als für New Yorker Verhältnisse sehr angemessen.

Auch die Weinkarte ist gut ausgewählt.

Wir aber besuchen d die Bar des Standard, den „Living Room“. Die Einrichtung entsprich dem, was zu erwarten ist; blicken wir also in die Karte. Acht Cocktails stehen im Angebot. Sie tragen Namen wie bomb pop, the domino effect, tourist visa oder the superlative paloma, um nur die ersten vier zu nennen. Hauptsache kreativ und originell.

Wir testen den Baby BlueAged cognac, weist die Karte als Zutat aus, dazu bergamot, lemon, aromatic curry bitters. Wie gesagt, sehr kreativ, aber der Geschmack ist eher mühsam. Sehr mühsam. Der Cocktail ist so gebaut, dass er sich unterscheidet – von was auch immer. Das Ergebnis ist expressiv und penetrant. Wer so etwas mag mag, ist hier richtig.

Wir halten uns lieber an Suzanne Cupps eingangs erwähntes Untitled. Sie mögen einen guten Wein in angenehmer Atmosphäre? Gehen Sie ins Untitled.

Qualität: 4 Punkte

Service: 6 Punkte

Atmosphäre: 7 Punkte

Summe: 17 Punkte

 

ALTA BAR

64 West 10th Street, New York, NY 10011, USA

Die Alta Bar ist der vordere Raum des Alta Restaurant in Mid-Manhatten. Mediterran geht es hier zu, die spanische Tapas Bar ist das Vorbild und das Vorbild ist gut getroffen. Neben Wein und Bier gibt es eine kleine Karte mit sechs hauseigenen Cocktails. Der Einfachheit halber haben sie keine Namen, sondern sind durchnummeriert. Tequilla, Rum, Gin, Burbon, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Wir kosten „No. 4“. Die Zutaten: The Botanist Gin, Yellow chartreusse, fennel und lemon.

Ungewöhnlich ist der Fenchel, aber natürlich gibt dem Cocktail seine eigene Note und funktioniert gut. Die Dosierung ist genau richtigt und man könnte sich durchaus einige Zeit mit dem Cocktail aufhalten.

Der leider Raum eignet sich nicht für Gespräche, denn er ist eigentlich nur der Durchgang zum Restaurant. Ein permanentes Kommen und Gehen. Vielleicht haben wir auch nur die falsche Zeit gewählt und es lohnt ein Wiederkommen in den Randzeiten.

Qualität: 7 Punkte

Service: 6 Punkte

Atmosphäre: 5 Punkte

Summe: 18 Punkte

 

HILDEGARD BAR

Marburger Straße 3, 10789 Berlin

Die Hildegard Bar ist eine echte Entdeckung und ein großes Vergnügen. Sie ist unsere BAR DES JAHRES. Es gibt wenige Orte, die so entspannt und stilvoll auf diesem Niveau spielen. Das Innere gleicht eine Höhle, ist aber nicht so lang gestreckt wie die einstige Bar am Lützowplatz oder die Victoriabar. Der Raum bietet sowohl Intimität wie Gemeinschaftsgefühl mit Plätzen am Tresen und an kleineren Tischen – selten haben wir so eine geschickte und sorgfältige Raumgestaltung erlebt.

Akzentuiert wird sie durch eine sehr gute Beleuchtung mit vielen Lichtinseln, hell genug um die Karten zu lesen und zugleich wohl temperiert.

Dazu die Musik: Der Inhaber, Thomas Pflanz, ist erkennbar ein Fan des „Krautrock“. Er folgt bei der Musikauswahl aber nicht den ungeschriebenen, heiligen Regeln der wahren Deutschrock-Kunst, sondern dem Geist ihrer besten Vertreter, also aufregend, improvisierend, lustvoll. Wer nicht weiß was gemeint ist, mag bei“ Wikipedia „Can“, „Amonn Düül“, „Birth Control“ oder einfach den Begriff „Krautrock“ nachschlagen und bei Youtube das ein oder andere nachhören. (Meine schönste Entdeckung beim Stöbern: „Straße ohne Ziel“ von der Nürnberger Band „Ihre Kinder“. Großartig.) Und beim Besuch der Bar unbedingt die Titel der Musikbox studieren.

