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SCHWARZE TRAUBE

Wrangelstraße 24, 10997 Berlin
Dunklere Bars dürfe es nur wenige geben in Berlin. Zumal wenn man sich am frühen Abend von der sonnendurchfluteten Stadt diesem Lokal anvertraut. Wer sich erst mal an die dämmrige Beleuchtung gewöhnt hat, dem macht die Inneneinrichtung viel Spass.
Kuriose Leuchten, Sofas und Wandbemalungen. Oder sind es doch Tapeten? Auch die in Schwarz gehaltene Toilette ist originell.
Die Bedienung ist noch etwas müde, die letzte Nacht war kurz. Die Cocktails kommen dennoch zügig. Leider haben wir uns Namen und Zutaten nicht notiert, aber was wir im Glas hatten, gehört zur absoluten Spitzenklasse in der Stadt und darüber hinaus.
In Erinnerung bleiben sorgfältig gemixte Cocktails, präzise, aber keineswegs charakterlos oder gar synthetisch. Hier sind Könner am Werk.

Qualität: 9,5

Service: 7,5

Atmosphäre: 9

Summe: 26

VODKABAR & BREAKFAST

  Skalitzer Straße 80, 10997 Berlin-Kreuzberg

Das Kottbusser Tor ist immer noch einer der touristischen Hotspots. Wildes Leben jeden Abend, die touristischen Grundbedürfnisse werden befriedigt durch Restaurants aller Art: arabisch, türkisch, indisch, asiatisch, Currywurst und um die Ecke das Ramones Museum – bunt, quirlig & alles im Berliner Shabby-Chic.

Die Vodkarbar passt gut in diese Umgebung. Der Schmuddellook ist schön und gediegen inszeniert. Konzert ist angesagt. Wir sind früh und hören dem Soundcheck zu: Ein Lautsprecher bringt den Background, live gespielt wird das Saxophon. Wir erwarten U-Bahn-Beschallung, aber schon nach den ersten Tönen wirk klar: Hier ist ein Könner am Werk.

„Jazz? Haben wir was verpasst? Kommt Jazz wieder?“ Der Musiker lächelt: „Jazz war nie weg.“ – „Aber Jazz ist doch eher fürs gesetzte Volk in Wilmersdorf.“ – „Jazz ist immer und überall.“

Zum Gespräch lassen wir uns einen Elyx Cup (Vodka, Basilikumsirup, Zuckersirup, frische Gurke, Prosecco) und eine Siberian Limonade (Vodka, Gin, Rum, Sanddorn Vodka, Lemon, Holundersirup) servieren. Der Elyx Cub ist leicht und erschfrischend, die Zutaten sind schön dosiert und harmonieren gut. Die Siberian Limonade ist starker Stoff – und nichts anderes wird versprochen. Doch den Trinker erwartet keine reine Alkoholschlacht, sondern ein gut gemixter Cocktail.

Bis zum Frühstück sind wir nicht geblieben, obwohl die Karte vielversprechend ist. Das holen wir gelegentlich nach. Für heute hatten wir großen Spass an einer Bar, in der des Geist des alten Berlin (West) noch zu spüren ist – American Sector! – und deutlich mehr geboten, als versprochen wird.

Qualität: 7,5

Service:7,5

Atmosphäre: 7,5

Summe: 22,5

DIE LEGENDE VON PAULA UND BEN

Gneisenaustraße 58, 10961 Berlin

Gestreifte Tapeten wie aus den 1950er Jahren, Holz, rote Ziegel und dezentes, warmes Licht charakterisieren die angenehme Atmosphäre der sympathischen Cocktail-Bar in Berlin-Kreuzberg.

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Die Karte dominieren die klassische Cocktails vom Martini bis zum Gimlet, dazu „Collies & Fizzes“, „Fruit & Strong“, ferner einige „Cream&Co.“ und „Sparkling“ – so einige Kategorien der Karte.

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Barfood ist auch im Angebot. Hier entscheiden wir uns für den Tapas-Teller, der alle Erwartungen in jeder Hinsicht weit übertrifft.

