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TOP 100 COCKTAILBARS – Teil 1

100 Cocktails in 100 Bars. Warum machen wir das?

Weil es Spass macht, einmal pro Woche sich auf einen Cocktail an einen Tresen zu setzen, denen Drink zu nehmen, zu reden oder auch mal zu schweigen – und weil es uns immer wieder überrascht. Fast immer bleibt es bei einem Cocktail und der Besuch dauert selten länger als eine Stunde – das ist genau unser Format.

Die Bilanz der ersten 100 Cocktail-Bars ist erfreulich. Rund 70 Bars gefielen uns gut bis sehr gut. Besucht haben wir Zufallsfunde und zahlreiche der in Blogs, Zeitschriften Rankings hoch gelobten Top-Bars. Nicht selten erwiesen sie sich die Anpreisungen als Marketing.

Geachtet haben wir auf drei Dinge:

  • Hat es geschmeckt?
  • Wie war der Service?
  • Wie ist die Atmosphäre?

Für jede Kategorie gab es max. 10, in Summe also höchstens 30 Punkte.

Fünf Locations haben wir allerdings nicht bewertet, weil es nicht passte oder nicht fair gewesen wäre: SCHUMANN’S LES FLEURS DU MAL in München, die Fashion Bar in Berlin, das Historic Park Hotel und Fallingwater, beide von Frank Loyd Wright und in den USA sowie eine pauschale Betrachtung der New York Rooftop Bars.

Bars, die gar nicht zu uns gesprochen haben, gab es auch: vier der 100 Bars blieben unter 10 Punkten, je eine in Deutschland, Kuba, der Schweiz und in den USA.

Das Mittelfeld mit 10-20 Punkten umfasst 24 Bars.

In rund 70 Bars hat der Besuch gelohnt bis begeistert, das finden wir eine beachtliche Bilanz.

Teil 2 folgt.

 

JUNELI BAR

Annapurna Hotel, Freak St, Kathmandu 44600, Nepal

Im Annapurna Hotel bieten sowohl das Restaurant wie die Juneli Bar ein veritables Menü. Neben einigen Klassikern gibt es Eigenkreationen, wie den Annapurna (Vordka, Orange Juice and Blue Curacao). Die Atmosphäre ist angenehm, das Essen gut und die abwechslungsreiche nepalesische Küche zeigt, was sie kann: Vielfalt, viel Gemüse, wenig Fleisch, starken Geschmack. Dazu spielt eine einheimische Band Traditionelles im klassischen Ambiente. Ja, es ist alles für Touristen, aber trotzdem gut.

Wir wählen einen einfachen Martini und der ist in jeder Hinsicht tadelllos. Nur wenig entfernt vor dem steilen Aufstieg zum Himalaya, der uns ab dem nächsten Tag mit langen Tagestouren erwartet, ein besonderes Erlebnis. Die Bar des Annapurna Hotel ist ein angenehmer Ort. Wer eine Pause und einen guten Schluck sucht – hingehen!

Service: 7 Punkte

Ambiente: 7 Punkte

Qualität: 7 Punkte

Summe. 21 Punkte

 

ROOFTOP BAR

Somewhere in New York

Rooftop-Bars gibt es in New York vielleicht nicht wie Sand am Meer, doch ihre Zahl ist beträchtlich. Diese bleibt ebenso ohne Namen wie der Cocktail. Das Bild sagt genug.

Schön war es trotzdem, denn diesen Blick gibt es wirklich nur hier. Wenn Sie in New York sind und das Netz gerade mal nicht geht oder Sie ihr Handy haben ´liegen lassen, gehen Sie einfach der Nase nach und entscheiden Sie spontan. Im Zweifel: Trinken Sie ein Bier – und genießen Sie den Blick.

 

THE BAR ROOM

123 Nassau St, New York, NY 10038, USA

The Bar Room im Beekman Hotel in Lower Manhattan – mehr Lifestyle geht kaum.

Ein alter Industriebau ist zum Hotel geworden in sehr beeindruckender Weise. Wen dieses Treppenhaus nicht beeindruckt, dem ist kaum zu helfen.

Die Bar selbst ist schön eingerichtet mit einem enorm langem Tresen und sie ist gut sortiert.

Der Service erweist sich als zuvorkommend, es gibt Wasser sofort und Barfood von guter Qualität. Das Konzept der Karte: Die Cocktails heißen Virginia Woolf, Charles Dickens, Ernest Hemmingway… Konzept verstanden! Das erklärt auch die massiven Bücherschränke. Allerdings sind sie verschlossen und auch auf Nachfrage nicht zugänglich. Ob man solche Themenbars einfach bestellen kann oder benötigt man einen Architekten und einen Ausstatter?

Aber wir haben vorgesorgt und vergnügen uns mit dem mitgebrachten Tagesspiegel, der an diesem Tag einen Reprint vom Sommer 1968 als Beilage bietet. Geraldine Chaplin prangt auf dem Titelblatt, zu Besuch in Berlin und Eis essend am Kurfürstendamm. Zur Lektüre bestellen wir einen Oscar Wilde, bestehend aus Rye, Nocino, Benediktine, Drambuie und Pedro Ximénez.

Der erste Schluck: anständig. Stark, aber nicht umwerfend, gut ausgewogen und auch wenn man langsam trinkt, hält der Cocktail seine Kraft und Konsistenz und zerfällt nicht. Ob ein nach Oscar Wilde benannter Cocktail vielleicht einen Schuß britischen Humors vertragen hätte? Oder wenigstens irgendwas Originelles? Das ist vielleicht zu viel verlangt und wir wollen nicht meckern an diesem angenehmen Abend in Lower Manhatten.

