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Loos American Bar

Kärntner Durchgang 10, 1010 Vienna, Wien 1010, Österreich

Die Frage, ob der Besuch dieser seit 1908 bestehenden Bar lohnt, lässt sich beantworten mit einem kurzen und knappen: ja. Zwei Argumente begründen diese Antwort. Das erste, in jedem Reiseführer nachzulesende betrifft die Gestaltung. Sie stammt von dem 1870 in Brünn geborenen Architekten Adolf Loos, einem der heftigen Kritiker des Jugendstil und Wegbereiter der Moderne. Wer sich mit seiner Biographie befasst, stößt auf einen engagierten, streitlustigen, aber auch zwiespältigen Menschen.

Über seine Bar sagt Loos selbst: „Klare Linien und edle Materialien schenken der Bar ihr Gesicht. Die Seele ist der Raum der weit über den der Bar hinausreicht.“

Das haben wir durchaus so wieder gefunden. Uns hat jedenfalls hat die Bar sehr gefallen, man sitzt dort sehr angenehm und wird vorzüglich bedient. Und führt zum zweiten Argument: Das Team und die Cocktails. Der Service ist makellos und die Cocktails ohne Beanstandung.

Probiert haben wir den Last Word. Beefeater Gin, Chartreuse Verte, Maraschino Liqueur, Lime Juce – das sind die Zutaten. Etwas zu viel Chartreuse oder Maraschino und das Getränk wird ungenießbar. Dem Team der Loos Bar gelingt der Cocktail ganz wunderbar. Geschmacksstark und zugleich ausgewogen, erfrischend, aber nicht sauer, kräftig und doch so gut verträglich, wie der schöne Sommerabend in Wien.

Service: 8,5 Punkte

Ambiente: 9,5 Punkte

Qualität: 8 Punkte

Summe: 26 Punkte

Jansen Bar

Gotenstraße 71, 10829 Berlin

Seit einiger Zeit hat die bewährte Jansen Bar in Schöneberg neue Inhaber. Die Jansen Bar ist das vielleicht angenehmste Wohnzimmer unter den Berliner Bars und wir waren gespannt, wie das neue Team sich positioniert. Die Inneneinrichtung haben sie, klugerweise, nicht wesentlich verändert. Der neue Service ist freundlich und kompetent. Soweit so gut. Gründlich renoviert ist die Karte. Der Pisco Sour steht immer noch auf der Karte und wird in überdurchschnittlicher Qualität geboten. An den Pisco des Vorgängerteams kommt er nicht ganz heran, aber der Bartender hatte für diesen Cocktail auch ein begnadetes Händchen, an das nicht einmal die besten Kolleginnen und Kollegen in Peru und Chile herankommen.

Das aber ist schon die einzige Einschränkung, die wir am neuen Programm der Jansen Bar machen können – und die ist auch eher eine Erinnerung, denn eine ernsthafte Kritik. Das neue Menü des Teams ist einfach fabelhaft: kreativ, modern, originell, gekonnt und sehr unaufgeregt. Wir haben in den letzten Wochen ausgiebig getestet und keinen Flop erlebt.

Eines der originellsten Beispiele ist etwa der Spreewaldmartini (Fällinger Korn, Nolly Prat, Senfkörner, Spreewaldgurke und Gurkenwasser, Zitronenzeste). Was da vor einem steht ist kein Scherz, sondern ein erstklassiger, sehr ausgewogener trockener Martini, der es mit seinen berühmten Kollegen auf Wodka- oder Ginbasis locker aufnehmen kann. Klasse Idee, umwerfend umgesetzt. Mehr davon.

Service: 9 Punkte

Ambiente: 9 Punkte

Qualität: 9,5 Punkte

Summe: 27,5 Punkte

Fabelei Berlin

Kyffhäuserstr. 21, 10781 Berlin

Die Fabelei ist die schönste und inspirierendste Neueröffnung der Berliner Barszene in diesem Jahr. Dem jungen, kreativen Team gelingen außergewöhnlich gute und originelle Cocktails, die sich sonst selten oder gar nicht finden. Gute Cocktails bekommt man an einigen Orten, doch die Aufmerksamkeit, Sensibilität und Gastlichkeit, mit der wir in der Fabelei bedient werden ist, wenn der Kalauer gestattet ist, einfach fabelhaft.

Gekostet haben wir einig Drinks. Keiner war auch nur mittelmäßig. Besonders beeindruckt hat uns zum Beispiel der „O-MIO„, bestehend aus Linie Aquavit, Pierre Ferrand Dry Curacao, Valdespinio Isabela Sherry, Cold Brew Coffee. Klingt kurios und schmeckt großartig.

Schwerer Stoff ist der Alaska (Gin, Sherry, Chartreuse, Orange Bitters) – am besten in kleinen Schlucken genießen. Empfehlenswert zu existenzialistischen Gesprächen oder leichten Plaudereien.

Unser Highlight aber ist der Game Changer (Wodka, Riesling, Maracuja, Ingwer, Orange, Vanille) – sensationell. In der Karte wird der Cocktail als „elegant“ und „verführerisch“ charakterisiert. Das trifft zu, beides.

Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Einrichtung, die ihresgleichen sucht – nicht nur in Berlin. Statt der üblichen dunklen Töne ist die Bar hell und licht. Viel Pastell und Holz.

Fazit: Wir sind hingerissen und hoffen, dass es dem Team gelingt, das Niveau zu halten.

Service: 9,5 Punkte

Ambiente: 10 Punkte

Qualität: 9,5 Punkte

Summe. 29 Punkte

 

DANIEL

60 E 65th St, New York, NY 10065, USA

Das Daniel ist das, was es in dieser Form in Europa eigentlich fast nicht mehr gibt: Das Restaurant eines anspruchsvollen Grand Hotels und das Stammhaus von Daniel Boulud. Der gebürtige Franzose ist seit Jahrzehnten in New York und betreibt dort ein halbes Dutzend Restaurants. Das Restaurant des Internationalen Eckart Witzigmann Preisträgers ist mit zwei Michelin-Sternen bewertet und einer der kulinarischen Hot Spots der Stadt. Wir besuchen aber nicht das Restaurant, sondern die Bar im Daniel.

Ein dunkler Raum, der die besten Grandhotel-Traditionen aufnimmt und modern interpretiert. Es ist sehr verblüffend und gekonnt, wie Boulud dort eine sehr angenehme Atmosphäre schafft: Ölgemälde, sehr geschickte Beleuchtung und die Bar angenehmen Licht – die Zutaten wirken alle bekannt und nicht unbedingt neu. Die Atmosphäre aber ist das Gegenteil von traditionell oder gar verstaubt. Sehr raffiniert und elegant.

Wer das Vergnügen hat, Boulud dort kennenzulernen, erlebt einen mitreißenden Gastgeber, der es versteht, seine Gäste nach einem anstrengenden Tag zu „restaurieren“. Gastgeber und Bartender empfehlen – unabhängig voneinander – den „Signature Drink“ des Hauses, den White Cosmopolitan. Die Zutaten: Helix Vodka, St-Germain Elderflower Liquor, White Cranberry, Lime.

Eigentlich ein klassischer Drink, dessen Vorläufer aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts stammen und der in den 70er Jahren ein großes Revival erlebte. Im Grund keine aufregende Sache, vier Zutaten, im Shaker geschüttelt; ein unkomplizierter Cocktail, der zahllose Variationen und Neuinterpretationen erlebt hat.

Was Daniel Bouluds Bratender daraus macht, ist schlicht sensationell. So ausgewogen und fein, haben wir den White Cosmopolitan noch nie im Glas gehabt. Die in der Eiskugel eingefrorene Litschie, gibt dem Cocktail einen Pfiff, der überrascht und großartig funktioniert. Boulud fragt natürlich nach und hat sichtlich Spass an den Eindrücken. Selten haben wir so einen leidenschaftlichen, begeisternden Gastgeber erlebt. Hinreißend, mittreißend, ein Meisterwerk – die Bar, der Gastgeber und seine Kreation.

P.S. Gibt es irgend etwas, das diesen Eindruck trübt? Bei unserem Besuch: Nein!

Qualität: 10 Punkte

Service: 10 Punkte

Atmosphäre: 10 Punkte

Summe: 30 Punkte

 

CHAR Bar

585 Zhongshan East 2nd Rd, Huangpu Qu, Shanghai Shi, China

Die CHAR Bar im Indigo-Hotel Shanghai bietet einen grandiosen Blick auf die Stadt. Wir erwischen einen Tag mit einigermaßen guter Sicht und  mäßigem Wind.

Der Service ist zuvorkommend und auf der Terrasse servierte Barfood originell. Wir bestellen den „007„, den die Karte wie folgt beschreibt:  „James Bond’s oder to a lost lover, this potent tripple is not for the Fait heartet with gin, vodka and Cocchi Americans. Shaken and disturbed.“ Keine überraschende Geschichte.

Der Martini, der dann serviert wird, ist vollkommen makellos: kräftig, aber nicht zu stark, frisch und sehr elegant. Martinis können sie.

Auch die von den Begleiterinnen bestellten Drinks sind ausgewogen und gut.

Stilistisch bietet die CHAR Bar modernes Shanghaiflair, das vor allem eines ausstellt: die spektakuläre Silhouette der Stadt.

Qualität: 9 Punkte

Service: 8 Punkte

Atmosphäre: 10 Punkte

Summe: 27 Punkte

 

THE CATHAY ROOM

20 Nanjing E Rd, WaiTan, Huangpu Qu, Shanghai Shi, China

Das Cathay Room ist die vielleicht eleganteste Dachterrasse am Bund in Shanghai.

Der Blick auf die Global City Pudong ist spektakulär, vor allem am frühen Abend, wenn die Dämmerung über die riesige Stadt hereinbricht und langsam die Lichter angehen.

Ausgesprochen zuvorkommend und aufmerksam ist der Service , die Zurückhaltung passt zum Ambiente.

Die unaufgeregte Karte bietet durchweg klassische Cocktails. Wir entscheiden uns für einen Martinez (Gin, Vermouth, Maraschino, Angostura und den Classic Martini (Gin, Vermouth, Olive).

Wie die Cocktails an der Bar gemixt werden, lässt sich gut beobachten, doch das haben wir noch nicht gesehen: der Bartender kostet, verwirft den Martinez und mixt ihn erneut.

