BECKETTS KOPF

Pappelallee 64, 10437 Berlin, Deutschland

Beckets Kopf genießt einen beachtlichen Ruf. Was die Cocktails angeht durchaus zurecht. Der FORREST, den wir an diesem Abend kosteten, wird in der Karte wie folgt beschrieben: „Auf Moos rauchen Regentropfen aus Whiskey, goldene Blätter fallen auf den feuchten Waldboden und Tannenzapfen, die nach Rosmarin duften.“ Das kann man so schreiben und wer sich mit Cocktails auskennt, ahnt ungefähr wir das schmecken wird – und genau so schmeckt es auch.

Auf ebenso hohem Niveau ist das Barfood, etwa die Oliven. Tatsächlich sind die schwarzen Oliven echte schwarze Oliven und nicht etwa gefärbt. Die Qualität ist erstklassig.

Noch mehr überzeugt hat uns der Cocktail OLD BERRY. Auch hier lehont die Lektüre der Beschreibung: „Der alte Berry war schizophren aus Überzeugung. Wild-würzig wie Whiskey, Beerenfruchtig, Zitrusfrisch und von einem leichten Nebel Absinth umringt.“ (Die Schreibweisen sind ohne Änderung von der Karte übernommen.)

Der Cocktail ist wirklich hervorragend, Harmonie und Raffinesse beeindruckend.

Die Cocktails, wie gesagt, zählen zur Spitzenklasse. Doch wie die Lektüre, so ist auch der Besuch dieser Bar schwerer Stoff und nicht für jede und jeden und nicht    für jeden Abend. Sehr streng und sehr angestrengt. Und wer bei BECKERTTS KOPF einen spassigen Arbend erwartet, ist ohnehin an der falschen Adresse.

Die Cocktails haben uns begeistert, aber nach dem Besuch benötigten wir im Späti erst mal ein Bier, um wieder in der richtigen Welt anzukommen.

Qualität: 9,5

Service: 6,5

Atmosphäre: 7

Summe: 23

SCHWARZE TRAUBE

Wrangelstraße 24, 10997 Berlin
Dunklere Bars dürfe es nur wenige geben in Berlin. Zumal wenn man sich am frühen Abend von der sonnendurchfluteten Stadt diesem Lokal anvertraut. Wer sich erst mal an die dämmrige Beleuchtung gewöhnt hat, dem macht die Inneneinrichtung viel Spass.
Kuriose Leuchten, Sofas und Wandbemalungen. Oder sind es doch Tapeten? Auch die in Schwarz gehaltene Toilette ist originell.
Die Bedienung ist noch etwas müde, die letzte Nacht war kurz. Die Cocktails kommen dennoch zügig. Leider haben wir uns Namen und Zutaten nicht notiert, aber was wir im Glas hatten, gehört zur absoluten Spitzenklasse in der Stadt und darüber hinaus.
In Erinnerung bleiben sorgfältig gemixte Cocktails, präzise, aber keineswegs charakterlos oder gar synthetisch. Hier sind Könner am Werk.

Qualität: 9,5

Service: 7,5

Atmosphäre: 9

Summe: 26

MAZE

Mehringdamm 61, 10961 Berlin-Kreuzberg

Die Anpreisungen sind beachtlich: „Raum für Ausstellungen, Kino, Party, Theater, Gespräche und gute Stimmung von der Tür übers Publikum bis zur Bar.“ Fehlt was?

Wir kommen einfach nur zum Trinken, an einem Freitag noch vor der üblichen Partyzeit. Tief geht es hinunter ins Kellergewölbe, das wir,  na ja, sagten wir als authentisch, durchgehen lassen. Nett.

Der freundliche Bartender freut sich über die ersten Gäste des Abends, wir machen es einfach, bestellen einen trockenen Martini.

Zunächst jedoch kommen Salzstangen. Die Martinis, die kurz darauf serviert werden, sind  wunderbar: Schön trocken, nicht zu stark, nicht zu schwach, sehr solides Handwerk. Und das bitte, möchte niemand unterschätzen.

Kino, Party und Theater hatten wir an diesem Abend nicht. Aber die Gespräche und die Cocktails haben sehr gefallen. Beschwingt verlassen wir den freundlichen Ort und während wir beim Hineingehen die Diskokugel und die Lichterketten noch etwas albern fanden, freuen wir uns nun über diese Deko. Warum eigentlich nicht?

Qualität: 7,5

Service:7,5

Atmosphäre: 7,5

Summe: 22,5

 

 

 

 

 

 

VODKABAR & BREAKFAST

  Skalitzer Straße 80, 10997 Berlin-Kreuzberg

Das Kottbusser Tor ist immer noch einer der touristischen Hotspots. Wildes Leben jeden Abend, die touristischen Grundbedürfnisse werden befriedigt durch Restaurants aller Art: arabisch, türkisch, indisch, asiatisch, Currywurst und um die Ecke das Ramones Museum – bunt, quirlig & alles im Berliner Shabby-Chic.

Die Vodkarbar passt gut in diese Umgebung. Der Schmuddellook ist schön und gediegen inszeniert. Konzert ist angesagt. Wir sind früh und hören dem Soundcheck zu: Ein Lautsprecher bringt den Background, live gespielt wird das Saxophon. Wir erwarten U-Bahn-Beschallung, aber schon nach den ersten Tönen wirk klar: Hier ist ein Könner am Werk.