Qualität: 7,5 Punkte

Service: 7,5 Punkte

Atmosphäre: 9 Punkte

Summe: 24 Punkte

THE LIVING ROOM – THE STANDARD

 848 Washington St, New York, NY 10014

The Standard ist immer noch eines der „In-Hotels“ in New York. Es liegt inmitten des Meatpacking-District, früher der Bauch der Stadt, wo das Fleisch für ganz New York zerlegt wurde, heute ein „up and coming“. Männer ohne Hipsterbart werden dort praktisch nicht mehr ausgeliefert – und das ist nur wenig überzeichnet.

Wirklich gut Essen kann man im Whitney Museum um die Ecke in Suzanne Cupps – gerade mit demnach Eckart Witzigmann benannten  ECKART 2018 FÜR LEBENSKULTUR ausgezeichnet –tollem Restaurant Untitled.

Frisch, saisonal, leicht, raffiniert und feminin sind ihre Teller.

Die Preise erweisen sich zudem als für New Yorker Verhältnisse sehr angemessen.

Auch die Weinkarte ist gut ausgewählt.

Wir aber besuchen d die Bar des Standard, den „Living Room“. Die Einrichtung entsprich dem, was zu erwarten ist; blicken wir also in die Karte. Acht Cocktails stehen im Angebot. Sie tragen Namen wie bomb pop, the domino effect, tourist visa oder the superlative paloma, um nur die ersten vier zu nennen. Hauptsache kreativ und originell.

Wir testen den Baby BlueAged cognac, weist die Karte als Zutat aus, dazu bergamot, lemon, aromatic curry bitters. Wie gesagt, sehr kreativ, aber der Geschmack ist eher mühsam. Sehr mühsam. Der Cocktail ist so gebaut, dass er sich unterscheidet – von was auch immer. Das Ergebnis ist expressiv und penetrant. Wer so etwas mag mag, ist hier richtig.

Wir halten uns lieber an Suzanne Cupps eingangs erwähntes Untitled. Sie mögen einen guten Wein in angenehmer Atmosphäre? Gehen Sie ins Untitled.

Qualität: 4 Punkte

Service: 6 Punkte

Atmosphäre: 7 Punkte

Summe: 17 Punkte

 

TAVERN ON THE GREEN

Central Park West & 67th Street, New York, NY 10023, USA

Tavern on the Green liegt gleich vis-a-vis von Strawberry Fields, wo immer gute Stimmung herrscht, irgendeiner ein paar Beatles Songs klampft und man glauben möchte, dass Frieden doch mehr ist eine Phrase. Nach langer, schwerer Nacht landen wir bei bestem Wetter um die Mittagszeit in der Tavern. Es gibt sogar einen netten Tisch unter einem Sonnenschirm, der an diesem Tag aus verschiedenen Gründen notwendig ist.

„Kein Alkohol heute“, aber vielleicht einen Snack. Der Toast mit Waldpilzen überrascht durch seine erstklassige Qualität. Es bleibt nicht beim Snack, das Nacharbeiten der Nacht braucht seine Zeit, manchmal schweigen wir auch nur ein wenig. Es gibt nicht viele Menschen, mit denen man schweigen kann.

Vielleicht doch einen Schluck? Die Cocktailkarte ist animierend. Bronx, Brooklyn, Manhattan heißen die ersten drei Cocktails – das Konzept ist klar. Wir probieren gleich den ersten: Dorothy Parker Gin, Orange Juice, Cocchi Storico Vermouth di Torino, Dolin Blanc Vermouth. Mehr New York kann nun wirklich niemand verlangen. Und so sieht der Cocktail aus:

Wir trinken in kleinen Schlucken und langsam. Sofort fühlen wir uns belebt: Leicht schmeckt der Cocktail, aber nicht belanglos, erfrischend und die Zitrone ist nicht überdimensioniert. Der Bartender weiß Bitterstoffe geschickt einzusetzen – mit einem Wort: großartig.

So begleitet dieser Cocktail einige magische Augenblicke mit Gesprächen zwischen Tiefsinn und Albernheit, mit Rück- und Ausblicken und mit Pausen an einem Ort mich großer Kraft.

Fast scheint es so, als sei der Service sich dieses besonderen Moments bewusst. Obgleich wir mehrere Stunden in der Tavern on the Green verbringen, werden wir stets freundlich und zügig, aber ohne Hast bedient, gut beraten und zu nichts genötigt. Dankbar und gut restauriert verlassen wir diesen Ort: auf zu neuen Taten.

Qualität: 7 Punkte

Service: 9 Punkte

Atmosphäre: 10 Punkte

Summe: 26 Punkte

ALTA BAR

64 West 10th Street, New York, NY 10011, USA

Die Alta Bar ist der vordere Raum des Alta Restaurant in Mid-Manhatten. Mediterran geht es hier zu, die spanische Tapas Bar ist das Vorbild und das Vorbild ist gut getroffen. Neben Wein und Bier gibt es eine kleine Karte mit sechs hauseigenen Cocktails. Der Einfachheit halber haben sie keine Namen, sondern sind durchnummeriert. Tequilla, Rum, Gin, Burbon, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Wir kosten „No. 4“. Die Zutaten: The Botanist Gin, Yellow chartreusse, fennel und lemon.

Ungewöhnlich ist der Fenchel, aber natürlich gibt dem Cocktail seine eigene Note und funktioniert gut. Die Dosierung ist genau richtigt und man könnte sich durchaus einige Zeit mit dem Cocktail aufhalten.

Der leider Raum eignet sich nicht für Gespräche, denn er ist eigentlich nur der Durchgang zum Restaurant. Ein permanentes Kommen und Gehen. Vielleicht haben wir auch nur die falsche Zeit gewählt und es lohnt ein Wiederkommen in den Randzeiten.