Was dann serviert ist in in jeder Hinsicht makellos. Beide Cocktails sind perfekt in Stärke, Mischung und Temperatur, viel besser sind diese Getränke kaum vorstellbar.

Dazu der wunderbare Blick auf das langsam ruhiger werdende Shanghai – ein Abend, der man nicht so schnell vergisst.

Qualität: 9,5 Punkte

Service: 8 Punkte

Atmosphäre: 10 Punkte

Summe: 27,5 Punkte

 

 

 

SICHUAN CITIZEN

Donghu Rd., Shanghai, China

上海市徐汇区东湖路30号-4号 邮政编码

Wer als westlicher Besucher chinesisches Flair erwartet, wird hier nicht enttäuscht. Das Sichuan Citizen bietet das volle Programm. In der Speisekarte gibt es eine Cocktailseite mit gut einem Dutzend Drinks vom Ginger Splash bis zum Irish Coffee.

Der umfangreiche Service – für jede Tätigkeit eine Person – ist freundlich und zügig. Der bestellte Basil Drop (muddled fresh basil, citrus, juice, vodka, & sugar rim) kommt rasch. Der Hinweis in der Karte, dass der Cocktail „SWEET!“ sei, trifft zu, fällt aber erstmal wenig ins Gewicht. Stattdessen dominiert ein Eisberg das Glas und sprengt dessen Fassungsvermögen deutlich.

Der gleichfalls georderte Mao-Jito (rum, mint leaf, sugar cube, & fresh lime) verzichtet auf Eis und ersetzt diese Leerstelle durch Rum.

Über zu wenig Alkohol in den Drinks kann im Sichuan Citizen  jedenfalls niemand klagen. Und da die Gesellschaft besonders nett und die Gespräche anregend sind, ist es ein wunderbarer Abend in einem freundlichen chinesischen Restaurant.

Qualität: 3 Punkte

Service: 5 Punkte

Atmosphäre: 6 Punkte

Summe: 14 Punkte

LES NATIONS BAR

InterContinental Geneve, Chemin du Petit-Saconnex, 1209 Genf, Schweiz

Das Les Nations im Hotel InterContinental in Genf ist ein angenehmer Ort. Das moderne Grand Hotel, so verstehen sich das Haus offenkundig selbst, liegt zwischen der Innenstadt sowie der Genfer Messe und dem Flughafen. In dem modernen Gebäude befindet sich neben der Lobby und eine Treppe höher die in dunklem Holz und Leder gehaltene Bar.

Der Service ist schweizerisch: „tip top“. Wir versuchen den Bijou, ein Rezept von 1890. Die Zutaten: Tanqueray Gin, Green Chartreuse, Red Vermouth, Orange Bitters. Die Qualität ist bestenfalls in Ordnung. Wenn die Gespräche gut sind, fällt das nicht all zu sehr ins Gewicht. Etwas ausgewogener ist der Papa Double, der ebenfalls nach einem älteren Rezept von 1898 gemixt ist: Havana 3 years Rum, Maraschino liqueur, Grapefruit & Lime, Sugar.

Stets zu bedenken in Schweizer Lokalitäten: Der ortsübliche Preis, der lediglich von Spitzen-Bars in New York City und Shanghai übertroffen wird.

Qualität: 4,5 Punkte

Service: 5,5 Punkte

Atmosphäre: 7 Punkte

Summe: 17 Punkte

DIE LEGENDE VON PAULA UND BEN

Gneisenaustraße 58, 10961 Berlin

Gestreifte Tapeten wie aus den 1950er Jahren, Holz, rote Ziegel und dezentes, warmes Licht charakterisieren die angenehme Atmosphäre der sympathischen Cocktail-Bar in Berlin-Kreuzberg.

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Die Karte dominieren die klassische Cocktails vom Martini bis zum Gimlet, dazu „Collies & Fizzes“, „Fruit & Strong“, ferner einige „Cream&Co.“ und „Sparkling“ – so einige Kategorien der Karte.

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Barfood ist auch im Angebot. Hier entscheiden wir uns für den Tapas-Teller, der alle Erwartungen in jeder Hinsicht weit übertrifft.

Von den Cocktails testen wir an diesem Abend den Last Word (Tanqueray Gin, Chartreuse, Maraschino, Limette). Auch wenn dies kein allzu komplizierter Cocktail ist, die Qualität ist exzellent. Gerade bei den Standardcocktails wird oft mittelmäßige Ware gereicht, hier hingegen ist die Sorgfalt groß und das Ergebnis weit überdurchschnittlich.

Das alles geschieht in einer sehr entspannten, freundlichen und unaufgeregten Atmosphäre. Die geschickt und geschmackvoll gewählte Hintergrundmusik ist präsent, stört aber nicht die Gespräche. Hier sind Könner am Werk – der Besuch das reine Vergnügen.

