RED CORRIDOR

1822 Michigan Ave, Detroit, MI 48216, USA

Das ist kein Ort für Hipster, nichts für Weicheier und schon gar nicht für Geruchsempfindliche. Hier trinken die Detroiter, die alles er- und überlebt haben, die immer noch hier sind und die die Stadt offenkundig nach wie vor mögen. Das Red Corridor ist basic, ehrlich, kein Ort für falsche Komplimente. Hier wird frittiert was geht, Veggis haben einen schweren Stand. Auch von der Craftbeer-Bewegung hält man hier nichts.

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Erstaunlicherweise bietet die Karte aber eine Reihe von Cocktails von denen wir zudem noch nie im Leben gehört haben: The Red Corridor, Corcktown-Coffee, Burbon Blast, Honey here’s your Whiskey, Winter Mule, The Fizz, Sangria-2-Ways und Japalaneo & Cucumber Margaita.

Wir probieren ohne allzu große Erwartungen den Winter Mule (Whiskey, Housemade Cinnamon Simple Syrup, Lime Juice & Topped with Ginger Beer). Die Überraschung ist beachtlich: Kein schnell zusammen gegossenes Glas oder aufgebrezelter Longdring, sondern ein sorgfältig und wunderbar ausgewogen gemixter Cocktail, leicht, frisch und erfrischend. Zufall? Oder sitzen wir schlicht den eigenen Erwartungen auf?

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Zweiter Versuch: Der Red Corridor (Whiskey, Infused white Michigan Cherries, Lemon Juice, Cranberry Simple Syrup & Topped with Soda). Cranberries und Sierup, das könnte rasch zu süß werden, aber dieser Cocktail ist nicht zu süß, sondern kräftig und ausgewogen.

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Dritter Versuch: Der Corcktown Coffee (Butterscotch Liquer, Blarneys Irish Whiskey, Coffee & Topped with whipped Cream). Eine wilde Detroiter Adaption des Brandy Alexander, aber nicht kalt, sondern heiß serviert. Eigentlich geht das alles gar nicht und über die Kalorien muss man ohnehin schweigen. Aber der Drink ist schlicht eine Wucht. Er schmeckt rund, alle Zutaten sind spürbar, keine dominiert unangemessen – ein Erlebnis.

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Das Red Corridor – für uns die Überraschung des Besuchs in Detroit.

Service: 7

Atmosphäre: 7

Qualität: 7,5

Summe: 21,5      

SUGAR HOUSE

2130 Michigan Ave, Detroit, MI 48216, USA

Hier trinkt das neue, junge, ja, durchaus wohlhabende Detroit. In In der Madison Avenue, wo es vor Jahren besser war, sich nicht mal tagsüber blicken zu lassen, wenn einem sein Leben lieb war, sind eine reihe neuer, junger Restaurants und Bars entstanden.

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Es dominiert der raue Belin-Style der späten 1990er Jahre, hier in amerikanischer Prägung mit Backsteinwänden, ausgestopften Jagdtrophäen in beachtlicher Zahl und Größe an den Wänden, Luftballons an der Decke, Kronleuchtern und ein riesiger Tresen.

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Ein wenig wild und dennoch angenehm und nicht zuletzt warm, während draußen der eisige Winde über die großen Seen durch die Stadt pfeift.

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Der Service ist zügig, freundlich und erklärt kompetent das Menü, das sich in zwei Kapitel gliedert. Zum einen etwa 100 Standards, wie sie weltweit überall zu bekommen sind, zum anderen ein Dutzend Eigenkreationen. Die sind versammelt unter dem Begriff „Craft Cocktails“ und folgen erkennbar der erfolgreichen Biermode.

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Wir entscheiden uns dafür und wählen den Black Walnut & Rye Cocktail. Die Zutaten: Two James Catcher’s Rye, Sherry, Black Walnut Leaf Syrup, Amargo Valet Bitters, Atomizes New Holland Gin. Es kommt ein dunkler, kräftiger und ein wenig an den Martinez erinnernder Cocktail, der ausgesprochen gelungen ist. Mit dem Syrup hat der Mixer nicht gespart, so dass der Walnussgeschmack auch klar erkennbar ist, aber dennoch erschlägt die Dosierung nicht den Rest. Auch die Bitters sind gekonnt dosiert, schmeckbar, aber nicht zuviel. Alles in allem ein sehr gelungener, kraftvoller, amerikanischer, aber keineswegs platter Cocktail mit klarer Handschrift.

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Sie trauen sich was im Sugar House in Detroit – und das gekonnt: Kompliment.

Service: 8

Atmosphäre: 7,5

Qualität: 7,5

Summe: 23