Qualität: 7 Punkte

Service: 6 Punkte

Atmosphäre: 5 Punkte

Summe: 18 Punkte

 

CAFE M

Goltzstraße 33, 10781 Berlin

Das Cafe M – M steht für Mitropa – ist eine der älteren Berliner Etablissements. Gut für einen kurzen Stopp an einem lauen Sommerabend. Auf der Karte finden sich die Standards. Die werden zügig und freundlich serviert. Sie sind ein wenig zu wässrig, aber durchaus trinkbar. Und viel mehr ist dazu nicht zu sagen. Solide.

Qualität: 5 Punkte

Service: 6 Punkte

Atmosphäre: 5 Punkte

Summe: 16 Punkte

THE HAT BAR

Lotte-Lenya-Bogen 550, 10623 Berlin

Die Musik in THE HAT ist nett. Lässiger Jazz. Der Tressen hat eine beachtliche Länge, auf der kleinen Bühne spielen gelegentlich Jazz-Musiker. Der Service ist sehr freundlich und die Auswahl an Schnäpsen sehr beachtlich.

Das Cocktailangebot hingegen ist eher beschränkt. „No shaken or stirred Cocktails.“ Wir versuchen den London Buck (Tangueray Gin, lemon juice, TH Spicy Ginger, drop of bittes, herbal & spicy). Guter Durchschnitt. Das gilt auch für den Horse’s Neck (Bullet Burbon, TH Ginger Ale, drop of bitters, oranmge oil).

Alles in allem kein Nepp. In dieser von Touristen hoch frequentierten Gegend ist das nicht zu verachten.

Qualität: 5 Punkte

Service: 7 Punkte

Atmosphäre: 6 Punkte

Summe: 18 Punkte

ATTABOY

134 Eldridge St, New York, NY 10002

Auf der Liste der „50 World Best Bars“ steht Attaboy auf Platz 8. Auch wenn diese Listen reichlich gesponsert, also bezahlt und mit entsprechenden Interessen belegt sind, wir machen die Probe aufs Exempel. Doch das ist gar nicht so einfach, denn bei der angegebenen Adresse steht ein offenkundig leeres Haus, nicht allzu weit entfernt von der Abbruchreife.

Wir glauben nicht, dass sich hier hier eine der weltweiten Top-Ten-Bars verbergen könnte. Nebeneingang? Hinten herum? Einmal um den Block. Wir geben die Sache schon fast auf, als wir eine kleine Klingel neben der Tür entdecken.

Ein junger Mann tritt heraus, schließt hinter sich wieder die Tür, begutachtet den Möchtegerngast. Der hält der Prüfung offenkundig stand und sieht sich mit der Frage konfrontiert: „How many?“ Das irritiert, denn weit uns breit ist niemand sonst zu sehen, aber pflichtschuldig antworten wir: „One person.“ – „Good, I’ve one place at the bar.“ Dann öffnet sich wieder die Tür.

Ein Schlauch von mindestens 30 Metern Länge und höchstens zwei Metern Breite wird sichtbar, mit einem endlosen Tresen. Dahinter wird gemixt, als ginge es ums Leben.

Eine Karte gibt es nicht. Stattdessen erkundigt sich der Bartender nach Vorlieben. Gin, ja gerne. Etwas winterlich? Warum nicht?

Wie der Cocktail heißt, den kurz darauf serviert wird, wissen wir nicht. Ein sehr milder Gin ist zu identifizieren, Cognac, vermutlich ein Spritzer Angostura … der Rest wäre geraten. Der Geschmack? Umwerfend. Kraftvoll, aber nicht zu stark. Ein großer Eiswürfel, der den Cocktail kühl hält, aber nicht verwässert – ein sehr eleganter Mix, der Konstistenz und Geschmack über eine halbe Stunde hält.

Die Einrichtung passt zu der das Erbe der Prohibitionszeit inszenierenden Location, die mit dem Verbotenen ein wenig spielt, ohne das allzu ernst zu nehmen. Der Service hätten wir uns ein wenig auskunftsfreudiger gewünscht, aber an der Freundlichkeit gibt es nichts auszusetzen. Und der Cocktail: Weltklasse.

Qualität: 10

Service: 8

Interieur: 9

Summe: 27

 

STANDBY

225 Gratiot Ave, Detroit, MI 48226, USA

Dort, wo man sich vor nich allzu langer Zeit nur tagsüber und mit kräftiger Begleitung hintrauen konnte, ist ein neues Lifestyleviertel entstanden. Detroit – up & coming. Und das Standby ist das Flaggschiff. Wer dort essen möchte, muss gut eine Stunde Wartezeit mitbringen. Aber an der Bar darf man stehen.

Wo  kommen auf einmal all die gepflegten  jungen Menschen her? So viele haben wir in den letzten zehn Jahren zusammen in ganz Detroit nicht gesehen. Obwohl wir nicht mehr ganz jung sind und keinen Bart tragen, dürfen wir eintreten.

Backstein, Stahl, Streetart und Kronleuchter – ein wilde, aber sehr schlüssige und angenehme Einrichtung. Die Bedienung ist ob der zahlreichen Gäste etwas gehetzt, aber sehr freundlich. Geboten wird ein anspruchsvolles und ambitioniertes Barmenü, klar gegliedert nach den Schnäpsen, die den jeweiligen Cocktail dominieren: Whiskey, Agave, Rum, Gin, Brand und Amaro. Jedes Kapitel bietet sechs bis acht Cocktails, durchweg Eigenkreationen.

Wir probieren den Suffering McCarthy, der als „spicy, refreshing, funky“ beschrieben wird. Alle drei Zuschreibungen treffen zu. Schon die Zutaten sind beachtlich: Two Old Tom Gin, Grapefruit Sherbet, Doctor Bird Jamaican Rum, Ginger, Honey, Lime, Angostura Bitters, Habanero Tinture. Gebannt verfolgt man das Treiben hinter dem Tresen, denn die Bartender mixen wie verrückt. Nein, keine Show, einfach besessen – und der ernste Enthusiasmus ist beeindruckend.