Qualität: 8 Punkte

Service: 8 Punkte

Atmosphäre: 8 Punkte

Summe: 24 Punkte

 

CARLOS COCKTAILBAR

Markgrafenstraße 32, 76133 Karlsruhe

Der im 18. Jahrhundert angelegte Lidellplatz im Zentrum von Karlsruhe  ist ein sympathischer kleiner Stadtplatz. Renovierte Bürgerhäuser, solide Gastronomie, an den Witerabenden werden mit der Dunkelheit die Bürgersteige hochgeklappt, das Leben verlagert sich ins Wirtshaus. All das kommt dem badischen Ideal von der Gemütlichkeit recht nahe, sofern sie in Städten überhaupt zu Hause sein kann.

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Hier findet sich Carlos CocktailBar. Der offene, raffiniert gegliederte Raum wirkt größer als er ist und ist geschickt eingerichtet. Es dominieren Brauntöne und viel Holz.

Die Bedienung ist unaufdringlich, zügig und auf Nachfrage ausgesprochen kompetent. Wir bestellen den Last Word Cocktail, bestehend aus Gin, Chartreuse grün, Maraschino und Limettensaft.

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Das Ergebnis ist kräftig, aber nicht überdosiert und sehr gut trinkbar. Keine der Zutaten überlagert in unangenehmer Weise – ein Cocktail im klassischen Stil, gut zubereitet, überdurchschnittlich. Carlos CocktailBar ist eine erstklassige Adresse.

Service: 8

Atmosphäre: 8

Qualität: 8

Summe: 24

GUTS & GLORY

Kaiserstraße 170, Eingang Hirschhof, 76133 Karlsruhe

Was für Berlin der Flughafen ist und für Stuttgart der neue Bahnhof, das ist für Karlsruhe die neue U-Bahn. Der Spott ist beachtlich, doch das geht vorbei. Am Ende wird das Neue als Fortschritt so selbstverständlich, dass niemand ihn missen möchte. Trösten wir uns in der Zwischenzeit, soweit es Karlsruhe angeht, mit zwei Dingen.

Zum einen mit dem großartigen Grundriss der Stadt in Form eines Fächers, von dem ich gar nicht sicher bin, ob die Einheimischen wissen, wie einmalig und großartig er ist. Ein Gang zum stets nahen Schloss und die wenigen Schritte, die nötig sind, um die Achsen entlang zu sehen und ihren unterschiedlichen Charakter zu ahnen – einfach wunderbar.

Wir gehen natürlich über die Zentralachse zum Marktplatz, staunen über die kuriose, aber vollkommen harmonische Gestaltung und bewundern den eleganten Entwurf des Schinkel-Schülers Weinbrenner. Wer wissen will, was barocke und klassizistische Architektur immer noch können, der fahre nach Karlsruhe.

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Zum anderen sind es nur ein paar Schritte über die Haupteinkaufsstraße, die Kaiserstraße, und über den Hirschhof erreichen wir die Guts & Glory Bar. Im Mai 2016 eröffnet, ist sie eine der anspruchsvollsten Bars der Fächerstadt. Die freigelegten, rauen Backsteinwände erinnern ein wenig an den Berlin-Style der frühen 00er Jahre, doch einen so beachtlichen Tresen haben wir bislang noch nicht gesehen.

Farblich dominieren Braun und Gold – letzteres erzeugt durch die Beleuchtung. Beides schafft eine sehr angenehme Atmosphäre, die nicht mit der traditionellen badischen Gemütlichkeit zu verwechseln ist. Der Service ist zügig, kompetent, freundlich und berät unaufdringlich, wenn die Blicke unentschlossen sind. Wir wählen den Le Jardin, den GMC Smash und den Thnksgvng.

Der Le Jardin enthält den Guts&Glory Gin, Lorbeer-Vanille, Zitrone und Chili drop. Schon beim ersten Schluck stutzen wir, sind nicht nur verblüfft, sondern hingerissen. So elegante Cocktails stehen selten im Angebot. Basis ist der vom Inhaber Mo Kaba in kleinen Chargen hergestellte Gin. Einfach und doch kraftvoll, so der Anspruch, und das trifft die Sache voll und ganz.

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Der GMC Smash (Hendrik’s Gin, Gurke, Minze, Maracuja, Limette) ist im Vergleich zum Le Jardin leichter und erfrischend, aber keineswegs belanglos. Ein Sommer-Cocktail.

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Zum Abschluss kosten wir einen typischen Winter-Cocktail, den Thnksgvng. Die Zutaten: Wild Turkey 81, ein kräftiger Kentucky Straight Bourbon, Salzlösung, Olivenzucker, Himbeere, Schoko. Auch dieser Cocktail ist harmonisch und sehr elegant, perfekt für zugige Winterabende.

Das Guts & Glory gehört für uns derzeit zu den besten Adressen im Land für anspruchsvolle und gekonnte Cocktailkultur. Kompliment und Respekt.

PS

In der Qualität und Kreativität sind sie schon jetzt erstklassig. Wer nun noch an die Innovationen denkt, die etwa das Team vom Coda in Berlin kreiert oder an den dekonstruierten Martini, den Alex Atalas Bartender in seinem Restaurant D.O.M. in Sao Paulo anbietet – wir wissen nicht, ob das Guts & Glory Ambitionen in dieser Richtung hat. Aber bei ihrem Gespür und ihrem Ehrgeiz – wir trauen es ihnen zu.