„Jazz? Haben wir was verpasst? Kommt Jazz wieder?“ Der Musiker lächelt: „Jazz war nie weg.“ – „Aber Jazz ist doch eher fürs gesetzte Volk in Wilmersdorf.“ – „Jazz ist immer und überall.“

Zum Gespräch lassen wir uns einen Elyx Cup (Vodka, Basilikumsirup, Zuckersirup, frische Gurke, Prosecco) und eine Siberian Limonade (Vodka, Gin, Rum, Sanddorn Vodka, Lemon, Holundersirup) servieren. Der Elyx Cub ist leicht und erschfrischend, die Zutaten sind schön dosiert und harmonieren gut. Die Siberian Limonade ist starker Stoff – und nichts anderes wird versprochen. Doch den Trinker erwartet keine reine Alkoholschlacht, sondern ein gut gemixter Cocktail.

Bis zum Frühstück sind wir nicht geblieben, obwohl die Karte vielversprechend ist. Das holen wir gelegentlich nach. Für heute hatten wir großen Spass an einer Bar, in der des Geist des alten Berlin (West) noch zu spüren ist – American Sector! – und deutlich mehr geboten, als versprochen wird.

Qualität: 7,5

Service:7,5

Atmosphäre: 7,5

Summe: 22,5

FASHION BAR BERLIN

Inge-Beisheim-Platz 1, 10785 Berlin

„An der Welt der internationalen Laufstege, Models und Designer orientiert sich das gesamte Konzept dieser Fashion Bar in Berlin.“ So die Hompage der Catwalk Bar.

Die erste „Location, die sich explizit mit dem Thema Mode beschäftigt – und das in einer Top-Lage Berlins.“ Wir sind in einem Werbeprospekt gelandet. Und  wie der Text, so auch die Bar. Noch einmal die Hompage: „Konsequent durchgestylt: Nicht nur das Interieur trägt die Handschrift von Michael Michalsky, sondern auch das Personal – vom Bar Manager bis zur Servicekraft wird die eigens kreierte Kollektion getragen. Köstliches Health Food, neue Cocktail-Kreationen, coole Sounds und Berlins Trendsetter erwarten Sie.“

 

Wir waren da. Machen wir es kurz. So synthetisch synthetisch wie der Text, so die gesamte Bar: seelenlos und selbst für schlichte Gemüter so charmant wie ein Knäckebrot. Keine Frage des Geschmacks, sondern des Stils. Leute, so geht es nicht.

Qualität: belanglos

Service: ja, gab es

Atmosphäre: beim besten Willen nicht

Summe: lieber nicht

BEUYS BAR

Neubrückstraße 2, 40213 Düsseldorf

Das Menü kommt im Retrolook: Als Musikkasette. Nette Idee.

Gewidmet ist ist dem Künstler Joseph Boys, der auf der Homepage mit dem Spruch „Jeder Mensch ist ein Künstler“ zitiert wird. Ein schwieriges Zitat, das so isoliert zum belanglosen Spontispruch wird.

Auch wenn Webdesigner das gerne mögen, bei Beuys ist es keine gute Idee sein komplexes Werk auf ein Zitat zu konzentrieren und dies als Leitspruch oder Motto zu verwenden.

Wie auch immer, die Einrichtung der Bar gefällt sie wird mit ihren Zitaten und Anspielungen Beuys viel eher gerecht.

Von der spannenden Karte wählen wir den Glover Club Deluxe (Gin, Leomon, Wild Berries, Sugar, Beuys Apero Reduction (Port & Sherry), Champagne). Um es kurz zu machen: Der Cocktail ist optisch und geschmacklich rundum gelungen. Die Dosierung ist präzise und die Mischung sehr ausgewogen. Klasse. Besonders an lauen Sommerabenden.

Der Oriental Mandarin (Rum, Smoked Tea, Lime, Mandarin Syrup, Vanilla & Passionfruit Espuma) hat uns weniger überzeugt.

Für unseren Gaumen hatte er zu viele Geschmacksrichtungen, die nicht harmonierten  und war uns zu süß. Vielleicht eher was für den Herbst oder Winter.

Qualität: 7 Punkte

Service: 7,5 Punkte

Atmosphäre: 9 Punkte

Summe: 23,5 Punkte

 

 

DAKTARI BAR

Juliusstraße 4, 45128 Essen, Deutschland

Die Daktari-Bar in Essen ist ein großer Spass. Der Name ist Programm und der Besuch wie eine Reise in ein fremdes Land.

Der Service lässig und zügig und die Cocktails – meine Güte. Es wird dringend empfohlen beim Abendessen auf den Nachtisch zu verzichten, den die Garnituren, mit denen die Cocktails gekonnt dekoriert sind, ersetzen den Obstsalat bei weitem.

Man möchte das schon als Gimmick verbuchen und ist geneigt, keine all zu große Qualität zu erwarten – weit gefehlt. Die Qualität der Cocktails ist erstklassig. Auch wenn Old-School-Puristen über diese Üppigkeit die Nase rümpfen mögen, das ist völlig unberechtigt.

Die Daktari-Bar zählt zu den zweifellos besten Adressen – nicht nur im Ruhrgebiet. Und wer Aufmunterung benötigt: Nichts wie hin.

Qualität: 8 Punkte

Service: 8 Punkte

Atmosphäre: 9 Punkte

Summe: 25 Punkte