Das Ergebnis ist phänomenal. Der Cocktail zählt wirklich zur Spitzenklasse. Er trinkt sich unkompliziert und entfaltet beim zweiten Schluck eine wuchtige und doch harmonische Vielfalt an Aromen, die sich gut ergänzen und nie langweilen. Große Kunst. Auch die Cocktails der besonders netten Begleitung an diesem Abend sind auf vergleichbarem Niveau.

So erreichen Umgebung und Drinks das, was sich im besten Fall erwarten lässt: Sie regen an und inspirieren zu einem wunderbaren Gespräch über Musik, das Filmemachen, den Brotberuf und Versuche sich zwischen all den Ansprüchen selbst zu behaupten, ohne dabei zerrieben zu werden. Ein großer Abend. Danke.

Qualität: 9

Service: 8

Interieur: 9

Summe: 26

RUSTED CROW

78 W Adams Ave, Detroit, MI 48226, USA   

Gegen Ende der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts lässt sich in Detroit eine so erstaunliche wie unerwartete Entwicklung beobachten: Eine totgesagte Stadt steht wieder auf. War es vor noch gut zehn Jahren lebensgefährlich, abends auf die Straße zu gehen, so ist die Stadt jetzt heller und sauberer als sich die meisten Einwohner erinnern. Die zum Teil großartigen Hochhäuser werden wieder hergerichtet, es wird wieder gebaut und es gibt einige Dutzend neue Restaurants und Bars. Wie zum Beispiel das Rustetd Crow.

 

Das Niveau ist deutlich höher als das der meisten Burger- und Sandwichläden, man gibt sich große Mühe und sucht. Die Inneneinrichtung ist großartig kurios. Industrielook, gepflegter Premium-Rost und gemäßigte Streetart – ein Vergnügen.

Ohne die unvermeidlichen Fernseher mit den Sportübertragungen gehören einfach dazu.

Die freundliche Bedienung verblüfft den Gast mit einer sehr phantasievollen Cocktailkarte: Sinnamon Jones, Garter Belt, Greytrache und Growstache heißen einige Cocktails. Letzteren probieren wir. Er enthält Ginstache Gin – natürlich von der eigenen Detillirie aus Detroit – blackberry, cucumber, lime juce, simple syrup. Detroiter Freistil mit frecher Optik: Gurke und Brombeere haben in der Kombination noch nicht gesehen.

Der Cocktail schmeckt ansprechend, ein leichter, unkomplizierter Feierabenddrink. Angenehm fällt auf, dass der Bartender den Sirup gut einsetzt und die Süße nicht alles verklebt. Das einzige Manko: zu viel Eis. Doch das ist amerikanische Tradition und niemd darf das übel nehmen. Also: zügig trinken, bevor das Eis schmilzt und der Cocktail verwässert, und möglichst bald nachbestellen. Und einer solchen Empfehlung würde kein Service der Welt widersprechen.

Qualität: 7

Service: 7,5

Interieur: 9

Summe: 23,5

VELVET BAR

Ganghoferstraße 1, 12043 Berlin

Neu, regional, saisonal, modern – das ist in wenigen Worten das Konzept der Velvet-Bar in Neukölln. Und das Konzept funktioniert. Gelegentlich drängt sich der Eindruck auf, Modernität und Gastlichkeit gingen nicht zusammen, und die Bartender bestechen durch ihren introvertierten Auftritt, wobei die Gäste als notweniges Übel erscheinen, das sich branchenbedingt nicht ganz umgehen lässt.

Ganz anders die Velvet-Bar, wo wir zügig, freundlich und gut gelaunt bedient und kompetent beraten werden.  Uns haben diese Ratschläge besonders gut gefallen, denn sie sie waren zurückhaltend, haben die Gäste ernst genommen und  Hinweise gegeben, ohne zu bevormunden.

Die Coacktails, die wir probieren, sind ohne Ausnahme sehr gut. Hier sind Könner an der Arbeit, die ihre Kompetenz nicht präsentieren, sondern in den Dienst einer Idee stellen. Wie der Anspruch regional und saisonal eingelöst wird, wird zum Beispiel beim Flip the Lid deutlich. In diesem Cocktail finden sich Schwarzer Knoblauch aus Werder an der Havel, Schwarzer Knoblauch, Mezcal, Aquavit und Schokolade. Klingt wild, schmeckt aber gerade an kühlen Winterabenden hervorragend.

Noch besser: der Cantaloupe (Muskatkürbis aus Vierlinden, Kürbislikör, Old Tom Gin, Mezcal, Verjus und Zitronensäure). Schmeckt kräftig und ist süffig. Kürbis klingt verblüffend und ungewöhnlich, aber der Cocktail ist in keiner Weise erklärungsbedürftig, man fragt sich eher warum niemand vorher darauf gekommen ist.

Das gefällt uns besonders an der Velvet Bar: Saisonalität und Regionalität werden nicht nun modisch behauptet, sondern schlüssig und überzeugend umgesetzt. Es dürfte nur wenige Bars geben, die die Coktailkultur der Gegenwart so kreativ und gekonnt erneuern, wie die Velvet Bar in Neukölln.

Qualität: 9 Punkte

Service: 9 Punkte

Atmosphäre: 8 Punkte

Summe: 26 Punkte

 

CAMPELL BAR

15 Vanderbilt Ave, New York, NY 10017, USA

Die Campbell Bar ist dort, wo niemand sie vermuten würde: Auf dem Weg zwischen den Gleisen des Bahnhofs durch die große Halle führt der Weg entweder direkt nach draußen – vielleicht über die Great Northern Food Hall des Gewinners des ECKART 2015 (http://www.eckart-witzigmann-preis.de/preistraeger-2015/) – oder hinunter in der Food Court mit der legendären Oyster Bar. Auf halbem Weg führen ein Fahrstuhl und eine steile Treppe hinauf zur Campbell Bar.