Service: 9

Atmosphäre: 9

Qualität: 10

Summe: 28

FISHBONE

400 Monroe Ave, Detroit, MI 48226, USA

Das Fishbone ist eine Institution in Detroit. Burger, Sushi, Pizza, hier gibt es alles. Und im Dezember und Januar ist das riesige Etablissement mit mehreren Bereichen kein schlechter Ort, um den eisigen Winter zu überstehen.

Auf die Idee eine im Martini badende, fröhliche Languste zum Logo zu machen, muss man erst mal kommen.

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Die Getränkeauswahl ist groß, selbst deutsche Exulanten können sich hier mit Jägermeister erwärmen. Wir wählen einen traditionellen Martini (Botanist Gin, Dry Vermuth.) Der freundliche Service braucht seine Zeit bis der Cocktail auf dem Tisch steht. Wenn man nach einem Spaziergang durchgefroren ist, hilft er sofort, aber lange aufhalten sollte man sich mit dem Getränk nicht, schon nach einigen Minuten zerfällt er deutlich.

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Das die Gesellschaft angenehm ist und gut gelaunt, fällt das an diesem Abend nicht weiter ins Gewicht.

Qualität: 4 Punkte

Service: 4 Punkte

Atmosphäre: 7 Punkte

Summe: 15 Punkte

RED CORRIDOR

1822 Michigan Ave, Detroit, MI 48216, USA

Das ist kein Ort für Hipster, nichts für Weicheier und schon gar nicht für Geruchsempfindliche. Hier trinken die Detroiter, die alles er- und überlebt haben, die immer noch hier sind und die die Stadt offenkundig nach wie vor mögen. Das Red Corridor ist basic, ehrlich, kein Ort für falsche Komplimente. Hier wird frittiert was geht, Veggis haben einen schweren Stand. Auch von der Craftbeer-Bewegung hält man hier nichts.

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Erstaunlicherweise bietet die Karte aber eine Reihe von Cocktails von denen wir zudem noch nie im Leben gehört haben: The Red Corridor, Corcktown-Coffee, Burbon Blast, Honey here’s your Whiskey, Winter Mule, The Fizz, Sangria-2-Ways und Japalaneo & Cucumber Margaita.

Wir probieren ohne allzu große Erwartungen den Winter Mule (Whiskey, Housemade Cinnamon Simple Syrup, Lime Juice & Topped with Ginger Beer). Die Überraschung ist beachtlich: Kein schnell zusammen gegossenes Glas oder aufgebrezelter Longdring, sondern ein sorgfältig und wunderbar ausgewogen gemixter Cocktail, leicht, frisch und erfrischend. Zufall? Oder sitzen wir schlicht den eigenen Erwartungen auf?

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Zweiter Versuch: Der Red Corridor (Whiskey, Infused white Michigan Cherries, Lemon Juice, Cranberry Simple Syrup & Topped with Soda). Cranberries und Sierup, das könnte rasch zu süß werden, aber dieser Cocktail ist nicht zu süß, sondern kräftig und ausgewogen.

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Dritter Versuch: Der Corcktown Coffee (Butterscotch Liquer, Blarneys Irish Whiskey, Coffee & Topped with whipped Cream). Eine wilde Detroiter Adaption des Brandy Alexander, aber nicht kalt, sondern heiß serviert. Eigentlich geht das alles gar nicht und über die Kalorien muss man ohnehin schweigen. Aber der Drink ist schlicht eine Wucht. Er schmeckt rund, alle Zutaten sind spürbar, keine dominiert unangemessen – ein Erlebnis.

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Das Red Corridor – für uns die Überraschung des Besuchs in Detroit.

Service: 7

Atmosphäre: 7

Qualität: 7,5

Summe: 21,5      

SUGAR HOUSE

2130 Michigan Ave, Detroit, MI 48216, USA

Hier trinkt das neue, junge, ja, durchaus wohlhabende Detroit. In In der Madison Avenue, wo es vor Jahren besser war, sich nicht mal tagsüber blicken zu lassen, wenn einem sein Leben lieb war, sind eine reihe neuer, junger Restaurants und Bars entstanden.

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Es dominiert der raue Belin-Style der späten 1990er Jahre, hier in amerikanischer Prägung mit Backsteinwänden, ausgestopften Jagdtrophäen in beachtlicher Zahl und Größe an den Wänden, Luftballons an der Decke, Kronleuchtern und ein riesiger Tresen.

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Ein wenig wild und dennoch angenehm und nicht zuletzt warm, während draußen der eisige Winde über die großen Seen durch die Stadt pfeift.

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Der Service ist zügig, freundlich und erklärt kompetent das Menü, das sich in zwei Kapitel gliedert. Zum einen etwa 100 Standards, wie sie weltweit überall zu bekommen sind, zum anderen ein Dutzend Eigenkreationen. Die sind versammelt unter dem Begriff „Craft Cocktails“ und folgen erkennbar der erfolgreichen Biermode.

