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THE HAT BAR

Lotte-Lenya-Bogen 550, 10623 Berlin

Die Musik in THE HAT ist nett. Lässiger Jazz. Der Tressen hat eine beachtliche Länge, auf der kleinen Bühne spielen gelegentlich Jazz-Musiker. Der Service ist sehr freundlich und die Auswahl an Schnäpsen sehr beachtlich.

Das Cocktailangebot hingegen ist eher beschränkt. „No shaken or stirred Cocktails.“ Wir versuchen den London Buck (Tangueray Gin, lemon juice, TH Spicy Ginger, drop of bittes, herbal & spicy). Guter Durchschnitt. Das gilt auch für den Horse’s Neck (Bullet Burbon, TH Ginger Ale, drop of bitters, oranmge oil).

Alles in allem kein Nepp. In dieser von Touristen hoch frequentierten Gegend ist das nicht zu verachten.

Qualität: 5 Punkte

Service: 7 Punkte

Atmosphäre: 6 Punkte

Summe: 18 Punkte

HILDEGARD BAR

Marburger Straße 3, 10789 Berlin

Die Hildegard Bar ist eine echte Entdeckung und ein großes Vergnügen. Sie ist unsere BAR DES JAHRES. Es gibt wenige Orte, die so entspannt und stilvoll auf diesem Niveau spielen. Das Innere gleicht eine Höhle, ist aber nicht so lang gestreckt wie die einstige Bar am Lützowplatz oder die Victoriabar. Der Raum bietet sowohl Intimität wie Gemeinschaftsgefühl mit Plätzen am Tresen und an kleineren Tischen – selten haben wir so eine geschickte und sorgfältige Raumgestaltung erlebt.

Akzentuiert wird sie durch eine sehr gute Beleuchtung mit vielen Lichtinseln, hell genug um die Karten zu lesen und zugleich wohl temperiert.

Dazu die Musik: Der Inhaber, Thomas Pflanz, ist erkennbar ein Fan des „Krautrock“. Er folgt bei der Musikauswahl aber nicht den ungeschriebenen, heiligen Regeln der wahren Deutschrock-Kunst, sondern dem Geist ihrer besten Vertreter, also aufregend, improvisierend, lustvoll. Wer nicht weiß was gemeint ist, mag bei“ Wikipedia „Can“, „Amonn Düül“, „Birth Control“ oder einfach den Begriff „Krautrock“ nachschlagen und bei Youtube das ein oder andere nachhören. (Meine schönste Entdeckung beim Stöbern: „Straße ohne Ziel“ von der Nürnberger Band „Ihre Kinder“. Großartig.) Und beim Besuch der Bar unbedingt die Titel der Musikbox studieren.

Soweit die Bühne. Lebendig wird sie durch ein gut gelauntes Team, das sichtlich Spass an seiner Arbeit hat. Natürlich mixen sie auch alle Klassiker, die Karte aber ist weitaus aufregender.

Die Cocktails heißen „…von Bingen“ (gut), Kinski (der Name ist Programm), Bukowski (dito), Ahmon Düül (überraschend und rafinniert), Earl of Hildegard (überragend).

 

Der letztgenannte Cocktail besteht aus Earl Grey infused Gin (wir sind schließlich im Britischen Sektor!), Triple Sec, Lemon und Egg white. Beschrieben wird der Cocktail in der Karte – bitte unbedingt beim Besuch Buntstifte mitnehmen… das erklärt sich dann – wie folgt: „Girls will be boys and boys will be girls. It’s a mixed up muddled up shok up world…“ In anderen Worten: Was hier ins Glas kommt ist so sensationell Lola von den Kings. Ein kraftvoller Cocktail, vielschichtig, aber in keiner Weise angestrengt, süffig und doch, wenn man sie wahrnehmen möchte, viele Noten: Die leichten Bitterstoffe des Likörs erinnern daran, dass die Geschmackswelt nicht nur aus „Süß“ besteht, dazu leichte Säure im genau richtigen Maß, gebunden im lockeren Eischnee. Das Ganze getragen von dem gut, aber nicht übertrieben mit Earl Grey infusionierten Gin. Eine wirklich große Kreation, die viel kann und lässig daherkommt.

Der Cocktail und die Hildegard Bar – großes Kino! Respekt & Kompliment.

(Und warum die Bar so  heißt wie sie heißt – hingehen und fragen.)