Von den Cocktails testen wir an diesem Abend den Last Word (Tanqueray Gin, Chartreuse, Maraschino, Limette). Auch wenn dies kein allzu komplizierter Cocktail ist, die Qualität ist exzellent. Gerade bei den Standardcocktails wird oft mittelmäßige Ware gereicht, hier hingegen ist die Sorgfalt groß und das Ergebnis weit überdurchschnittlich.

Das alles geschieht in einer sehr entspannten, freundlichen und unaufgeregten Atmosphäre. Die geschickt und geschmackvoll gewählte Hintergrundmusik ist präsent, stört aber nicht die Gespräche. Hier sind Könner am Werk – der Besuch das reine Vergnügen.

Qualität: 8 Punkte

Service: 8 Punkte

Atmosphäre: 8 Punkte

Summe: 24 Punkte

 

The Bar Marqués

Graefestraße 92, 10967 Berlin

Das The Bar Marqués hat einen guten Ruf als Geheimtipp, sie gilt als „Perle“ und in der Tat ist die Bar ungewöhnlich für Berlin. Im Keller des Restaurants Marqués pflegt die Bar ihren eigenen Stil. Sofas, Sessel, ein Klavier, Kerzen, Bilder – der Habitus ist eindeutig am englischen Club orientiert. „Old fashioned“ gilt hier als Qualität. Der Service bewegt sich im Stil dieser Bühne, denn diese Bar ist eine, und fragt nach den Wünschen der Gäste, ob die Drinks dann schmecken und ob man noch etwas begeht. Ein klassischer „Kontakter“, würde man im Agenturbusiness sagen, der allerdings in fast amerikanischer Frequenz agiert und eher modernen Marketingregeln zu folgen scheint, denn seinem Blick und Gespür.

IF

Eine Karte hat „The Bar“ nicht. Das bedeutet erfahrungsgemäß teure Cocktails, was sich später bestätigt. Internationales Preisniveau. Das wäre vollkommen akzeptabel, wenn die Qualität der Cocktails dafür stehen würde. Das gilt am Abend unseres Besuchs jedoch nicht. Gefragt nach den Wünschen, bestellen wir einen trockenen Martini und die Dame ordert „einen Cocktail für Männer, mit klaren Schnäpsen, herb, nicht süß“.

IF

Der Martini ist in Ordnung, nicht mehr und nicht weniger. Der andere, „starke, klare“ Cocktail, dessen Namen wir nicht erfahren, ist rot, besteht zu einem beträchtlichen Teil aus Campari und ist unglaublich süß. Er ist das, was in immer noch zu vielen Bars als „Damencocktail“ gilt. Er ist gerade noch trinkbar, aber keinesfalls das, was geordert war. Wir machen noch einen Versuch, wollen wissen, was der Bartender kann, und bestellen einen Martinez. Wir kosten, sind überrascht, kosten noch einmal und lassen den süßlich-klebrigen Cocktail stehen.

The Bar kommuniziert einen hohen Anspruch, den die Einrichtung bei unserem Besuch leider nicht erfüllt.

Qualität: 4 Punkte

Atmosphäre: 7,5 Punkte

Service: 4 Punkte

Summe: 15,5 Punkte

 

John Muir Bar

Skalitzerstraße 51, 10997 Berlin

Der Moon Patrol macht wirklich was her. Ein riesiger Eiswürfel, Gin 19, Velvet Valernum, Green Chartreuse, Lime, Chilantro – alles gut gemixt und ansprechend serviert. Das Bild verspricht einen leichten erfrischenden Sommerdrink, aber der Cocktail ist stärker als er aussieht. Und der frische Koriander gibt dem Drink eine exotische, aber sehr gelungene Geschmacksnote. Ungewöhnlich, aber gut gelungen.

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Bestellt und gleich bezahlt werden die Drinks an der Bar, der Service ist freundlich. Ansonsten eine typische Kellerbar mit einigen ironischen Zitaten von was auch immer, wie den Geweihen in einer Nische.

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Eine sympathische, leicht schräge Kreuzberger Bar mit Drinks von sehr guter Qualität.

Qualität: 7,5 Punkte

Atmosphäre: 7 Punkte

Service: 7 Punkte

Summe: 21,5