BAR MUSEO CHICOTE

Gran Vía, 12, 28013 Madrid, Spanien

Die Bar Museo Chicote in Madrid ist eine Legende. Seit 1931 bestehend, rühmt sie sich die älteste Bar der Stadt zu sein und natürlich hat Ernest Hemingway hier ebenso getrunken wie Stars und Sternchen der Gegenwart.

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Wir besuchen das Museo am frühen Abend. Der Raum ist groß und angenehm, das Licht, wie in fast allen Locations, die wir in Madrid besucht haben, sorgfältig gestaltet.

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Die aus den Anfangsjahren stammende Einrichtung hat immer noch Charme, man sitzt angenehm.

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Wir probieren den Hauscocktail, den Chiote und einen nach der Schauspielerin Ava Gardner benannten Cocktail. Der Chiote ist eine Form des Martinez, bestehend aus Gin, süßem Wermut, Curacao und Grand Manier. Dem Bartender zuzusehen ist interessant, er dosiert wie ein Chemiker, der im Film einen Chemiker spielen soll. Nur den Curacao vergisst er.

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Das Ergebnis ist dennoch in Ordnung, herb, gut trinkbar, einigermaßen ausgewogen.

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Der zweite Cocktail, Ava Gardner, besteht aus einer wilden Mischung: Rum, weiße Schokolade, Pfeffer, Mandarine und Lavendel. Wir hätten es lassen sollen, der süßlich-klebrige Chocktail ist kaum trinkbar.

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In einem allerdings toppt das Museo Chicote alles, was wir bisher erlebt haben: das zu den Cocktails angebotene Barfood. Neben geröstetem Mais, der weltweit gern gereicht wird, werden tatsächlich Gummibärchen auf den Tisch gestellt. Und nicht zu wenige.

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Madrid, wir lieben dich.

 

Qualität: 4,5 Punkte

Service: 6,5 Punkte

Atmosphäre: 7,5 Punkte

Summe: 18,5 Punkte

 

KOI BAR IM BRYANT PARK HOTEL

40 West 40th Street, 10018 New York City, USA

Das Bryant Hotel ist ein Schmuckstück in schönstem Art Deco, dunkler Stein, vergoldete Kanten, als wäre das Gebäude Schauplatz eines verschollenen Orson Welles Films.

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Im Erdgeschoss residiert das Koi Restaurant, eine ursprünglich aus Los Angeles kommende Premium-Kette, die Japanisch-Kalifornische Fusion-Küche anbietet. Zum Angebot gehören auch „innovative signature cocktails“.

Der Raum ist jedenfalls gewaltig, eine riesige Deckenskulptur fokussiert den Blick. Man soll beeindruckt werden und ist es. So sehr die Architekten auf die Aufteilung des Raums geachtet haben, so nachlässig waren sie bei den Materialien – oder war das eine Frage des Preises? Jedenfalls hat niemand einen Sounddesigner gefragt und die Atmosphäre ist so laut, dass selbst am intimen Zweiertisch eine Unterhaltung zur beträchtlichen Anstrengung gerät.

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Das Gespräch selbst allerdings war vergnüglich, herzlich und substantiell und bot tiefe Einblicke in die hiesige Seele – unterbrochen von einem wenig sensiblen Service, der offenkundig nur ein Ziel hatte: Effizienz. Die Vorspeise war noch nicht halb aufgegessen, da kam schon wortlos die Hauptspeise auf den Tisch. Meine Begleitung war zurecht erbost und lies den Menschen das Gericht wieder zurück nehmen.

Der angepriesene „signature cocktail“ – ach ja, nicht weiter erwähnenswert mit der Tendenz zum Klebrigen. Schade. Der Ort hat mehr verdient.

Qualität: 4,5 Punkte

Service: 4,5 Punkte

Atmosphäre: 5 Punkte

Summe: 14 Punkte

 

MENEHUNE COCKTAILBAR

Wehmenkamp 3, 45131 Essen

Im In-Viertel Essen-Rüttenscheid ist immer was los. Ein Oldtimerkorso, Straßenmusik, zahlreiche Restaurants und Bars und Wohnungspreise deutlich über dem ortsüblichen Durchschnitt. In einer etwas ruhigeren Seitenstraße liegt die Menehune Cocktailbar. Sie wirkt, als hätte man sich in auf den Set eines Filmdrehs für einen Matrosenfilm verirrt. Auf dem Tresen der Kopf eines Hais mit geöffnetem Maul, aus dem es violett leuchtet, an der Decke Fischernetze, an der Wand präparierte Fische  und in den Vitrinen die zugehörigen Utensilien.