Sie besteht seit der Zeit der Prohibition, zu der angeblich hier ein Ehepaar gewohnt und Whisky in Tassen ausgeschenkt haben soll.

Sicher scheint folgendes: Benannt ist die Bar nach John W. Campbell,  einen Investor, der 1923 hier seinen privaten Club eingerichtet hat. Im Stil der Zeit renoviert, erwartet den Besucher ein riesiger Raum mit einem mächtigen Tresen, einem offenen Kamin und schweren Ledersesseln. Schummrig und so konsequent altmodisch, dass man staunt und sich wohl fühlt.

Die Karte bietet neben klassischen Cocktails einige „Old Fashioneds“ und eigene „House Cocktails“.  Wir bestellen bei der freundlichen Bedienung John Campbell’s Martini (Stoli Elit Vodka, Carpano Dry Vermouth, Castelvetrano olives) und einen Aviation (Nolets Gin, Creme De Vioelette, Maraschino Liqeuer, Fresh Lemon). Beide Cocktails sind von excellenter Qualität, schmecken spritzig und frech. Die Balance zwischen klassischer und moderner Cocktail-Kultur gelingt hervorragend.

Wo immer man sich in New York aufhält, die Campbells Bar ist einen Umweg wert.

Qualität: 8,5 Punkte

Service: 8 Punkte

Atmosphäre: 9,5 Punkte

Summe: 26 Punkte

Bar_O_Meter

Gutenbergstraße 103, 14467 Potsdam

Ein Besuch des hoch gelobten „Bar-O-Meter“ war überfällig. Die Kritiken der letzten Jahre sind glänzend, unsere Erwartungen entsprechend hoch.

Allerdings beginnt unser Besuch mit einer Verzögerung: „Wir brauchen noch noch 10-15 Minuten, bevor wir öffnen“, lautet die Auskunft. Also noch ein Rundgang durch die liebliche Potsdamer Altstadt.

20 Minuten später dürfen wir eintreten. Entgegen mancher Rezensionen gibt es keine Karte, denn es gehört zum Konzept der  in einem schönen Kellergewölbe untergebrachten Bar darauf zu verzichten und stattdessen im Gespräch herauszufinden, was dem Gast schmecken könnte. Warum nicht?

Es wird ein mühsames Gespräch. Die Fragen geraten so manieriert, dass einem nach zehn Minuten schwindelig wird von all dem Text über Essignoten, Säure und Co.

Wir bestellen einen Pisco Sour und einen Brandy Alexander, also nichts wirklich Exotisches. Geliefert werden ein sauerer Longdrink mit Pisco und viel, viel Eis. Mit der Bestellung hat das nicht im Entferntesten etwas zu tun. Aber selbst wenn davon absieht und sich auf den Drink einlässt: er ist wirklich nicht gut und bleibt stehen.

Der Brandy Alexander ist nicht viel besser. Schlecht dosiert zerfällt nach den ersten Schlucken – und mehr ist dazu nicht zu sagen.

Schade. Vielleicht hatte das Bar-O-Meter einfach einen schlechten Abend. Aber wir die zum Teil enthusiastischen Empfehlungen zustande kommen, hat sich uns leider nicht erschlossen.

Qualität: 0 Punkte

Service: 0 Punkte

Atmosphäre: 8 Punkte

Summe: 8 Punkte

BONBON BAR

Torstraße 133, 10119 Berlin

„Die Bar glänzt mit schwarzem Art-déco-Tresen im avantgardistischen Ambiente und täglich wechselnden Szene-DJs.“ Das sind so die Texte, die heute üblich sind, um sich selbst anzupreisen. „Glänzt“ die Bar? Na ja, diese Bezeichnung wäre uns beim Besuch nicht eingefallen. Aber nett ist die Einrichtung schon, wenngleich im gesamten nicht „stimmig“, denn wenn schon Art Déco, dann doch bitte auch die Musik und die Cocktails aus der Zeit.

Lassen wir das mit der Goldwaage. Die Atmosphäre jedenfalls ist angenehm, die Musik unaufdringlich und die Karte, die der zügige Service bringt, spannend.

Vom Laffy Taffy haben wir bis dahin noch nie gehört uns auch im Netz nicht viel dazu gefunden. Er besteht aus Rutte Old Simon Genever, Fresh Lime, Apple & Lemongrass Syrup und Sichuan Pepper. Das klingt mutig. Vor allem die Idee den Gin durch Genever zu ersetzen ist ungewöhnlich und funktioniert sehr gut. Zitrone und Sirup sind schön dosiert, so dass der Cocktail weder zu säuerlich, noch zu süß gerät. Das Ganze wird kontrastiert durch die Schärfe des Pfeffers. Ein sehr gelungener und deutlich überdurchschnittlicher Cocktail.

Den Deez Nuts Sour (Mitcher’s Rye Whiskey, Fresh Lemon, Walnut Bitter, Walnut Oil, Eggwhite) fanden wir nicht ganz so stark, eine Spur zu aufdringlich, aber dennoch gut trinkbar.

Ein Besuch ist sehr zu empfehlen.

Qualität: 7,5 Punkte

Service: 7,5 Punkte

Atmosphäre: 8 Punkte

Summe: 23 Punkte

BLUE BAR

59 W 44th St, New York, NY 10036, USA

Die Blue Bar ist eine Legende. 1933 eröffnet, war sie das Wohnzimmer zahlreicher Schriftsteller: Derek Walcott, William Faulkner, Lewis Sinclair – wahrscheinlich ist es einfacher die aufzuzählen, die nicht hier getrunken haben.

Seit ihrer Renovierung 2012 ist die Bar leider ein Touristen-Nepp.