Qualität: 10

Service: 10

Atmosphäre: 10

Summe: 30

 

BAR AM STEINPLATZ

Steinpl. 4, 10623 Berlin

Auch das Bar-Publikum will immer wieder überrascht werden. Die Bar am Steinplatz in Berlin-Charlottenburg probiert es gestalterisch mit hinterleuchtetem Stein. Das wird immer wieder versucht, etwa im Do & Co Hotel in Wien oder in der Onyx Lounge in Darmstadt. Es bleibt in der Regel problematisch, weil vor allem die Beine beleuchtet werden und der Tresen und die Tische daneben verblassen. Wirklich überzeugt hat es uns nur in der Loos-Bar in Wien. Hier hat Adolf Loos 1910 in der von ihm gestaltzeten Baar eine Wand und die Kassettendecke aus Stein gestaltet und es ihm gelingt eine sehr angenehme, intime Atmosphäre.

In der Bar am Steinplatz beleuchtet das Licht, was gesehen werden soll: teure Materialien und Leuchtkörper, die stylisch sein wollen. Wer die sehr schön gestaltete Karte lesen möchte, hat besser eine Taschenlampe bei sich. Ansonsten dominieren kühle Materialien und Farben.

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2014 wurde die Bar am Steinplatz eröffnet und im Oktober 2016 zur „Hotelbar des Jahres 2017“ gewählt. Der Service ist freundlich und die Karte verspricht Innovationen. Die sind in der Barszene immer noch gesucht, aber es gibt sie: Wie etwa der Barkeeper des brasilianischen Kochs Alex Atala in seinem Restaurant D.O.M. in Sao Paulo den Martini neu erfindet, in dem er ihn dekonstruiert und mit Gin, Olivenöl und Pfeffer aus dem Amazonas neu konstruiert, das ist ein Erlebnis, das einen zum Staunen bringt. Optisch und geschmacklich. Die Essenz des Martini ist eine sehr gelungene Weiterentwicklung des Klassikers. Auch hierzulande gibt es gute moderne Konzepte, wie die Cocktails des CODA DESERT BAR  in Berlin-Neukölln (Friedelstraße 47, 12047 Berlin, http://betreutes-trinken.com/coda/). Dort werden die Cocktails als Begleitung zu Nachtischen kreiert. Das ist originell, geschieht auf hohem Niveau und ist in dieser Form in Europa einmalig. Am unterhaltsamsten ist schließlich das FRAGRANCES am Potsdamer Platz (Potsdamer Platz 3, 10785 Berlin, http://betreutes-trinken.com/fragrances-bar/). Dort dienen Parfums als Vorbilder für Cocktails, die raffiniert den Geschmack, nein, nicht imitieren, sondern interpretieren, was durchweg gut gelingt.

Das Konzept der Bar am Steinplatz ist vielversprechend. Im Angebot stehen sechs regionale und neun internationale Spezialitäten. Namen haben die einzelnen Cocktails nicht, stattdessen entscheidet sich der Gast für einen tragenden Alkohol, zum Beispiel Wodka oder Gin. Dann bietet die Karte etwa als regionale Spezialität „Himbeere, Schwarze Johannisbeere, Essig, Vodka“ und als Internationale Spezialität „Rote Beete, Ananas, Minze, Zitrone und Tanqueray No. Ten Gin“. Das klingt spannend.

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Was dann allerdings auf den Tisch kommt ist – leider – untrinkbar. Es ist durchaus vorstellbar, dass die regionale Spezialität funktioniert, aber sowohl die Johannisbeere und der Essig sind so überdosiert, dass der Cocktail tatsächlich nach zwei kleinen Schlucken stehen bleibt. Ähnliches widerfährt der internationalen Spezialität. Die Rote Beete ist penetrant dosiert und der Minzvorgarten im Glas würde locker für zwei Mojito ausreichen. Abgesehen davon, ist das Glas mit drei großen Eiswürfeln so überfüllt, dass man schlicht nicht daraus trinken kann. Auch dieser Cocktail bleibt nach zwei Schlucken stehen. Das ist bisher nur einmal vorgekommen. Sehr bedauerlich.

Gewagte Konzepte benötigen Profis hinter dem Tresen. Die waren am besagten Abend nicht bei der Arbeit. Wie die „Bar am Steinplatz“ zur „Hotelbar des Jahres“ gewählt werden konnte, bleibt uns nach diesem Besuch ein Rätsel.