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Wir entscheiden uns dafür und wählen den Black Walnut & Rye Cocktail. Die Zutaten: Two James Catcher’s Rye, Sherry, Black Walnut Leaf Syrup, Amargo Valet Bitters, Atomizes New Holland Gin. Es kommt ein dunkler, kräftiger und ein wenig an den Martinez erinnernder Cocktail, der ausgesprochen gelungen ist. Mit dem Syrup hat der Mixer nicht gespart, so dass der Walnussgeschmack auch klar erkennbar ist, aber dennoch erschlägt die Dosierung nicht den Rest. Auch die Bitters sind gekonnt dosiert, schmeckbar, aber nicht zuviel. Alles in allem ein sehr gelungener, kraftvoller, amerikanischer, aber keineswegs platter Cocktail mit klarer Handschrift.

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Sie trauen sich was im Sugar House in Detroit – und das gekonnt: Kompliment.

Service: 8

Atmosphäre: 7,5

Qualität: 7,5

Summe: 23      

BAR AM STEINPLATZ

Steinpl. 4, 10623 Berlin

Auch das Bar-Publikum will immer wieder überrascht werden. Die Bar am Steinplatz in Berlin-Charlottenburg probiert es gestalterisch mit hinterleuchtetem Stein. Das wird immer wieder versucht, etwa im Do & Co Hotel in Wien oder in der Onyx Lounge in Darmstadt. Es bleibt in der Regel problematisch, weil vor allem die Beine beleuchtet werden und der Tresen und die Tische daneben verblassen. Wirklich überzeugt hat es uns nur in der Loos-Bar in Wien. Hier hat Adolf Loos 1910 in der von ihm gestaltzeten Baar eine Wand und die Kassettendecke aus Stein gestaltet und es ihm gelingt eine sehr angenehme, intime Atmosphäre.

In der Bar am Steinplatz beleuchtet das Licht, was gesehen werden soll: teure Materialien und Leuchtkörper, die stylisch sein wollen. Wer die sehr schön gestaltete Karte lesen möchte, hat besser eine Taschenlampe bei sich. Ansonsten dominieren kühle Materialien und Farben.

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2014 wurde die Bar am Steinplatz eröffnet und im Oktober 2016 zur „Hotelbar des Jahres 2017“ gewählt. Der Service ist freundlich und die Karte verspricht Innovationen. Die sind in der Barszene immer noch gesucht, aber es gibt sie: Wie etwa der Barkeeper des brasilianischen Kochs Alex Atala in seinem Restaurant D.O.M. in Sao Paulo den Martini neu erfindet, in dem er ihn dekonstruiert und mit Gin, Olivenöl und Pfeffer aus dem Amazonas neu konstruiert, das ist ein Erlebnis, das einen zum Staunen bringt. Optisch und geschmacklich. Die Essenz des Martini ist eine sehr gelungene Weiterentwicklung des Klassikers. Auch hierzulande gibt es gute moderne Konzepte, wie die Cocktails des CODA DESERT BAR  in Berlin-Neukölln (Friedelstraße 47, 12047 Berlin, http://betreutes-trinken.com/coda/). Dort werden die Cocktails als Begleitung zu Nachtischen kreiert. Das ist originell, geschieht auf hohem Niveau und ist in dieser Form in Europa einmalig. Am unterhaltsamsten ist schließlich das FRAGRANCES am Potsdamer Platz (Potsdamer Platz 3, 10785 Berlin, http://betreutes-trinken.com/fragrances-bar/). Dort dienen Parfums als Vorbilder für Cocktails, die raffiniert den Geschmack, nein, nicht imitieren, sondern interpretieren, was durchweg gut gelingt.

Das Konzept der Bar am Steinplatz ist vielversprechend. Im Angebot stehen sechs regionale und neun internationale Spezialitäten. Namen haben die einzelnen Cocktails nicht, stattdessen entscheidet sich der Gast für einen tragenden Alkohol, zum Beispiel Wodka oder Gin. Dann bietet die Karte etwa als regionale Spezialität „Himbeere, Schwarze Johannisbeere, Essig, Vodka“ und als Internationale Spezialität „Rote Beete, Ananas, Minze, Zitrone und Tanqueray No. Ten Gin“. Das klingt spannend.

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Was dann allerdings auf den Tisch kommt ist – leider – untrinkbar. Es ist durchaus vorstellbar, dass die regionale Spezialität funktioniert, aber sowohl die Johannisbeere und der Essig sind so überdosiert, dass der Cocktail tatsächlich nach zwei kleinen Schlucken stehen bleibt. Ähnliches widerfährt der internationalen Spezialität. Die Rote Beete ist penetrant dosiert und der Minzvorgarten im Glas würde locker für zwei Mojito ausreichen. Abgesehen davon, ist das Glas mit drei großen Eiswürfeln so überfüllt, dass man schlicht nicht daraus trinken kann. Auch dieser Cocktail bleibt nach zwei Schlucken stehen. Das ist bisher nur einmal vorgekommen. Sehr bedauerlich.

Gewagte Konzepte benötigen Profis hinter dem Tresen. Die waren am besagten Abend nicht bei der Arbeit. Wie die „Bar am Steinplatz“ zur „Hotelbar des Jahres“ gewählt werden konnte, bleibt uns nach diesem Besuch ein Rätsel.

