BAR 228

228 Rue de Rivoli, 75001 Paris, Frankreich

Das Hotel Le Meurice zählt zu jenen klassischen Luxushotels, in denen das Wort Luxus etwas gilt. Der Stil: sehr französisch, klassisches Großbürgertum, das es hier noch hinreichen zu geben scheint, die Inneneinrichtung nicht die Spur modern – und doch kein Vergleich zu den zahlreichen, immer noch existierenden Grand Hotels. Das Le Meurice ist das Gegenteil von an- oder gar verstaubt, hier geht es um den „feinen Unterschied“. Gäste werden behandelt als Gäste, ohne jede Spur von Affektiertheit oder gar Dünkel und in dieser Hinsicht ist das Haus moderner als die zahlreichen Designerhotels, die gerne in Anspruch nehmen modern zu sein.

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Im Le Meurice befindet sich die Bar 228. Der 1907 eingerichtete Raum wirkt wie ein britischer Club und will genau das auch sein. Dunkles Holz, opulente Wand- und Deckenmalereien, all das klingt altmodisch, ist es aber keineswegs.

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Der Service agiert genau so, wie man ihn sich wünscht: freundlich, sehr aufmerksam und mit dem perfekten Gespür dafür, wann er benötigt wird.

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Diese hohe Schule wird auch bei den Cocktails gepflegt. Chefbartender William Oliveri pflegt die hohe Cocktailkunst. Das beginnt mit der exzellenten Karte und setzt sich fort mit erstklassigem Barfood.

Wir bestellen den Cocktail Le 228. Die Zutaten: Birnenincoulis (Coulis ist ein Püree), Birnenlikör, Lichilikör, Himbeercoulis und Champagner. Das Ergebnis ist großartig: Konsistenz, Geschmack, Ausgewogenheit sind bei jedem Schluck kaum besser vorstellbar.

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Für das Großbürgertum mag all das selbstverständlich sein – womit der Verfasser verraten hat, dass er nicht zu dieser Schicht gehört –, für alle, die ebenfalls nicht dazu zählen, aber neugierig sind, sei ein Besuch der Bar 228 sehr empfohlen. Das Geld, ungefähr das Doppelte des Üblichen, ist gut investiert und erbringt den Blick in eine Welt, die es lohnt zu kennen und die zudem den Geschmack schult für das nicht Alltägliche.

Qualität: 9,5 Punkte

Service: 9,5 Punkte

Atmosphäre: 9,5 Punkte

Summe: 28,5 Punkte

HARRYS NEW YORK BAR

5 Rue Daunou, 75002 Paris, Frankreich

Harrys New York Bar in Paris ist eine dieser weltweit berühmten Legenden. Ursprünglich hat sie der amerikanische Jockey Tod Sloane  1911 eingerichtet, als typische amerikanische Stehkneipe. Zu Beginn hieß sie noch „New York Bar“ und sollte nichts weiter sein, als ein Stück Manhatten inmitten von Paris.

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Der erste Barkeeper hieß Harry MacElhoe und stammte aus dem schottischen Dundee. 1923 übernahm er die Bar, seitdem hat sie ihren heutigen Namen und ist unverändert im Besitz der Familie.

Berühmt wird die Bar durch einen doppelten Glücksfall: Zum einen ist Harry MacElhoe enorm kreativ und erfindet Cocktails, die heute weltweit auf nahezu jeder Barkarte zu finden sind, wie den Bloddy Mary, den French 75, die White Lady und zahlreiche andere.

Zum anderen wird die Bar in den 1920er Jahren zum Wohnzimmer der im Ausland lebenden Amerikaner, der „Lost Generation“, als die sich F. Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway und zahlreiche andere empfinden. Auch Prominente wie Humphrey Bogart, Rita Haywooth, Coco Chanel und Clint Eastwood besuchen die Bar oft. George Gershwin soll hier seinen „Amerikaner in Paris“ komponiert haben.

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Beim Besuch von Harrys New York Bar ist es diese Geschichte, ja Arura, die mitschwingt und den Besuch trägt. Der Rest? Der Service? Die Cocktails?

Wir probieren den Lisa Martini, eine Eigenkreation von 2009, bestehend aus Gin Seagram, Lemon juice, Mandarine Napoleon, Campari. Nun ja. Wir freuen uns, eine Stunde in dem Raum verbracht zu haben, in dem sich einige Menschen aufgehalten haben, die wir schätzen. Und das ist eine ganze Menge.

Qualität: 4,5 Punkte

Service: 4,5 Punkte

Atmosphäre: 10 Punkte

Summe: 19 Punkte

 

BAR MARTÍNEZ

Calle del Barco, 4, 28004 Madrid, Spanien

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Das Martínez findet sich nur wenige Meter hinter dem berühmten, 1926-29 erbauten Telefonica-Gebäude in der Grand Via.

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Die Bar wirkt alteingessesen und die Patina angenehm, doch dieser Eindruck täuscht. Er seit wenigen Jahren gibt es das Martinez, ein gutes Beispiel dafür, wie sich nostalgische Atmosphäre durchaus gekonnt erzeugen lässt.

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Die Karte beeindruckt durch eine beachtliche Fülle und eine eigene Gin-Karte, der in Madrid gerade sehr in Mode ist und einem an jeder Ecke nahezu aufgedrängt wird.

Am frühen Abend bedient die Bartenderin selbst. Die junge Dame spricht ausschließlich spanisch, was der freundlichen Verständigung ebenso wenig im Wege steht, wie unsere radebrechenden Versuche in dieser Sprache. Wir sind beeindruckt über die unprätientöse Art, wie sie die Bestellungen erledigt und zugleich den Überblick über neu eintreffende Gäste und deren Bedürfnisse wahrt. Selten haben wir einen so souveränen Service erlebt.

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Das beginnt mit dem Barfood, das fast einer kleinen Mahlzeit gleicht: Humus und frische Gemüsesticks in beachtlicher Menge. Natürlich bestellen wir den namensgebenden Martínez, eine der Prüfungen für jeden Bartender: Gin, Wermut, Maraschino und Agostura – das im Gleichgewicht zu behalten ist keine einfache Übung. Wir staunen, als das Getränk kommt. Statt des üblichen Martiniglas, kommt tatsächlich eine Messingtasse, als sei erneut die Prohibition ausgebrochen und nach Europa geschwappt, was einen in Zeiten des moralischen Rigorismus kaum wundern würde.

Der Cocktail selbst ist eine Offenbarung. Wunderbar ausgewogen, so muss ein Martínez schmecken – einfach perfekt.

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Der zweite Cocktail, den wir probieren, ist der Kraken Stormy, der aus nur zwei Zutaten besteht und doch mehr ist ein als ein Londrink: Rum und Ingwerbier. Klingt banal und wird erst verständlich, wenn man die Rumsorte benennt: Kraken Rum, ein sehr dunkler, mit elf nicht bekannten Kräutern angereicherter Rum aus Trinidad. Das Ergebnis ist so überraschend wie gekonnt.

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Die Martínez ist vielleicht nicht die hippste Bar der Stadt, aber eindeutig eine der besten. Hier werden Cocktails gekonnt ins Glas gebracht, die Qualität ist so erstklassig wie der Service und das Ambiente angenehm unaufgeregt.

Qualität: 9 Punkte

Service: 9 Punkte

Atmosphäre: 8,5 Punkte

Summe: 26,5 Punkte