Bar Zentral

Lotte-Lenya-Bogen 551, 10623 Berlin

Die Bar Zentral am Savigny Platz in Berlin-Charlottenburg dominiert ein langer, einladender Tresen.  Der ein wenig in Charlottenburger Manier verwaschene Prenzlauer-Berg-Style ergibt eine angenehme Atmosphäre. Hier lässt sich gut verweilen an nassen Herbst- und Winterabenden.

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Boulevadier 1934

Der Service ist zügig und freundlich. Die abwechslungsreiche, vielversprechende Karte bietet neben Standards einige selten gelistete Cocktails wie den Boulevardier 1934 (u.a. Whisky, Campari, Vermouth rot), ein Vorfahre des Negroni. Eigentlich ein mittelstarker Drink, der aber an diesem Abend so stark gerät, dass er kaum zu genießen ist. Zudem ist der Eisanteil sehr hoch, so dass der Cocktail bald wässrig wird.

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Bar Zentral: Am DJ Pult

Wir probieren es noch mal.

 

Qualität: 5,5 Punkte

Atmosphäre: 7,0 Punkte

Service: 6,5 Punkte

Summe: 19 Punkte

VOIMA

Winterfeldtstr. 22, 10781 Berlin

Wenn Sie finnische Eisbrecher lieben, sind Sie im VOIMA genau richtig. So heißt der finnische Eisbrecher, der dieser originellen Bar seinen Namen gibt. Warum die Bar  so heißt mag jeder, den es interessiert, gerne selbst die Bartenderin fragen.

Die eigenwillige Inneneinrichtung wird dem Namen der Bar gerecht.  Man kann sich durchaus in die Kabine eines Eisbrechers versetzt fühlen und wer es auf der Toilette rauschen hört, muss nicht zwingend zu viel getrunken haben, es kann auch die Soundinstallation sein, die in den Ohren rauscht.

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VOIMA, an der Bar

Ansonsten ist das VOIMA zweckmäßig eingerichtet, wie eben vermutlich auch der namengebende Eisbrecher.  Minimalistisch ist auch die pulsierende Lichtinstallation, die ans Nordlicht oder an die legendären ersten Laser der 1970er Jahre erinnert.

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Lichtinstallation

Nicht nur originell, sondern auch gekonnt ist die unter anderem in folgende Kapitel gegliederte Karte: Schiffsjunge, Leichtmatrose usw. über den Schiffsarzt bis zum Kapitän. Mit jeder Kategorie steigt der Alkoholgehalt. Wir probieren den Brunelle (Gin, Absinth, Zitronensaft, Grenadine) sowie den Straits Sling (Gin, Dry Cherry Brandy, Benedictine, Lemon Juice, Orange Bitter, Angostura, Soda) und sind begeistert. Der Brunelle ist kräftig, nein: stark, aber nicht zu stark und enorm ausgewogen. Der Zitronensaft ist perfekt dosiert, die Säuere, die zu diesem Drink gehört ist angenehm, ohne zu dominieren. Der komplexe Straits Sling schmeckt sehr elegant.

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Brunelle

Auch die anderen Drinks, die wir an verschiedenen Abenden und aus unterschiedlichen Kategorien testen, waren alle von bester Qualität.

Das VOIMA hat nicht nur eines der mutigsten Profile einer modernen Bar, sondern bietet allererste Qualität.

Qualität: 8,5 Punkte

Atmosphäre: 8,0 Punkte

Service: 8,5 Punkte

Summe: 25

Goethe Bar

Sechseläutenplatz 10, 8001 Zürich

Essen mit Schiller, Trinken mit Goethe – das geht in der Schiller Brasserie und in der Goethe Bar vis-a-vis der Züricher Oper. Ein nette, gemäßigt moderne und sehr aufgeräumte Bar.

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Empfehlenswert sind die Plätze am Fenster mit einem schönen Blick auf den Platz.

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Geboten werden im Wesentlichen die Standards. Der gekostete Basillet (Gin, Lillet Blanc, Mandarin Likör, frischer Limettensaft, spicy Ginger, frisches Basilikum) ist kräftig und etwas laut, wie das Leben am Platz. Wo, um Himmelswillen, bekommen sie im Dezember so riesige Basilikumblätter her?

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Wie wohl ein Goethe-Cocktail geschmeckt hätte? Er war nicht im Angebot. Schade.

Eine gute Adresse in zentraler Lage.

 Qualität: 7,0 Punkte

Atmosphäre: 6,5 Punkte

Service: 6,0 Punkte

Summe: 19,5

Kronenhalle Bar

Rämistrasse 4, 8001 Zürich

Die Kronenhalle ist eine Züricher Legende. Das gilt für das Restaurant ebenso, wie für die berühmte Bar. Die 1924 eröffnete Kronenhalle selbst war und ist seit Jahrzehnten Treffpunkt von Künstlern. Pablo Picasso ist hier eingekehrt, James Joyce, Alberto Giacometti, Lauren Bacall und natürlich Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch. Gab es 2009 heftige Kritik an der Bedienung im Restaurant, so können wir das für die Bar keinesfalls bestätigen. Ganz im Gegenteil: Der Service war freundlich und außerordentlich kompetent. Wir haben selten einen Barkeeper getroffen, der so leidenschaftlich und informiert über Cocktails plaudern konnte und zudem den Geschmack der Gäste so präzise erspürte. Ein Vergnügen.

Die ganz in Holz gehaltene Bar ist charakterisiert durch ihre warme Atmosphäre und die Originale an den Wänden von Picasso, Klee, Miro und anderen. Sehr gelungen ist auch die Beleuchtung, die die richtige Balance findet und weder zu hell. noch zu schummrig ist.

Wir bestellten an diesem Abend den Kronenhalle Spezial mit Gin, Cointreau, Apricot Brandy und Grapefruitsaft, also kräftigen Zutaten. Serviert wurde ein ausgewogener, sehr eleganter Cocktail. Das Rezept stammt aus dem Haus, wie wir auf Nachfrage erfuhren. Es ist über 50 Jahre alt und kommt aus einer Zeit, als es noch nicht üblich war, die Cocktails schockzufrosten. Das war deutlich zu schmecken, der Cocktail hielt auch noch nach einer halben Stunde sein Niveau, ohne in die Bestandteile zu zerfallen. Die Cocktailkirsche setze einen raffinierten Kontrapunkt.

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Später kosteten wir noch einen zweiten Cocktail, den Aurora, der nicht in der Karte stand. Gin und Feilcheninfusion sowie eine Reihe weiterer Zutaten ergaben einen ganz außergewöhnlichen Geschmack. Auch der Olivo Nobile mit Zitronensorbet und Olivenöl belegte eindrucksvoll, dass die Bar keineswegs eine ihn Ehren ergraut ist, sondern eine sehr lebendige Cocktailkultur pflegt, die die Klassiker respektiert und Ihre eigene Interpretation der Moderne mit Lust und großem Können entwickelt.

Klassische und moderne Cocktailkultur auf höchstem Niveau.

 Qualität: 10 Punkte

Atmosphäre: 8,5 Punkte

Service: 8,5 Punkte

Summe: 27