Limonadier

Nostitzstraße 12, 10961 Berlin

Eine schöne Bar. Groß, originell gestaltet, mit vielen schönen Details, wie etwa eine mit Buchseiten tapezierte Wand. Auch wenn man das schon gesehen hat, ist es dennoch gut. Der Anspruch des Teams ist hoch und er wird – mit Schwankungen – eingelöst. Inneneinrichtung, Atmosphäre und Karte zitieren die 20er und 30er Jahre, durchaus gekonnt.

2015_07_08_BT_011_D_Limonadier_05Beispiele aus der aufwändig gestalteten Karte: der Cocktail Bonny & Clyde (Burbon, Single Malt, Zitronensaft, Zucker, hausgemachter Hibiskuslikör, Eiweiß). Klingt kräftig, rauchig und schmeckt auch so. Für die Liebhaber kräftiger Drinks.

Ebenfalls gut gelingen der Kreuzberg Spritz und der erschrischende El Grinch (Tequila, frischer Gurkensaft, Agavendicksaft, Honigwasser, Limettensaft). Letzterer ein sehr aparter, ungewöhnlicher Drink.

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Eine Bar mit ungewöhnlichen Drinks und hohem Anspruch, der durchaus eingelöst wird.

Qualität: 8

Atmosphäre: 8,5

Service: 8

Summe: 24,5

Würgeengel

Dresdener Str. 122, 10999 Berlin

„Zwanzig Leute werden zu einem Essen in einer Villa geladen. Künstler, Bankiers, ein Dirigent, ihre Frauen, in Frack und Abendkleid, tadellose Tischmanieren. Wie von geheimnisvollen Kräften gebannt, verlässt keiner der Gäste die Party. Schließlich wird es offensichtlich: irgendein unerklärbarer Zwang hindert die Menschen am Verlassen des Raumes…“

Mit dieser Beschreibung des Filmes „Der Würgeengel“, den Luis Buñuel 1962 in Mexiko gedreht hat, beginnt die umfangreiche Karte.

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Die Drinks sind bei unserem Besuch – wie an zahlreichen Abenden zuvor – einwandfrei und von bester Qualität. Der an diesem Abend getestete Sazerac (Burbon, Bitters, Absinth, Zucker) ist angemessen kräftig, sehr ausgewogen und hält jedem Vergleich stand.

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Seltsamerweise scheint die Bar zu polarisieren. Die Kritiken in den Blogs reichen von „überbewertet“ bis „Lieblingsbar“. Wir haben nichts auszusetzen. Der Service ist aufmerksam, die Inneneinrichtung bietet zahlreiche gut arrangierte Anspielungen auf dieses und jenes, wer die 1920er entdecken mag, wird ebenso fündig, wie jemand, der sich an die Studentenzeit der 1960er erinnern möchte. Für uns ist der Würgeengel lässig und zuverlässig.

IFEine gute Bar mit guten Drinks und guter Atmosphäre, auf ihre Weise zeitlos.

Qualität: 8

Atmosphäre: 8

Service: 7

Summe: 23

Stagger Lee Bar

 

Nollendorfstr. 27, 10777 Berlin

Rund um den sympathisch schrägen Nollendorfplatz findet sich ein klassischer Saloon. Schwingtüren, Ledersessel und die wahrscheinlich besten Whisky-Drinks östlich von New Orleans. Namensgeber der Bar ist „Stagger Lee“ und seine wirklich dunkle Geschichte: Der schwarze Kutscher und Zuhälter tötet an Heilig Abend 1895 seinen Freund William. Lee wird gefasst, verurteilt und ins Gefängnis gesperrt, wo er 1912 an Tuberkulose stirbt. Mord, Unterdrückung, Rassismus, eine in vielfachen Varianten erzählte und besungene Ballade, die die Inneneinrichtung stilvoll erzählt.

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Die originelle Karte bietet eine große Auswahl. Unter der Rubrik „The Wild Bunch“ finden sich der Philadelphia Fish-Hous-Punch, der Markee, der Old Cuban und der Southside. Letzterer wird angepriesen als „großartiger Erfrischer von den Inselaffen“. Ein Long-Drink mit „Minze, Gin, Zucker und Soda“, dessen Mischung gut gelingt.

Spezialität des Hauses sind die Whisky-Drinks. Der Markee zum Beispiel wird angepriesen als „ein süßer Cowboy mit knackigem Hintern“. Das trifft die Sache. „Burbon, Himbeeren, Zitronensaft und Cranberrynektar“ ergeben eine zupackende und charaktervolle Melange die daherkommt wie John Wayne im legendären „Schwarzen Falken“.

Zu den Drinks gibt es Wasser, die Bedienung versteht es auf Nachfrage, den Geschmack der Gäste zu erspüren, ist freundlich und unaufdringlich obendrein.

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Nach einem staubigen Ritt ist der moderner Saloon am wilden Nollendorfplatz mit seinen exzellenten Whisky-Drinks ein guter Ort um den Tag wegzuspülen.

Qualität: 7,5 Punkte

Atmosphäre: 8 Punkte

Service: 7,5 Punkte

Summe: 23

Amano Bar, Dachterrasse

Im Amano Hotel, Auguststraße 43, 10119 Berlin

Die auf der Dachterrasse gereichte Karte umfasst 19 Cocktails, davon drei ohne Alkohol. Unkomplizierte Cocktails … ein Vermuth Tonic, ein Pink Mojito, die obligatorische Lynchburg Lemonade. Der Mojito und der Pimm’s Cup sehen im ersten Moment aus wie kleine Blumenvasen, aber geschmacklich kann eigentlich nicht viel schief gehen und es geht auch nichts schief. Wasser gibt es nicht, Barfood auch nicht, der Service ist in Ordnung.

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Diese Bar lohnt vor allem wegen des grandiosen Blicks. Die gestalterisch nicht weiter auffallende Dachterrasse bietet eines der ungewöhnlichsten und schönsten Berlin-Panoramen, die derzeit im Angebot stehen. Vor einem breitet sich der vielfach gebrochene Stadtkörper aus, Altbauten neben DDR-Architektur und neuem Berliner Stil. Über die Traufhöhe schieben sich die Türme der Nikolaikirche, des Roten Rathauses, des Neuen Stadthauses, alles überragt vom wunderbar kuriosen Fernsehturm.

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Wer Stadtbilder aus einem Guss mag, wird sich schaudernd abwenden; wer aber ein Faible für das Gebrochene, Vielschichtige, Offene hat, der wird den Blick mögen. Gut für die Blaue Stunde.

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Großartiger Blick über das neue, alte Berlin.

Qualität: 4 Punkte

Atmosphäre: 7 Punkte

Service: 4 Punkte

Summe: 15