Service: 5

Atmosphäre: 5

Qualität: 0

Summe: 10

 

Lang Bar

Hardenbergstraße 28, 10623 Berlin

In der Lang Bar im Zoofenster im alten West-Berliner Zentrum, das sich im permanenten Umbau befindet, soll man sich „ein bisschen wie im Film“ fühlen, so die von der „RTL Radio Center Berlin GmbH“ betriebene Hommage „top10berlin.de“, auf der alles immer nur super ist. Was für ein Film? Die Homepage mein: „Smart gekleidete Barkeeper zelebrieren die Kunst der Cocktailzubereitung, wie sie aus dem legendären Luxushotel The Waldorf Astoria New York bekannt geworden ist, mit ein paar Berliner Extras!“

Aha. War der Barkeeper „smart“ gekleidet? Wir können uns an nichts Auffälliges erinnern. Wurde irgendwas „zelebriert“? Ja, die Preise. International mag das Niveau gängig sein, in Berlin bekommt man doppelt so gute Cocktails für zwei Drittel des Preises.

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Das Interieur ist in Ordnung, man sitzt angenehm und im Vergleich zu den meisten Hotelbars dieser Klasse durchaus überdurchschnittlich. Dekoration und die Karte spielen mit dem Namensgeber Fritz Lang, durchaus ansehbar.

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Verteilt über ein Jahr haben wird die Lang Bar drei Mal besucht und zum Beispiel den Astoria Cocktail (Old Tom Gin, Nolly Prat, Orange Bitter) gekostet, den Waldorf Cocktail (Old Oberhold Rye Whiskey, Bunt e Mes, Pernod Absinth, Whiskey Bitter) und noch einige andere Cocktails. Die Qualität war konstant mittelmäßig, keine Ausfälle, keine Highlights. Trinkbar, nicht mehr und nicht weniger. Der Name Fritz Lang verspricht etwas anderes.

Qualität: 6 Punkte

Service: 6 Punkte

Atmosphäre: 7 Punkte

Summe: 19  Punkte

Bristol Bar

Kurfürstendamm 27, 10719 Berlin

„Die Bristol Bar im Hotel Kempinski zählt zu den 10 elegantesten Bars Berlins! … Erstklassige Cocktails, ein nobles Ambiente, Live Musik, Übertragungen von Sport-Events und Musikclip-Präsentationen unterhalten die Gäste und machen jeden Besuch auf seine Weise einzigartig.“ So lautet die Beschreibung in einer die „Top 10“ anpreisenden Internetseiten.

Tatsächlich ist das Kempinski das einstige Flaggschiff der Hotellerie des alten Berlin (West). 1952 als Luxushotel eröffnet, ist sie das erste Haus der Kempinski-Gruppe.  Das Kempinski am Kurfürstendamm  versuchte sich in der geteilten Stadt redlich als Grand-Hotel-Ersatz und hat viel erlebt. Die Liste der prominenten Gäste wird gern zitiert: Sophia Loren, Kirk Douglas, Roger Moore, Ronald Reagan…

Längst hat sich die Berliner Hotellandschaft grundlegend verändert und obgleich 2008 renoviert haftet dem Kempinski etwas Nostalgisches an.

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Die Bristol Bar im Kempinski ist ganz in diesem leicht modernisierten Grand-Hotel-Stil gestaltet, alles edel und sorgfältige gestaltet, aber es fehlt die Atmosphäre. Am Abend des Besuchs konnte sich das zügig und freundlich servierende Personal leider nicht entscheiden, ob die Bar eher mit Classic Rock oder einer zeitgenössischen, ihr Leid klagenden R&B Sängerin beschallt werden soll. Der mehrfache Wechsel zwischen den Stilen sorgte für Lebendigkeit.

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Die Karte der Bristol Bar ist umfangreich und bietet neben den Standards eine Reihe origineller Cocktails und Longdrinks. Wir kosten einen Cocktail namens Sepp Spezial mit Bombay Saphire Gin, Pepino Peach, Erdbeersirup, Grapefruit und Tonic Water. Das Rezept hat Potenzial, aber an diesem Abend gelingt der Cocktail allenfalls mittelmäßig; viel zu viel Eis, deutlich zu viel Erdbeersirup, insgesamt sehr süß. Die Mischung wiederum ist lasch und zerfällt rasch.

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Wie die Bristol Bar im oben zitierten Ranking auf Platz 3 der besten hauptstädtischen Bars gelangt, blieb uns ein Rätsel, dem wir nicht weiter auf den Grund gehen.

