TOP 100 COCKTAILBARS – Teil 1

100 Cocktails in 100 Bars. Warum machen wir das?

Weil es Spass macht, einmal pro Woche sich auf einen Cocktail an einen Tresen zu setzen, denen Drink zu nehmen, zu reden oder auch mal zu schweigen – und weil es uns immer wieder überrascht. Fast immer bleibt es bei einem Cocktail und der Besuch dauert selten länger als eine Stunde – das ist genau unser Format.

Die Bilanz der ersten 100 Cocktail-Bars ist erfreulich. Rund 70 Bars gefielen uns gut bis sehr gut. Besucht haben wir Zufallsfunde und zahlreiche der in Blogs, Zeitschriften Rankings hoch gelobten Top-Bars. Nicht selten erwiesen sie sich die Anpreisungen als Marketing.

Geachtet haben wir auf drei Dinge:

  • Hat es geschmeckt?
  • Wie war der Service?
  • Wie ist die Atmosphäre?

Für jede Kategorie gab es max. 10, in Summe also höchstens 30 Punkte.

Fünf Locations haben wir allerdings nicht bewertet, weil es nicht passte oder nicht fair gewesen wäre: SCHUMANN’S LES FLEURS DU MAL in München, die Fashion Bar in Berlin, das Historic Park Hotel und Fallingwater, beide von Frank Loyd Wright und in den USA sowie eine pauschale Betrachtung der New York Rooftop Bars.

Bars, die gar nicht zu uns gesprochen haben, gab es auch: vier der 100 Bars blieben unter 10 Punkten, je eine in Deutschland, Kuba, der Schweiz und in den USA.

Das Mittelfeld mit 10-20 Punkten umfasst 24 Bars.

In rund 70 Bars hat der Besuch gelohnt bis begeistert, das finden wir eine beachtliche Bilanz.

Teil 2 folgt.

 

JUNELI BAR

Annapurna Hotel, Freak St, Kathmandu 44600, Nepal

Im Annapurna Hotel bieten sowohl das Restaurant wie die Juneli Bar ein veritables Menü. Neben einigen Klassikern gibt es Eigenkreationen, wie den Annapurna (Vordka, Orange Juice and Blue Curacao). Die Atmosphäre ist angenehm, das Essen gut und die abwechslungsreiche nepalesische Küche zeigt, was sie kann: Vielfalt, viel Gemüse, wenig Fleisch, starken Geschmack. Dazu spielt eine einheimische Band Traditionelles im klassischen Ambiente. Ja, es ist alles für Touristen, aber trotzdem gut.

Wir wählen einen einfachen Martini und der ist in jeder Hinsicht tadelllos. Nur wenig entfernt vor dem steilen Aufstieg zum Himalaya, der uns ab dem nächsten Tag mit langen Tagestouren erwartet, ein besonderes Erlebnis. Die Bar des Annapurna Hotel ist ein angenehmer Ort. Wer eine Pause und einen guten Schluck sucht – hingehen!

Service: 7 Punkte

Ambiente: 7 Punkte

Qualität: 7 Punkte

Summe. 21 Punkte

 

ROOFTOP BAR

Somewhere in New York

Rooftop-Bars gibt es in New York vielleicht nicht wie Sand am Meer, doch ihre Zahl ist beträchtlich. Diese bleibt ebenso ohne Namen wie der Cocktail. Das Bild sagt genug.

Schön war es trotzdem, denn diesen Blick gibt es wirklich nur hier. Wenn Sie in New York sind und das Netz gerade mal nicht geht oder Sie ihr Handy haben ´liegen lassen, gehen Sie einfach der Nase nach und entscheiden Sie spontan. Im Zweifel: Trinken Sie ein Bier – und genießen Sie den Blick.

 

THE BAR ROOM

123 Nassau St, New York, NY 10038, USA

The Bar Room im Beekman Hotel in Lower Manhattan – mehr Lifestyle geht kaum.

Ein alter Industriebau ist zum Hotel geworden in sehr beeindruckender Weise. Wen dieses Treppenhaus nicht beeindruckt, dem ist kaum zu helfen.

Die Bar selbst ist schön eingerichtet mit einem enorm langem Tresen und sie ist gut sortiert.

Der Service erweist sich als zuvorkommend, es gibt Wasser sofort und Barfood von guter Qualität. Das Konzept der Karte: Die Cocktails heißen Virginia Woolf, Charles Dickens, Ernest Hemmingway… Konzept verstanden! Das erklärt auch die massiven Bücherschränke. Allerdings sind sie verschlossen und auch auf Nachfrage nicht zugänglich. Ob man solche Themenbars einfach bestellen kann oder benötigt man einen Architekten und einen Ausstatter?

Aber wir haben vorgesorgt und vergnügen uns mit dem mitgebrachten Tagesspiegel, der an diesem Tag einen Reprint vom Sommer 1968 als Beilage bietet. Geraldine Chaplin prangt auf dem Titelblatt, zu Besuch in Berlin und Eis essend am Kurfürstendamm. Zur Lektüre bestellen wir einen Oscar Wilde, bestehend aus Rye, Nocino, Benediktine, Drambuie und Pedro Ximénez.