Service: 5

Atmosphäre: 5

Qualität: 0

Summe: 10

 

CAFE CHIMERA

Kyrenia, Nordzypern, Hafen (das erste oder letzte Haus – je nachdem von wo man kommt)

Das ist der zweifellos angenehmste Ort, den wir in Nordzypern gefunden haben: keine Folklore, keine auf „vintage“ getrimmte Inneneinrichtung, keine Fähnchen, freundlicher, unaufdringlicher Service. Das ….. im sympathischen Hafen von Girna (Kyrenia) ist das letzte Haus vor der mächtigen Burg.

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18, 19 Grad hat es im Dezember, abends wird es kühl, aber im Kamin brennt ein Feuer, das ungemein wärmt. In dieser unaufdringlichen und im Unterschied zu den lärmenden Touristenrestaurants angenehm leisen Atmosphäre erlebt der Gast, was Restaurant im wörtlichsten Sinne bedeutet: Er wird restauriert.

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Dazu zählt der zypriotische Nationalcocktail, wenn es denn so etwas gibt, der Brandy Spur. Die Zutaten laut Karte: Brandy, Limonade, Soda, Angostura. Ein Sour ist das, was im Glas ist, streng genommen nicht… sei’s drum: Die Orangen geben dem nordzypriotischen Freistil eine beachtliche Süße. Lassen wir die Gattungsbezeichnungen beiseite: Das Getränk schmeckt an allen drei Abenden wunderbar, der Brandy ist mild und genau richtig dosiert.

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Das perfekte Getränk zu einem inspirierenden Abend mit weit ausholenden Gesprächen über die Lage der Welt im Großen und Kleinen – und für einen Moment vergisst man, dass am Vormittag fünf voll bewaffnete Kampfflugzeuge tief über den Hafen fliegen Richtung Sonnenaufgang. Bis zur syrischen Grenze sind es keine 100 Kilometer.

Service: 7,5

Atmosphäre: 8

Qualität: 7

Summe: 22,5

SCHUMANN’S LES FLEURS DU MAL | ECKART 2016

Odeonsplatz 6-7, 80539 München

Charles Schumann ist ein Könner. Jüngst ist sein Le Fleurs du Mal am Odeonsplatz in München zur „Bar des Jahres“ in Deutschland gewählt worden. Diese Bar ist streng genommen ein Nebenraum im Obergeschoss von Schumann’s Bar.

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Der Gast erlebt einen langgestreckten Raum mit einem großen langen Tisch, alles in dunklem Holz gehalten. Ein paar Bänke und kleinere Tische am Rand. Die puristische Einrichtung deuten wir als Statement für das Einfache und Echte.

Obwohl noch nicht all zu viel los ist, warten wir erstaunlich lange auf den Service. München? Oder die Aura des Ortes? Wir kosten natürlich den Fleur Du Mal (Nikka Coffey Malt, Fortfiel Blend, Absinthe, Bitters). Nicht geeignet für den schnellen Durst, nicht geeignet für Anfänger, nicht geeignet für Ungeübte!

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Wenige Tage später servieren Charles Schumann und sein Team drei Kaltgetränke in der BMW Group Classic bei der Verleihung des ECKART 2016. Das ist der dem nach „Koch des Jahrhunderts“ Eckart Witzigmann benannten Preis. Über den ECKART möchten wir hier nichts weiter sagen, da wir seit fünf Jahren das Vergnügen haben, die Veranstaltung dramaturgisch, inszenatorisch und in anderer Hinsicht zu betreuen. Wer mehr wissen möchte: Die Facebookseite von Eckart Witzigmann – https://www.facebook.com/EckartWitzigmann/?fref=ts – und http://www.eckart-witzigmann-preis.de geben Auskunft.

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An diesem Abend kredenzt Schumann maßgeschneidert für seinen Freund Eckart Witzigmann einen French 75 (Champagner, Gin, Zitrone, Zucker, Zitronenzeste), einen Kir Royal (Champagner, hausgemachter Cassis) und einen Haiku für ECKI (Champagner, Suze, sprich: Enzianlikör, Cocchi Aperetivo Americano, Dry Orange Curaçao, Orangenzeste).

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Schumann in Aktion ist ein Erlebnis. Und wenn dann noch Michael Graeter, der einst Helmut Dietl als Vorbild für seinen Klatschreporter Baby Schimmerlos diente, unter den Gästen weilt und man das Vergnügen hat zu beobachten wie er beobachtet – nirgendwo ist München so schön wie in München.

Qualität: Schumann

Service: Aber bitte!

Atmosphäre: München

Summe: absolut ehrlich und einzig

 

 

 

 

 

BERLINER APOTHEKENBAR

Mariannenpl. 6, 10997 Berlin

Die Apothekenbar am Mariannenplatz ist nicht die einzige ihrer Art, aber eine der Besten. Die Einrichtung hält was sie verspricht – eine Apotheke eben, „vintage“, edel, aber nicht zu chic.

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Die Karte bietet einiges was sonst nicht geboten wird, etwa den Salbei Mint Julep oder den Green Asian, für den wir uns entscheiden. Die Zutaten: Hausgemachter Koriander Gin, frischer Limettensaft, Zuckersirup, Gurke, Grüner Tee.

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Der Gin ist elegant, die Koriander-Note  zurückhaltend, aber spürbar, ohne zu aufdringlich zu sein. Sirup und Limette sind in ausgewogenem Verhältnis – die ganze Mischung stimmt: ein raffinierter, feiner Drink.