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Benannt ist die Bar nach dem „kleinen Volk“ von Hawai, mythologischen Figuren in menschlicher Gestalt mit magischen Kräften. Wer immer auf diese Idee gekommen ist, sie wird konsequent und augenzwinkernd gespielt und es ist kaum möglich, sich nicht zu amüsieren.

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Die Cocktailkarte ist recht umfangreich, der Service aufmerksam und sehr freundlich. Wir testen den Fog Cutter (Zitrone, Limone, Rum – zwei Sorten –, Gin, Kirschlikör, Mandel, Ananas, Orangensaft). Das klingt heftig und sowohl nach einem Strong Drink wie nach einer wilden Mischung. Aber funktioniert wunderbar. Der Bartender übertreibt es mit der Alkoholdosierung nicht, die Mischung ist angenehm ausgewogen. Dabei sind die einzelnen Geschmäcker deutlich identifizierbar, ohne dass einer alles dominiert oder überlagert. Auch die Süße ist angenehm dezent und in keiner Weise klebrig.

Weniger komplex ist der London Sour mit Zitrone, Limone, Whiskey, Mandel und Orangensaft. Dieser Cocktail ist deutlich herber, aber nicht sauer, auch dieser Drink gelingt wunderbar und ist ideal für einen heißen Sommerabend.

In beiden Fällen wird nicht gespart mit üppiger Dekoration: Melone, Ananas, Cocktailkirsche – das Bucket geht fast als Nachtisch durch.  Wer der strengen klassischen Barhochkultur huldigt, dem ist die Menehune Cocktailbar wahrscheinlich zu verspielt. Wir haben uns sehr amüsiert und unterhalten in dieser sympathischen, freundlichen Bar.

Qualität: 7 Punkte

Service: 7,5 Punkte

Atmosphäre: 8 Punkte

Summe: 22,5  Punkte

 

BROOKLYN DINER TIMES SQUARE

155 W 43rd St, 10036 New York City, USA

Das Brooklyn Diner am Times Square bietet amerikanischen Standard. Ein wenig individueller als das Hard Rock Café, nicht so laut, sehr freundliche Bedienung und eine Speisenkarte mit allem was erwartet werden kann. Keine gehobene Küche, aber sehr guter Durchschnitt in bester Lage.

Auf der Karte finden sich auch einige Cocktails. Als „House Speciality“ wird The Glover Club angepriesen. Die Zutaten: junipero gin, lemon juice, cambord, simple syrup und egg white.

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Erfreulicherweise wird der Sirup nicht mit der oft üblichen amerikanischen Großzügigkeit dosiert, die die Drinks süß und klebrig werden lassen. Dieser Glover Club schmeckt so, wie erhofft: einfach und unkompliziert, ein leichter Sommercocktail für eine kurze Pause am lichtüberfluteten, die Reize bis aufs äußerste strapazierenden Times Square.

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Qualität: 7 Punkte

Service: 7 Punkte

Atmosphäre: 7 Punkte

Summe: 21  Punkte

 

BOOKMARKS

Library Hotel, 299 Madison Ave #14, 10017 New York City, USA

The Pulitzer ist einer der neun „Specialty Cocktails“ der kleinen Rooftop Bar Bookmarks in Midtown.

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Es gibt sicher spektakulärere Ausblicke, doch die Atmosphäre ist angenehm familiär.

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Einst war der Plymouth Gin, der die Basis des Cocktails bildet, das Standardgetränk der britischen Flotte, Nachdem diese Gin weder zu medizinischen, noch zu anderen Zwecken mehr ausschenkt, stand die traditionsreiche, 1793 gegründete Brennerei vor der Pleite. Gerettet hat sie ein Premiummarkenkonzept und eine entsprechende Neupositionierung. So wurde aus dem derben Seemannsschnaps ein vornehm sich gebärdender Edelgin, mild und von jener Sorte Eleganz, die bei Premiumfahrzeugen schon fast als Luxus gilt. So schmeckt der Plymouth Gin auch, ein wenig synthetisch, wie zahlreiche der marketinggetriebenen Gins.

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Zum Pulitzer passt er, wird ergänzt durch Elderflower liquer, Fernet Bianca und Agave nectar. Auf jeden Fall passt der Cocktail gut in die Madison Av., Ecke 41st Street, die sich Library Way nennt, weil sie zu selbigen führt, und so viel mit Kunst zu tun hat, wie die neueste Befindlichkeitsprosa mit Literatur. Nett für einen sundowner, aber etwas klebrig im Abgang.

Qualität: 4 Punkte

Service: 7 Punkte

Atmosphäre: 8 Punkte

Summe: 19  Punkte