Der Bloody Mary ist schlicht untrinkbar, wird aber auf Nachfrage durch eine annähernd akzeptable Version ersetzt. Der Hamlet (Stoli Orange Vodka, Cointreu, Fresh Orange, Fresh Lime & Prosecco) … ach was, soll’s: Wir sitzen für eine halbe Stunde an einem besonderen Ort und vielleicht findet sich eines Tages jemand, der aus diesm Ort wieder eine richtige Bar macht.

Qualität: 2 Punkte

Service: 5 Punkte

Atmosphäre: 1 Punkte

Summe: 8 Punkte

SKY BAR

Landsberger Allee 106, 10369 Berlin

„Partyfeeling in guter alter Barkultur mit Culture Clash zur freaky Mixologenszene. Kurz: Classy Classics meet Berlin Style Cocktails.“ So beschreibt sich die Bar selbst.

Der Blick jedenfalls ist spektakulär. Die Inneneinrichtung durchaus schlüssig, allerdings zieht es bei unserem Besuch beträchtlich, was aber nicht an der Höhe der in der 14. Etage untergebrachten Location liegt, sondern an der Klimaanlage.

Der Service, ja, ist vorhanden. Wenn man ihn – obwohl die Bar bei unserem Besuch nur wenige Gäste hat – höflich bittet. Nach angemessener Zeit gewährt man uns einen Blick in die Karte. Allerdings nur kurz. So sehr sich der Service am Anfang Zeit gelassen hat, jetzt holt er sie wieder auf.

Wir bestellen den  „Monkey Gland“ und den „Pirat im Kräutergarten„. Ersterer enthält Tanqueray London Dry Gin, Orangensaft, Grenadine, Zuckersirup und Absinth. Eine spannende Mischung, die Ausführung fällt für unseren Geschmack allerdings deutlich zu süß aus. Das Rezept kann mehr.

Das gilt leider auch für den zweiten Cocktail. Der „Pirat im Kräutergarten“ besteht aus Kraken Blackspiced Rum, Salbeisirup, Zitronensaft, Orange und OrangensaftSalbei und Zitronen Espuma. Leider verspricht auch dieses Rezept mehr als der Cocktail dann hält. Wenn schon Espuma, dann doch bitte richtig. Richtig meint ungefähr so wie das Fariy Tale das kann. Dann machen Anleihen an die Molekularküche nicht nur Laune, man versteht sie auch.

Die Idee einige modernere Kreationen zu bieten ist sehr zu begrüßen. Sie sind in der wirklich guten Karte als „Berlin Style“ gekennzeichnet. Der Anspruch vermittelt sich nur ansatzweise. Wie die Modernisierung von Klassikern wunderbar funktionieren kann, lässt sich etwa in Hildegard Bar erleben, wo die Cocktails wirklich Pfiff haben und überraschen.

Vielleicht haben wir auch nur einen Abend erwischen, an dem es nicht so rund lief. Wir fanden die Bar in Lichtenberg jedenfalls klasse und sind sicher, dass sie ihr Potenzial noch ausschöpft.

Qualität: 6 Punkte

Service: 5 Punkte

Atmosphäre: 8,5 Punkte

Summe: 19,5 Punkte

 

JARDINES DE SABATINI

  Cuesta San Vicente, 16, 28008 Madrid, Spanien

Am frühen Abend sind die Jardines de Sabatini vis-a-vis vom Schloss ein guter Ort, um den Abend zu begonnen. Die Terrasse ist ist gut dimensioniert, man sitzt angenehm und die Drinks sind für eine kurze Pause in Ordnung.

Sensationell ist der Blick auf das Schloss und den Botanischen Garten, den König Philipp II. 1755 anlegen ließ. Francesco Sabatini hieß der Architekt, der den Garten zusammen mit dem Botaniker, Arzt und Dichter Casimiro Gómez Ortega, gestaltete.

Die Geschichte des Gartens lässt sich an anderer Stelle nachlesen. Wir genießen den angenehmen Ort, finden die Cocktails sehr bunt und ganz in Ordnung, erwähnen den Service nicht weiter und freuen uns an dem unvergleichlichen Blick.

Qualität: 6

Service: 5

Atmosphäre: 9

Summe: 20

 

 

HILDEGARD BAR

Marburger Straße 3, 10789 Berlin

Die Hildegard Bar ist eine echte Entdeckung und ein großes Vergnügen. Sie ist unsere BAR DES JAHRES. Es gibt wenige Orte, die so entspannt und stilvoll auf diesem Niveau spielen. Das Innere gleicht eine Höhle, ist aber nicht so lang gestreckt wie die einstige Bar am Lützowplatz oder die Victoriabar. Der Raum bietet sowohl Intimität wie Gemeinschaftsgefühl mit Plätzen am Tresen und an kleineren Tischen – selten haben wir so eine geschickte und sorgfältige Raumgestaltung erlebt.

Akzentuiert wird sie durch eine sehr gute Beleuchtung mit vielen Lichtinseln, hell genug um die Karten zu lesen und zugleich wohl temperiert.

Dazu die Musik: Der Inhaber, Thomas Pflanz, ist erkennbar ein Fan des „Krautrock“. Er folgt bei der Musikauswahl aber nicht den ungeschriebenen, heiligen Regeln der wahren Deutschrock-Kunst, sondern dem Geist ihrer besten Vertreter, also aufregend, improvisierend, lustvoll. Wer nicht weiß was gemeint ist, mag bei“ Wikipedia „Can“, „Amonn Düül“, „Birth Control“ oder einfach den Begriff „Krautrock“ nachschlagen und bei Youtube das ein oder andere nachhören. (Meine schönste Entdeckung beim Stöbern: „Straße ohne Ziel“ von der Nürnberger Band „Ihre Kinder“. Großartig.) Und beim Besuch der Bar unbedingt die Titel der Musikbox studieren.

