VARADERO

Vorbergstrasse 11

10823 Berlin

Das Varadeoro ist eine Cocktailbar Restaurant in Berlin-Schöneberg, bunt, lebendig und ungemein sympathisch. Neben kubanischen Speisen verfügt das Etablissement eine beachtliche Cocktailkarte und erwartungsgemäß dominieren Rum-Cocktails. Wir probieren den Daquiri Papa Hemmingway (weißer Rum, Limetten- und Grapefruitsaft, Maraschino, Zuckersirup). Der Zuckeranteil ist erfreulich niedrig und der Cocktail sauer, aber nicht zu sauer, kräftig und in jeder Hinsicht einwandfrei.

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Ebenso erfreulich der zweite Test: Der Presidente No. 1 (dunkler Rum, Grenadine, Martini rosso, Triple sec., Zitronensaft) ist wie bestellt herb und leicht bitter. Das Rezept stammt aus den Jahren um 1910 und ist benannt nach dem Präsidenten Mario García Menocal, der einen dem Manhatten ebenbürtigen Cocktail haben wollte. Ob das gelungen ist bleibt eine Frage des Geschmacks, der vom Varadero servierte Cocktail erfüllt jedenfalls alle Ansprüche. Zu erwähnen sind schließlich, neben dem guten Service, die auffallend günstigen Preise der Cocktails. Eine solche Qualität zu einem so günstigen Preis ist uns weder in Berlin noch anderorts ein zweites Mal begegnet.

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Einfach großartig.

Qualität: 7 Punkte

Atmosphäre: 8 Punkte

Service: 7 Punkte

Summe: 22

MUTTER

Hohenstauffen Str. 4, 10781 Berlin

Mutter meint beides: Zum einen, so die Hompage, „eine Frau die ein oder mehrere Kinder geboren hat“ zum anderen „einen Teil der Schraube, der das Gewinde drehbar umschließt“. Die Bar und das Restaurant in Berlin Schöneberg, das sich diesen Namen gegeben hat, bietet eine der kuriosesten Inneneinrichtungen der Stadt. Lederstühle, die gut in Wiener Kaffeehaus passen würden, originell gestaltete Tische und Lampen, eine opulente Bar. Kulinarisch hat siuch die Mutter der Thai-Küche verschrieben, bietet die entsprechenden Standards und einige nicht ganz so üblichen Gerichte, natürlich eine Reihe davon vegetarisch und vegan, wie sich das in der Nähe des Winterfeld- und Nollendorfplatzes erwarten lässt, sowie einige Dutzend Cocktails.

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Wir kosten den Cucumber-Appletini (Gin, Holundersirup, Zitronensaft, Apfelsaft, Gurke) und den Tempest (Tequila, Mandarine, Cranberry, Zitronensaft, Orangensaft, Maracujasaft). Der Tempest ist opulent, reichlich, aber nicht überladen dekoriert. Er hat vielleicht ein wenig zu viele Cranberrys und gerät einen Tick zu süß, aber das ist fraglos Geschmacksache. Alles in allem ist er sehr gut gemixt, ausgewogen und schmeckt wunderbar.

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Mit dem Cucumber-Appletini gelingt dem Bartender an diesem Abend ein ganz Wurf. Er ist perfekt ausgewogen. Die Dosierung des Holundersirups gelingt perfekt und gibt dem Drink eine Eleganz, die ihresgleichen sucht. Der Cucumber-Appletini in der Mutter ist eine Entdeckung.

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Sehr gut ist auch der Service. Das Restaurant ist an diesem Abend gut gefüllt, aber die beiden Damen und der Bartender hinter dem Tresen, arbeiten mit einer bewundernswürdigen Gelassenheit und geraten auch nicht aus der Fassung, wenn am Nachbartisch ein Gericht individuell und filmreif angepasst wird: „Ich hätte gerne Menü Nummer 4, aber…“ und dann wird munter angepasst und kombiniert wie in dem Film „Harry und Sally“. Auch dann bleibt der Service freundlich gelassen und man bedauert es fast, dass der Service so flink ist, denn die Mutter ist großes Kino.

Qualität: 7,5 Punkte

Atmosphäre: 9 Punkte

Service: 8 Punkte

Summe: 24,5

The Bar Marqués

Graefestraße 92, 10967 Berlin

Das The Bar Marqués hat einen guten Ruf als Geheimtipp, sie gilt als „Perle“ und in der Tat ist die Bar ungewöhnlich für Berlin. Im Keller des Restaurants Marqués pflegt die Bar ihren eigenen Stil. Sofas, Sessel, ein Klavier, Kerzen, Bilder – der Habitus ist eindeutig am englischen Club orientiert. „Old fashioned“ gilt hier als Qualität. Der Service bewegt sich im Stil dieser Bühne, denn diese Bar ist eine, und fragt nach den Wünschen der Gäste, ob die Drinks dann schmecken und ob man noch etwas begeht. Ein klassischer „Kontakter“, würde man im Agenturbusiness sagen, der allerdings in fast amerikanischer Frequenz agiert und eher modernen Marketingregeln zu folgen scheint, denn seinem Blick und Gespür.

IF

Eine Karte hat „The Bar“ nicht. Das bedeutet erfahrungsgemäß teure Cocktails, was sich später bestätigt. Internationales Preisniveau. Das wäre vollkommen akzeptabel, wenn die Qualität der Cocktails dafür stehen würde. Das gilt am Abend unseres Besuchs jedoch nicht. Gefragt nach den Wünschen, bestellen wir einen trockenen Martini und die Dame ordert „einen Cocktail für Männer, mit klaren Schnäpsen, herb, nicht süß“.

IF

Der Martini ist in Ordnung, nicht mehr und nicht weniger. Der andere, „starke, klare“ Cocktail, dessen Namen wir nicht erfahren, ist rot, besteht zu einem beträchtlichen Teil aus Campari und ist unglaublich süß. Er ist das, was in immer noch zu vielen Bars als „Damencocktail“ gilt. Er ist gerade noch trinkbar, aber keinesfalls das, was geordert war. Wir machen noch einen Versuch, wollen wissen, was der Bartender kann, und bestellen einen Martinez. Wir kosten, sind überrascht, kosten noch einmal und lassen den süßlich-klebrigen Cocktail stehen.

The Bar kommuniziert einen hohen Anspruch, den die Einrichtung bei unserem Besuch leider nicht erfüllt.

Qualität: 4 Punkte

Atmosphäre: 7,5 Punkte

Service: 4 Punkte

Summe: 15,5 Punkte