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Der Service schließlich passt gut zu dieser Bar: kompetent, auf Nachfrage gut beratend ohne kumpelhaft zu sein. Es ist zudem ein Vergnügen, den Bartendern zuzusehen, die konzentriert und mit erkennbarer Leidenschaft die Drinks zubereiten. Kein Schickimicki, keine Hipster-Tränke – die Apotheken Bar ist eine Bar mit Anspruch und Qualität.

Qualität: 7,5 Punkte

Service: 7,5 Punkte

Atmosphäre: 7 Punkte

Summe: 22 Punkte

BAR 228

228 Rue de Rivoli, 75001 Paris, Frankreich

Das Hotel Le Meurice zählt zu jenen klassischen Luxushotels, in denen das Wort Luxus etwas gilt. Der Stil: sehr französisch, klassisches Großbürgertum, das es hier noch hinreichen zu geben scheint, die Inneneinrichtung nicht die Spur modern – und doch kein Vergleich zu den zahlreichen, immer noch existierenden Grand Hotels. Das Le Meurice ist das Gegenteil von an- oder gar verstaubt, hier geht es um den „feinen Unterschied“. Gäste werden behandelt als Gäste, ohne jede Spur von Affektiertheit oder gar Dünkel und in dieser Hinsicht ist das Haus moderner als die zahlreichen Designerhotels, die gerne in Anspruch nehmen modern zu sein.

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Im Le Meurice befindet sich die Bar 228. Der 1907 eingerichtete Raum wirkt wie ein britischer Club und will genau das auch sein. Dunkles Holz, opulente Wand- und Deckenmalereien, all das klingt altmodisch, ist es aber keineswegs.

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Der Service agiert genau so, wie man ihn sich wünscht: freundlich, sehr aufmerksam und mit dem perfekten Gespür dafür, wann er benötigt wird.

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Diese hohe Schule wird auch bei den Cocktails gepflegt. Chefbartender William Oliveri pflegt die hohe Cocktailkunst. Das beginnt mit der exzellenten Karte und setzt sich fort mit erstklassigem Barfood.

Wir bestellen den Cocktail Le 228. Die Zutaten: Birnenincoulis (Coulis ist ein Püree), Birnenlikör, Lichilikör, Himbeercoulis und Champagner. Das Ergebnis ist großartig: Konsistenz, Geschmack, Ausgewogenheit sind bei jedem Schluck kaum besser vorstellbar.

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Für das Großbürgertum mag all das selbstverständlich sein – womit der Verfasser verraten hat, dass er nicht zu dieser Schicht gehört –, für alle, die ebenfalls nicht dazu zählen, aber neugierig sind, sei ein Besuch der Bar 228 sehr empfohlen. Das Geld, ungefähr das Doppelte des Üblichen, ist gut investiert und erbringt den Blick in eine Welt, die es lohnt zu kennen und die zudem den Geschmack schult für das nicht Alltägliche.

Qualität: 9,5 Punkte

Service: 9,5 Punkte

Atmosphäre: 9,5 Punkte

Summe: 28,5 Punkte

HARRYS NEW YORK BAR

5 Rue Daunou, 75002 Paris, Frankreich

Harrys New York Bar in Paris ist eine dieser weltweit berühmten Legenden. Ursprünglich hat sie der amerikanische Jockey Tod Sloane  1911 eingerichtet, als typische amerikanische Stehkneipe. Zu Beginn hieß sie noch „New York Bar“ und sollte nichts weiter sein, als ein Stück Manhatten inmitten von Paris.

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Der erste Barkeeper hieß Harry MacElhoe und stammte aus dem schottischen Dundee. 1923 übernahm er die Bar, seitdem hat sie ihren heutigen Namen und ist unverändert im Besitz der Familie.

Berühmt wird die Bar durch einen doppelten Glücksfall: Zum einen ist Harry MacElhoe enorm kreativ und erfindet Cocktails, die heute weltweit auf nahezu jeder Barkarte zu finden sind, wie den Bloddy Mary, den French 75, die White Lady und zahlreiche andere.

Zum anderen wird die Bar in den 1920er Jahren zum Wohnzimmer der im Ausland lebenden Amerikaner, der „Lost Generation“, als die sich F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway und zahlreiche andere empfinden. Auch Prominente wie Humphrey Bogart, Rita Haywooth, Coco Chanel und Clint Eastwood besuchen die Bar oft. George Gershwin soll hier seinen „Amerikaner in Paris“ komponiert haben.

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Beim Besuch von Harrys New York Bar ist es diese Geschichte, ja Arura, die mitschwingt und den Besuch trägt. Der Rest? Der Service? Die Cocktails?

Wir probieren den Lisa Martini, eine Eigenkreation von 2009, bestehend aus Gin Seagram, Lemon juice, Mandarine Napoleon, Campari. Nun ja. Wir freuen uns, eine Stunde in dem Raum verbracht zu haben, in dem sich einige Menschen aufgehalten haben, die wir schätzen. Und das ist eine ganze Menge.

Qualität: 4,5 Punkte

Service: 4,5 Punkte

Atmosphäre: 10 Punkte

Summe: 19 Punkte