Soweit die Bühne. Lebendig wird sie durch ein gut gelauntes Team, das sichtlich Spass an seiner Arbeit hat. Natürlich mixen sie auch alle Klassiker, die Karte aber ist weitaus aufregender.

Die Cocktails heißen „…von Bingen“ (gut), Kinski (der Name ist Programm), Bukowski (dito), Ahmon Düül (überraschend und rafinniert), Earl of Hildegard (überragend).

 

Der letztgenannte Cocktail besteht aus Earl Grey infused Gin (wir sind schließlich im Britischen Sektor!), Triple Sec, Lemon und Egg white. Beschrieben wird der Cocktail in der Karte – bitte unbedingt beim Besuch Buntstifte mitnehmen… das erklärt sich dann – wie folgt: „Girls will be boys and boys will be girls. It’s a mixed up muddled up shok up world…“ In anderen Worten: Was hier ins Glas kommt ist so sensationell Lola von den Kings. Ein kraftvoller Cocktail, vielschichtig, aber in keiner Weise angestrengt, süffig und doch, wenn man sie wahrnehmen möchte, viele Noten: Die leichten Bitterstoffe des Likörs erinnern daran, dass die Geschmackswelt nicht nur aus „Süß“ besteht, dazu leichte Säure im genau richtigen Maß, gebunden im lockeren Eischnee. Das Ganze getragen von dem gut, aber nicht übertrieben mit Earl Grey infusionierten Gin. Eine wirklich große Kreation, die viel kann und lässig daherkommt.

Der Cocktail und die Hildegard Bar – großes Kino! Respekt & Kompliment.

(Und warum die Bar so  heißt wie sie heißt – hingehen und fragen.)

Qualität: 10

Service: 10

Atmosphäre: 10

Summe: 30

 

FAIRY TALE BAR

Am Friedrichshain 24, 10407 Berlin

Erinnert sich noch jemand an die frühen LPs – ja Vinyl – der Band Genesis? Die Zeit vor Disco und lange vor Punk, als Bands es riskierten Stücke von 10 bis 20 Minuten Länge anzubieten. Wer die Cover der Alben Trespass (1970), Nursery Cryme (1971), Foxtrott (1972), Selling England by the Pound (1973), A Trick of the Tail und Wind & Wuthering (beide 1976) vor Augen hat (oder im Netz nachschlägt), fühlt sich im Fairy Tale sofort heimisch.

Die Bar ist wie ein dreidimensionales Genesis-Cover der frühen Jahre: die auwändige, detailverliebte und ungemein originelle Einrichtung versetzt einen tatsächlich in eine inspirierende Märchenwelt. Überraschend.

Zur Karte: Wir wollen hier nichts weiter verraten, um niemanden den Spass zu verderben. Nur so viel: Auf die Idee Bücher als Barkarte zu verwenden, wird immer wieder zurückgegriffen. Aber eine originellere Barkarte wie im Fairy Tale haben wir noch nirgendwo in der Hand gehabt.

Auch zum Service wollen wir nichts weiter erzählen, außer dass er kompetent und sehr freundlich war. Lassen Sie sich überraschen.

So viel strenge Form, speist die Befürchtung, dass der Inhalt vielleicht nicht ganz mit halten kann. Doch Befürchtungen dieser Art erweisen sich als überflüssige Bedenken, denn der Inhalt, sprich: die Cocktails, sind auf Augenhöhe.

Zum Beispiel „Der Blaubart“, bestehend aus Grand Marnier 100, Tanqueray Old Tom Gin, Zitronensaft, Orangenespuma, ist exzellent. Der französische Likör aus karibischen Bitterorangen bildet eine sehr dominante Basis, die gut mit dem besonderen Gin harmoniert. Der Old Tom ist eine eine spezielle Destillation der Marke Tanqueray, die leicht mit Zuckerrüben gesüßt wird. Für den besonderen Geschmack dieses Gins sind natürlich alle Zutaten verantwortlich, zu denen in diesem Fall auch Ananas gehört. Dennoch ist der Old Tom kein süßer Gin.

Grand Marnier und dieser Gin – diese beiden starken Geschmäcker zu kombinieren ist riskant. Dazu noch der der Molekularküche entliehenen Orangenschaum (Orangenespuma), darauf muss man erst mal kommen. Im Fairy Tale gelingt die Kombiation ganz wunderbar. Der Cocktail ist kräftig, sehr harmonisch und die Kombination der leichten Süße mit den bitteren Aromen gelingt hervorragend.

Es bleibt nicht bei diesem Cocktail. Wir probieren noch weitere Angebote der tollen Karte und das Niveau ist durchweg hoch. Alle Cocktails folgen einer mit einem Märchen verbundenen Idee und keiner war langweilig oder belanglos.

Unser Eindruck: Das Fairy Tail spielt weit über den üblichen Standards und ist eine der spannendsten und besten Bars, die wir in den letzten Jahren besucht haben.



Qualität: 9

Service: 8

Atmosphäre: 9,5

Summe: 26,5

BECKETTS KOPF

Pappelallee 64, 10437 Berlin, Deutschland

Beckets Kopf genießt einen beachtlichen Ruf. Was die Cocktails angeht durchaus zurecht. Der FORREST, den wir an diesem Abend kosteten, wird in der Karte wie folgt beschrieben: „Auf Moos rauchen Regentropfen aus Whiskey, goldene Blätter fallen auf den feuchten Waldboden und Tannenzapfen, die nach Rosmarin duften.“ Das kann man so schreiben und wer sich mit Cocktails auskennt, ahnt ungefähr wir das schmecken wird – und genau so schmeckt es auch.

Auf ebenso hohem Niveau ist das Barfood, etwa die Oliven. Tatsächlich sind die schwarzen Oliven echte schwarze Oliven und nicht etwa gefärbt. Die Qualität ist erstklassig.