Der erste Schluck: anständig. Stark, aber nicht umwerfend, gut ausgewogen und auch wenn man langsam trinkt, hält der Cocktail seine Kraft und Konsistenz und zerfällt nicht. Ob ein nach Oscar Wilde benannter Cocktail vielleicht einen Schuß britischen Humors vertragen hätte? Oder wenigstens irgendwas Originelles? Das ist vielleicht zu viel verlangt und wir wollen nicht meckern an diesem angenehmen Abend in Lower Manhatten.

Qualität: 7,5 Punkte

Service: 7,5 Punkte

Atmosphäre: 9 Punkte

Summe: 24 Punkte

THE LIVING ROOM – THE STANDARD

 848 Washington St, New York, NY 10014

The Standard ist immer noch eines der „In-Hotels“ in New York. Es liegt inmitten des Meatpacking-District, früher der Bauch der Stadt, wo das Fleisch für ganz New York zerlegt wurde, heute ein „up and coming“. Männer ohne Hipsterbart werden dort praktisch nicht mehr ausgeliefert – und das ist nur wenig überzeichnet.

Wirklich gut Essen kann man im Whitney Museum um die Ecke in Suzanne Cupps – gerade mit demnach Eckart Witzigmann benannten  ECKART 2018 FÜR LEBENSKULTUR ausgezeichnet –tollem Restaurant Untitled.

Frisch, saisonal, leicht, raffiniert und feminin sind ihre Teller.

Die Preise erweisen sich zudem als für New Yorker Verhältnisse sehr angemessen.

Auch die Weinkarte ist gut ausgewählt.

Wir aber besuchen d die Bar des Standard, den „Living Room“. Die Einrichtung entsprich dem, was zu erwarten ist; blicken wir also in die Karte. Acht Cocktails stehen im Angebot. Sie tragen Namen wie bomb pop, the domino effect, tourist visa oder the superlative paloma, um nur die ersten vier zu nennen. Hauptsache kreativ und originell.

Wir testen den Baby BlueAged cognac, weist die Karte als Zutat aus, dazu bergamot, lemon, aromatic curry bitters. Wie gesagt, sehr kreativ, aber der Geschmack ist eher mühsam. Sehr mühsam. Der Cocktail ist so gebaut, dass er sich unterscheidet – von was auch immer. Das Ergebnis ist expressiv und penetrant. Wer so etwas mag mag, ist hier richtig.

Wir halten uns lieber an Suzanne Cupps eingangs erwähntes Untitled. Sie mögen einen guten Wein in angenehmer Atmosphäre? Gehen Sie ins Untitled.

Qualität: 4 Punkte

Service: 6 Punkte

Atmosphäre: 7 Punkte

Summe: 17 Punkte

 

TAVERN ON THE GREEN

Central Park West & 67th Street, New York, NY 10023, USA

Tavern on the Green liegt gleich vis-a-vis von Strawberry Fields, wo immer gute Stimmung herrscht, irgendeiner ein paar Beatles Songs klampft und man glauben möchte, dass Frieden doch mehr ist eine Phrase. Nach langer, schwerer Nacht landen wir bei bestem Wetter um die Mittagszeit in der Tavern. Es gibt sogar einen netten Tisch unter einem Sonnenschirm, der an diesem Tag aus verschiedenen Gründen notwendig ist.

„Kein Alkohol heute“, aber vielleicht einen Snack. Der Toast mit Waldpilzen überrascht durch seine erstklassige Qualität. Es bleibt nicht beim Snack, das Nacharbeiten der Nacht braucht seine Zeit, manchmal schweigen wir auch nur ein wenig. Es gibt nicht viele Menschen, mit denen man schweigen kann.

Vielleicht doch einen Schluck? Die Cocktailkarte ist animierend. Bronx, Brooklyn, Manhattan heißen die ersten drei Cocktails – das Konzept ist klar. Wir probieren gleich den ersten: Dorothy Parker Gin, Orange Juice, Cocchi Storico Vermouth di Torino, Dolin Blanc Vermouth. Mehr New York kann nun wirklich niemand verlangen. Und so sieht der Cocktail aus:

Wir trinken in kleinen Schlucken und langsam. Sofort fühlen wir uns belebt: Leicht schmeckt der Cocktail, aber nicht belanglos, erfrischend und die Zitrone ist nicht überdimensioniert. Der Bartender weiß Bitterstoffe geschickt einzusetzen – mit einem Wort: großartig.

So begleitet dieser Cocktail einige magische Augenblicke mit Gesprächen zwischen Tiefsinn und Albernheit, mit Rück- und Ausblicken und mit Pausen an einem Ort mich großer Kraft.

Fast scheint es so, als sei der Service sich dieses besonderen Moments bewusst. Obgleich wir mehrere Stunden in der Tavern on the Green verbringen, werden wir stets freundlich und zügig, aber ohne Hast bedient, gut beraten und zu nichts genötigt. Dankbar und gut restauriert verlassen wir diesen Ort: auf zu neuen Taten.

Qualität: 7 Punkte

Service: 9 Punkte

Atmosphäre: 10 Punkte

Summe: 26 Punkte