Qualität: 6 Punkte

Service: 6 Punkte

Atmosphäre: 6 Punkte

Summe: 18  Punkte

 

 

 

 

Bar Zentral

Lotte-Lenya-Bogen 551, 10623 Berlin

Die Bar Zentral am Savigny Platz in Berlin-Charlottenburg dominiert ein langer, einladender Tresen.  Der ein wenig in Charlottenburger Manier verwaschene Prenzlauer-Berg-Style ergibt eine angenehme Atmosphäre. Hier lässt sich gut verweilen an nassen Herbst- und Winterabenden.

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Boulevadier 1934

Der Service ist zügig und freundlich. Die abwechslungsreiche, vielversprechende Karte bietet neben Standards einige selten gelistete Cocktails wie den Boulevardier 1934 (u.a. Whisky, Campari, Vermouth rot), ein Vorfahre des Negroni. Eigentlich ein mittelstarker Drink, der aber an diesem Abend so stark gerät, dass er kaum zu genießen ist. Zudem ist der Eisanteil sehr hoch, so dass der Cocktail bald wässrig wird.

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Bar Zentral: Am DJ Pult

Wir probieren es noch mal.

 

Qualität: 5,5 Punkte

Atmosphäre: 7,0 Punkte

Service: 6,5 Punkte

Summe: 19 Punkte

F 37

 

Fasanenstraße 37, 10719 Berlin

Bruno ist Schweizer – bekennend, unüberhörbar und sehr sympathisch. Seit einiger Zeit hat die legendäre Galerie Bremer ein neues Gesicht mit Bruno als Bartender und einer neuen Einrichtung. Beide Modernisierungen sind wunderbar gelungen.

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Einst war die Galerie Bremer der Treffpunkt West-Berlins. Der Architekt der Philharmonie, Hans Scharoun, hat hier im Hinterzimmer für Rudi van Lak, den Lebensgefährten der Galeristin Anja Bremer, in den 1950er Jahren eine Bar eingebaut. Ein großartiges  Wohnzimmer, das über 50 Jahre bis zum Tod van Laks bestand. Dies Bar war Treffpunkt der politischen und kulturellen Prominenz. Hildegard Knef stand hier ebenso am Tresen, wie Willy Brandt, Martin Kippenberger, Joseph Boys, Günter Grass und viele andere. 2010 übernahm Udo Walz die Bar. Er riss Scharouns Bar ab, die Stammkundschaft war entsetzt und blieb ufern. Nach zwei Jahren gab der Friseur auf.

Inzwischen unter neuer Leitung hat sich das F 37 erneut als Salon etabliert. Eine Karte hängt zwar im Schaufenster, aber am Tresen frag man am besten Bruno. An diesem Abend mixt er einen schönen trockenen Martini und etwas, dessen Namen wir nicht behalten haben. Beides gut trinkbar. Dazu statt den obligatorischen Nüssen frisches und eingelegtes Obst.

Die Attraktion bleibt jedoch der Bartender. Wer nur ruhig an der Bar sitzen und trinken möchte, ist hier fehl am Platz. Wir haben uns großartig unterhalten.

Ein angenehmes Wohnzimmer in Charlottenburg.

Qualität: 6,5 Punkte

Atmosphäre: 6,5 Punkte

Service: 8 Punkte

Summe: 21

Green Door

Winterfeldstraße 50, 10781 Berlin

Green Door
Green Door

25 Jahre besteht Green Door inzwischen, das Wort Klassiker mag einem einfallen, ist aber übertrieben. Die einst modische, originelle Inneneinrichtung ist deutlich in die Jahre gekommen.

IFDie immer mal wieder aktualisierte und renovierte Karte bietet zahlreiche Cocktails jenseits des Mainstream, wie etwa den Jimmy Roosevelt (Cognac, Schwarztee, Kandis, Chartreuse verte, Champagner), den Bellucci (Campari, Ingwer, Schlehengin, Limette, Cranberry, Champagner) oder den Royal Fizz (Gin, Holunderblütenlikör, Zitrone, Champagner). Letzteren bestellen wir. Ein leichter Drink für einen warmen Sommerabend, tadellos gemixt und serviert. Die Qualität stimmt.

Für ausgesuchte Abende: Im Green Door ist alles wie immer – und in einer Stadt, die sich permanent verändert, ist das eine Qualität.

Qualität: 7 Punkte

Atmosphäre: 6,5 Punkte

Service: 7 Punkte

Summe: 20,5