Noch mehr überzeugt hat uns der Cocktail OLD BERRY. Auch hier lehont die Lektüre der Beschreibung: „Der alte Berry war schizophren aus Überzeugung. Wild-würzig wie Whiskey, Beerenfruchtig, Zitrusfrisch und von einem leichten Nebel Absinth umringt.“ (Die Schreibweisen sind ohne Änderung von der Karte übernommen.)

Der Cocktail ist wirklich hervorragend, Harmonie und Raffinesse beeindruckend.

Die Cocktails, wie gesagt, zählen zur Spitzenklasse. Doch wie die Lektüre, so ist auch der Besuch dieser Bar schwerer Stoff und nicht für jede und jeden und nicht    für jeden Abend. Sehr streng und sehr angestrengt. Und wer bei BECKERTTS KOPF einen spassigen Arbend erwartet, ist ohnehin an der falschen Adresse.

Die Cocktails haben uns begeistert, aber nach dem Besuch benötigten wir im Späti erst mal ein Bier, um wieder in der richtigen Welt anzukommen.

Qualität: 9,5

Service: 6,5

Atmosphäre: 7

Summe: 23

SCHWARZE TRAUBE

Wrangelstraße 24, 10997 Berlin
Dunklere Bars dürfe es nur wenige geben in Berlin. Zumal wenn man sich am frühen Abend von der sonnendurchfluteten Stadt diesem Lokal anvertraut. Wer sich erst mal an die dämmrige Beleuchtung gewöhnt hat, dem macht die Inneneinrichtung viel Spass.
Kuriose Leuchten, Sofas und Wandbemalungen. Oder sind es doch Tapeten? Auch die in Schwarz gehaltene Toilette ist originell.
Die Bedienung ist noch etwas müde, die letzte Nacht war kurz. Die Cocktails kommen dennoch zügig. Leider haben wir uns Namen und Zutaten nicht notiert, aber was wir im Glas hatten, gehört zur absoluten Spitzenklasse in der Stadt und darüber hinaus.
In Erinnerung bleiben sorgfältig gemixte Cocktails, präzise, aber keineswegs charakterlos oder gar synthetisch. Hier sind Könner am Werk.

Qualität: 9,5

Service: 7,5

Atmosphäre: 9

Summe: 26

MAZE

Mehringdamm 61, 10961 Berlin-Kreuzberg

Die Anpreisungen sind beachtlich: „Raum für Ausstellungen, Kino, Party, Theater, Gespräche und gute Stimmung von der Tür übers Publikum bis zur Bar.“ Fehlt was?

Wir kommen einfach nur zum Trinken, an einem Freitag noch vor der üblichen Partyzeit. Tief geht es hinunter ins Kellergewölbe, das wir,  na ja, sagten wir als authentisch, durchgehen lassen. Nett.

Der freundliche Bartender freut sich über die ersten Gäste des Abends, wir machen es einfach, bestellen einen trockenen Martini.

Zunächst jedoch kommen Salzstangen. Die Martinis, die kurz darauf serviert werden, sind  wunderbar: Schön trocken, nicht zu stark, nicht zu schwach, sehr solides Handwerk. Und das bitte, möchte niemand unterschätzen.

Kino, Party und Theater hatten wir an diesem Abend nicht. Aber die Gespräche und die Cocktails haben sehr gefallen. Beschwingt verlassen wir den freundlichen Ort und während wir beim Hineingehen die Diskokugel und die Lichterketten noch etwas albern fanden, freuen wir uns nun über diese Deko. Warum eigentlich nicht?

Qualität: 7,5

Service:7,5

Atmosphäre: 7,5

Summe: 22,5

 

 

 

 

 

 

VODKABAR & BREAKFAST

  Skalitzer Straße 80, 10997 Berlin-Kreuzberg

Das Kottbusser Tor ist immer noch einer der touristischen Hotspots. Wildes Leben jeden Abend, die touristischen Grundbedürfnisse werden befriedigt durch Restaurants aller Art: arabisch, türkisch, indisch, asiatisch, Currywurst und um die Ecke das Ramones Museum – bunt, quirlig & alles im Berliner Shabby-Chic.

Die Vodkarbar passt gut in diese Umgebung. Der Schmuddellook ist schön und gediegen inszeniert. Konzert ist angesagt. Wir sind früh und hören dem Soundcheck zu: Ein Lautsprecher bringt den Background, live gespielt wird das Saxophon. Wir erwarten U-Bahn-Beschallung, aber schon nach den ersten Tönen wirk klar: Hier ist ein Könner am Werk.

„Jazz? Haben wir was verpasst? Kommt Jazz wieder?“ Der Musiker lächelt: „Jazz war nie weg.“ – „Aber Jazz ist doch eher fürs gesetzte Volk in Wilmersdorf.“ – „Jazz ist immer und überall.“

Zum Gespräch lassen wir uns einen Elyx Cup (Vodka, Basilikumsirup, Zuckersirup, frische Gurke, Prosecco) und eine Siberian Limonade (Vodka, Gin, Rum, Sanddorn Vodka, Lemon, Holundersirup) servieren. Der Elyx Cub ist leicht und erschfrischend, die Zutaten sind schön dosiert und harmonieren gut. Die Siberian Limonade ist starker Stoff – und nichts anderes wird versprochen. Doch den Trinker erwartet keine reine Alkoholschlacht, sondern ein gut gemixter Cocktail.

Bis zum Frühstück sind wir nicht geblieben, obwohl die Karte vielversprechend ist. Das holen wir gelegentlich nach. Für heute hatten wir großen Spass an einer Bar, in der des Geist des alten Berlin (West) noch zu spüren ist – American Sector! – und deutlich mehr geboten, als versprochen wird.

Qualität: 7,5

Service:7,5

Atmosphäre: 7,5

Summe: 22,5