Soweit die Bühne. Lebendig wird sie durch ein gut gelauntes Team, das sichtlich Spass an seiner Arbeit hat. Natürlich mixen sie auch alle Klassiker, die Karte aber ist weitaus aufregender.

Die Cocktails heißen „…von Bingen“ (gut), Kinski (der Name ist Programm), Bukowski (dito), Ahmon Düül (überraschend und rafinniert), Earl of Hildegard (überragend).

 

Der letztgenannte Cocktail besteht aus Earl Grey infused Gin (wir sind schließlich im Britischen Sektor!), Triple Sec, Lemon und Egg white. Beschrieben wird der Cocktail in der Karte – bitte unbedingt beim Besuch Buntstifte mitnehmen… das erklärt sich dann – wie folgt: „Girls will be boys and boys will be girls. It’s a mixed up muddled up shok up world…“ In anderen Worten: Was hier ins Glas kommt ist so sensationell Lola von den Kings. Ein kraftvoller Cocktail, vielschichtig, aber in keiner Weise angestrengt, süffig und doch, wenn man sie wahrnehmen möchte, viele Noten: Die leichten Bitterstoffe des Likörs erinnern daran, dass die Geschmackswelt nicht nur aus „Süß“ besteht, dazu leichte Säure im genau richtigen Maß, gebunden im lockeren Eischnee. Das Ganze getragen von dem gut, aber nicht übertrieben mit Earl Grey infusionierten Gin. Eine wirklich große Kreation, die viel kann und lässig daherkommt.

Der Cocktail und die Hildegard Bar – großes Kino! Respekt & Kompliment.

(Und warum die Bar so  heißt wie sie heißt – hingehen und fragen.)

Qualität: 10

Service: 10

Atmosphäre: 10

Summe: 30

 

VODKABAR & BREAKFAST

  Skalitzer Straße 80, 10997 Berlin-Kreuzberg

Das Kottbusser Tor ist immer noch einer der touristischen Hotspots. Wildes Leben jeden Abend, die touristischen Grundbedürfnisse werden befriedigt durch Restaurants aller Art: arabisch, türkisch, indisch, asiatisch, Currywurst und um die Ecke das Ramones Museum – bunt, quirlig & alles im Berliner Shabby-Chic.

Die Vodkarbar passt gut in diese Umgebung. Der Schmuddellook ist schön und gediegen inszeniert. Konzert ist angesagt. Wir sind früh und hören dem Soundcheck zu: Ein Lautsprecher bringt den Background, live gespielt wird das Saxophon. Wir erwarten U-Bahn-Beschallung, aber schon nach den ersten Tönen wirk klar: Hier ist ein Könner am Werk.

„Jazz? Haben wir was verpasst? Kommt Jazz wieder?“ Der Musiker lächelt: „Jazz war nie weg.“ – „Aber Jazz ist doch eher fürs gesetzte Volk in Wilmersdorf.“ – „Jazz ist immer und überall.“

Zum Gespräch lassen wir uns einen Elyx Cup (Vodka, Basilikumsirup, Zuckersirup, frische Gurke, Prosecco) und eine Siberian Limonade (Vodka, Gin, Rum, Sanddorn Vodka, Lemon, Holundersirup) servieren. Der Elyx Cub ist leicht und erschfrischend, die Zutaten sind schön dosiert und harmonieren gut. Die Siberian Limonade ist starker Stoff – und nichts anderes wird versprochen. Doch den Trinker erwartet keine reine Alkoholschlacht, sondern ein gut gemixter Cocktail.

Bis zum Frühstück sind wir nicht geblieben, obwohl die Karte vielversprechend ist. Das holen wir gelegentlich nach. Für heute hatten wir großen Spass an einer Bar, in der des Geist des alten Berlin (West) noch zu spüren ist – American Sector! – und deutlich mehr geboten, als versprochen wird.

Qualität: 7,5

Service:7,5

Atmosphäre: 7,5

Summe: 22,5